„The Crown“: Vierte Staffel der Erfolgsserie startet bei Netflix

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Mit viel Aufwand durch die Historie des Hauses Windsor: Die Netflix-Erfolgsserie „The Crown“ beleuchtet in der neuen Staffel die Thatcher-Ära und die Ehe von Prinz Charles und Diana.

Dortmund

, 16.11.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hofberichterstattung ist es nicht, was Chefautor Peter Morgan mit „The Crown“ betreibt. In nunmehr vier Staffeln erzählt er vom Hause Windsor, schlägt einen Bogen von Elizabeths Thronbesteigung bis ins Jahr 1990, als Maggie Thatcher ihren Hut nehmen musste.

Club der Unglücklichen und Versehrten

Was die Netflix-Serie zum Erfolg macht, ist ihre clevere Mischung aus Fakten und Fiktion, die für große, packende Dramatik bürgt. Wobei die Serie weit über zahme Adels-Reportagen hinausgeht und hinter bekannten Tatsachen an ihrer eigenen Wahrheit über die Royals strickt: Die königliche Sippe erscheint als Club der Unglücklichen und Versehrten, die ganze Familien-Saga läuft auf eine Passionsgeschichte hinaus.

Mit der vierten Staffel, die jetzt bei Netflix abzurufen ist, erreicht das kollektive Leiden der Windsors seinen Höhepunkt: Diana Spencer betritt den Buckingham Palast, der schüchterne Backfisch, der als Lady Di zur meistfotografierten Frau der Welt wurde.

Eine traurige Märchenprinzessin, gefangen in einer Farce von Ehe, eingezwängt im Korsett royaler Etikette, das ihr die Luft abschnüren wird.

Königin (Olivia Colman) mit Prinz (Tobias Menzies)

Königin (Olivia Colman) mit Prinz (Tobias Menzies) © Liam Daniel/Netflix

Sicher ist vieles spekulativ, der Wortlaut vertraulicher Unterredungen und Palastgespräche ist nicht verbürgt. Trotzdem wirkt die Serie stimmig in ihrer Erforschung von Gefühls- und Seelenlandschaften. Die liegen irgendwo in einer frostig kühlen Tundra, lassen den Zuschauer aber bestimmt nicht kalt.

Zur Heirat genötigt

Diana (Emma Corrin) führt sich glänzend ein auf Schloss Balmoral, wo die Windsors Heiratskandidaten traditionell auf den Zahn fühlen. Die ist perfekt, wird Prinz Charles signalisiert. Er wird genötigt, Diana zu heiraten, obwohl ihm mehr an Camilla liegt.

In zehn Folgen trägt der frustrierte Charles (Josh O‘Connor) sein gequältes Lächeln zur Schau, ein armer Tropf, der oft Ja und Amen sagt und nun in der Falle steckt.

Diana avanciert zum umjubelten Darling der Medien, was die neue Familie ihr neidet. Ein freundliches Wort hört sie kaum. Dafür erwartet man, dass sie Camilla toleriert, die im Restaurant (namens „Ménage à trois“!) zu Diana sagt, fürs Teilen sei sie immer zu haben. Der Dialog ist erfunden, das Dilemma einer Ehe zu dritt aber nicht.

Sie soll sich fügen, doch Diana wird kämpfen. Gegen die Bevormundung, mit ihrer Essstörung (die manchen Folgen den Warnhinweis „Vorsicht, Bulimie“ einbrachte), für ihre persönliche Freiheit.

Nun ist die vierte Staffel kein reines „Diana-Special“. Es gibt noch mehr trotzige Frauen in den neuen Episoden: Olivia Colman in der Rolle der Queen, Gillian Anderson als „eiserne Lady“ Maggie Thatcher, die großartige Helena Bonham Carter als Prinzessin Margaret.

Thatcher (sehr verhärmt bei Anderson) krempelt das Königreich um. Folge 5, um den Palast-Einbrecher Michael Fagan gestrickt, wird zur Abrechnung mit dem sozialen Kahlschlag der Ära Thatcher.

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Alle sind Sorgenkinder

Queen Elizabeth kämpft um den Zusammenhalt der Sippe und sieht, dass all ihre Sprösslinge Sorgenkinder sind. Margaret ertränkt ihren Kummer und entdeckt in Folge 7 ein dunkles Familiengeheimnis.

Alle müssen sich verbiegen, Hoffnungen begraben, Träumen ade sagen. Dass die echten Royals keine Fans dieser Blaublüter-Chronik sind, verwundert nicht. Sie fällt bitter aus, aber eben auch extrem unterhaltsam.

Chronik der Windsors

Sechs Staffeln beleuchten je ein Jahrzehnt

  • The Crown („Die Krone“) ist eine britische Fernsehserie von Peter Morgan, der auch das Drehbuch zu Stephen Frears Kinofilm „Die Queen“ (2006) schrieb.
  • Die Serie widmet sich dem Leben der britischen Königin Elizabeth II. Mit einem Budget von bis zu 80 Millionen US-Dollar für Staffel eins ist sie das bis heute teuerste Projekt auf Netflix.
  • Die zehnteilige erste Staffel ist seit dem 4. November 2016 weltweit verfügbar. Eine zweite Staffel war bereits zuvor in Auftrag gegeben worden und wurde am 8. Dezember 2017 veröffentlicht. Anschließend wurde die Verlängerung der Serie um eine dritte und vierte Staffel bekannt gegeben.
  • Die dritte Staffel erschien am 17. November 2019, die vierte am 15. November 2020.
  • 2020 wurde die Serie erst um eine fünfte, später um eine finale sechste Staffel verlängert.
  • Die Serie begleitet Queen Elizabeth seit ihrer Hochzeit mit Prinz Philip 1947. Die erste Staffel beschreibt die Zeit vom 19. November 1947 bis Sommer 1956, die zweite Staffel von Sommer 1956 bis ins Jahr 1964.
  • Die dritte Staffel reicht bis in die Mitte der 70er-Jahre. Die weiteren Staffeln sollen sich bis in die Gegenwart bewegen, wobei geplant ist, dass sich jeweils eine Staffel mit einem Jahrzehnt befasst.
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