Tausende Patienten werden im Krankenhaus zu Opfern von Dieben

hzDiebe im Krankenhaus

Wer als Patient ins Krankenhaus geht, will gesund werden. Doch jedes Jahr werden tausende Patienten genau dort zu Opfern von Dieben. Und die haben oft viel zu leichtes Spiel.

Dortmund

, 06.06.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen sind ernüchternd. 2018, so berichtet das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage, verzeichnete die Polizei 8933 Diebstähle in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen in NRW. Das ist zwar ein Rückgang im Vergleich zu 2017, als noch knapp 10.000 Fälle gemeldet wurden, aber: „Grundsätzlich ist jede einzelne Tat eine zuviel“, sagt Lothar Kratz. Er ist Referatsleiter der Krankenhausgesellschaft NRW.

Geld, Schmuck, Handys - es gibt kaum Wertsachen, die nicht gestohlen werden. „Das Thema ist virulent“, sagt Kratz, „schließlich empfindet man es nachvollziehbar als besonders schlimm, wenn etwas wegkommt, weil man in ein Krankenhaus geht, um Hilfe zu bekommen. Geschieht doch ein Diebstahl, ist das nicht nur für Patienten schlimm, sondern auch für das Krankenhaus.“ Kratz geht davon aus, dass die angezeigten Fälle nur ein Teil der Wahrheit sind: „Es dürfte noch eine erhebliche Dunkelziffer geben.“

Aufklärungsquote gering

Die Chance, dass ein Diebstahl im Krankenhaus aufgeklärt wird, ist gering. Laut LKA lag die Aufklärungsquote 2018 bei 14,4 Prozent. Das heißt: Nur jeder siebte Dieb wurde gefasst.

Das LKA geht davon aus, dass die meisten Diebstähle von „unorganisisrten Einzeltätern“ begangen werden: „Diese gehen durch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen und nutzen unbeobachtete Momente oder andere günstige Gelegenheiten“, sagt Andre Faßbender.

„In vielen Krankenhäusern gibt es schon bei der Aufnahme eines Patienten Hinweise, dass man keine Wertsachen, keinen Schmuck und dergleichen mit ins Krankenhaus nehmen sollte“, sagt Lothar Kratz und ergänzt: „Und wenn doch, möge man sie im Zimmer einschließen, wenn man es verlässt oder in einen Safe, den es in vielen Häusern mittlerweile gibt. Das gilt auch für Handys. In Einzelfällen wird man sicher auch Wertgegenstände an der Rezeption abgeben können.“ Doch diese Vorsichtsmaßnahmen werden allzuoft von Patienten missachtet, sagt Andre Faßbender vom LKA: „Die Täter haben oft leichtes Spiel.“

Aber auch bei aller Vorsicht werde man Diebstähle nie ganz ausschließen können, sagt Lothar Kratz: „Wir haben in den 344 Kliniken in NRW jedes Jahr rund 4,5 Millionen Patienten. Wenn im Schnitt jeder Patient Besuch von drei Menschen erhält, sind das mehr als 13 Millionen Besucher im Jahr. Da kann man nicht verhindern, dass es zu Diebstählen kommt.“

Medizinische Geräte als Diebesgut

Und dann gibt es da noch ein verwandtes Thema, das Krankenhäusern Probleme bereitet: der Diebstahl hochwertiger medizinischer Geräten wie Endoskope: „Teilweise liegt hier der Schaden im sechsstelligen Bereich, sagt Kratz. Dabei werden diese Taten, so Faßbender vom LKA, meist von Tätergruppen verübt, die sich auf solche Taten spezialisiert hätten.

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