Tetanus, Masern und Hepatitis B: Sind wir ausreichend geimpft?

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Jens Spahn will Eltern gesetzlich verpflichten, ihre Kinder gegen Masern zu impfen und damit unter anderem gegen Impfgegner kämpfen. Aber Studien zeigen: Impfgegner sind nicht das Problem.

22.06.2019, 10:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein vergilbtes Stück Papier, das auf dem Boden irgendeiner Schublade liegt und dessen letzter Eintrag in eine Zeit zurückdatiert, in der einen die Eltern noch zum Arzt geschickt haben.

Wenn Deutschland den Impfpass sucht, verläuft die Suche bei 32,5 von 100 Erwachsenen erfolglos. Weil sie nicht wissen, wo er ist oder sicher wissen, dass sie ihn verloren haben. Und ohne Impfpass kein Wissen über den Impfstatus. Ein zentrales Impfregister gibt es in Deutschland nicht, höchstens der Hausarzt weiß mit etwas Glück Bescheid. Wenn der sich seit der Kindheit nicht geändert hat.

Die Masern sollen ausgerottet werden

Verlässliche Zahlen gibt es in Deutschland nur für Kinder. Bei der Schuleingangsuntersuchung, zu der jedes Kind vor der Einschulung gehen muss, wird auch der Impfstatus überprüft und an das Robert-Koch-Institut übermittelt.

So weiß man beispielsweise, dass rund 97 Prozent der Kinder die erste Masern-Impfung erhalten haben, aber nur knapp 93 Prozent die zweite. 95 Prozent müssten es sein, um die Masern ausrotten zu können.

Mit diesen Zahlen argumentiert auch Gesundheitsminister Jens Spahn, der noch in diesem Jahr eine gesetzliche Masern-Impfpflicht für Kinder einführen will. Diese Gruppe, so sagte er gegenüber der Bild am Sonntag, sei entscheidend, um die Masern in Deutschland auszurotten.

Kinder sind vielleicht eine entscheidende, sie sind aber auch eine kleine und überdurchschnittlich gut geimpfte Gruppe. Bei Erwachsenen ist die Impfquote offenbar nicht so gut.

Die Gründe für Impflücken sind komplex

Erkenntnisse über den Impfschutz von Erwachsenen gibt es zwar bisher nur aus Befragungen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) durchgeführt hat, doch die Ergebnisse dieser Studie deuten an, dass es nicht die Kinder sind, bei denen in Sachen Impfen Nachholbedarf besteht.

Um beim Beispiel Masern zu bleiben: Nur rund 38 Prozent der Erwachsenen sind vollständig gegen Masern geimpft, bei den 60- bis 64-Jährigen sogar nur knapp vier Prozent. Auch bei anderen Impfungen wie Keuchhusten oder Hepatitis B zeigt sich, dass Kinder oft viel besser geimpft sind als Erwachsene.

Wer dafür jedoch die Hauptschuld bei Impfgegnern sucht, liegt falsch. In einer weiteren Studie der BzgA gaben nur fünf Prozent der Befragten an, Impfungen generell abzulehnen.

Die Sache ist komplexer: Manche Erwachsene wissen einfach nicht, das ihnen bestimmte Impfungen fehlen. Andere vergessen sie einfach, wiederum andere haben Angst vor Nebenwirkungen.

Eine Lösung könnte sein, den alten Lappen vom Boden der Schublade ins digitale Zeitalter zu holen. Neben einer Impfpflicht will das Gesundheitsministerium nämlich auch einen digitalen Impfpass mit Erinnerungsfunktion einführen.