Ticket-Kauf wieder in vielen Bussen möglich - mehr Schwarzfahrer

hzNahverkehr

Bis Ende des Jahres soll es in allen Linienbussen der Vestischen wieder möglich sein, Tickets beim Fahrer zu kaufen. Voraussetzung ist, dass die Fahrzeuge Scheiben im Fahrerbereich haben.

von Michael Wallkötter

Herten

, 27.10.2020, 10:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittlerweile sind 190 von 240 Bussen des Nahverkehrsunternehmens entsprechend umgerüstet worden. Ebenso wie ein Fünftel der mehr als 100 Fahrzeuge von Fremdfirmen, die im Auftrag der Vestischen im nördlichen Ruhrgebiet unterwegs sind. Auf fünf Linien garantiert die Vestische den Ticket-Erwerb beim Fahrer. Das gilt für

  • den SB 20 (von Recklinghausen Hauptbahnhof nach Herne),
  • den SB 49 und die Linie 249 (jeweils von Recklinghausen Hauptbahnhof über Herten-Mitte nach Gelsenkirchen-Buer),
  • den SB 16 (von Essen Hauptbahnhof über ZOB Bottrop nach Kirchhellen
  • und die Linie 263 (Essen-Karnap - ZOB Bottrop - Oberhausen-Sterkrade).

Auf allen anderen Linien kommen die umgerüsteten Busse nur zum Teil zum Einsatz. Zu erkennen sind die Fahrzeuge an einem Piktogramm an der Frontscheibe.

Die sechs Millimeter dicke Scheibe aus Echtglas soll den Fahrer vor Infektionen schützen, bewahrt ihn aber auch vor gewalttätigen Übergriffen, sagt Torsten Kastner, Abteilungsleiter Technik bei dem Hertener Unternehmen. Um Platz zu schaffen für die Scheiben, müssen u. a. das Kassen- und Druckersystem umgebaut und Kabel neu verlegt werden. Das alles passiert in der Werkstatt auf dem Betriebshof in Herten, wo sich sechs Mitarbeiter ausschließlich um diese Arbeiten kümmern. Materialkosten pro Bus: rund 1000 Euro.

Einnahmen eingebrochen, mehr Schwarzfahrer

Die Corona-Pandemie hat auch bei der Vestischen tiefe Spuren hinterlassen. Die Zahl der Fahrgäste brach ebenso ein, wie die Einnahmen durch den Ticketverkauf. Mittlerweile liege das Fahrgastaufkommen wieder bei 80 Prozent, berichtet Jan Große-Geldermann, Sprecher des Nahverkehrsunternehmens. Die Einnahmeausfälle ließen sich erst am Ende des Jahres verlässlich bilanzieren.

Die Zahl der Schwarzfahrer hat sprunghaft zugenommen. Im Februar, also vor dem Corona-Lockdown, lag die Quote bei 1,6 Prozent. Im Juli, so Große-Geldermann, seien bei Kontrollen sieben Prozent der Fahrgäste ohne ein gültiges Ticket angetroffen worden. Kontrolliert worden sei stets nach Abfahrt von einer Haltestelle, wo der Erwerb eines Fahrausweises in der Nähe möglich gewesen wäre. „So konnten sich die Kunden nicht darauf berufen, sie hätten kein Ticket kaufen können.“

Laut nationalen und internationalen Untersuchungen sind Busse und Bahnen keine Orte erhöhter Infektionsgefahr mit dem Coronavirus. Die Nutzung von Alltagsmasken, die ständige Frischluftzufuhr und die kurze Aufenthaltsdauer (im Schnitt weniger als 15 Minuten) halten das Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen nach Meinung von Experten gering. Die Vestische gewährleistet nach eigenen Angaben in ihren Fahrzeugen eine hohe und dauerhafte Frischluftzufuhr durch regelmäßiges Öffnen der Türen. Die Klimaanlagen sorgten für einen permanenten Luftaustausch. Jedes Fahrzeug werde zudem täglich mit einer Seifenlösung gereinigt, die das Virus zerstöre.
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