Tödlicher Behörden-Irrsinn im Fall Violetta R.: Recherche der Redaktion löst Prüfung aus

hzFall Violetta R. aus Hagen

Violetta R. aus Hagen wurde brutal ermordet. Der mutmaßliche Täter hätte gar nicht auf freiem Fuß sein dürfen. Der Bericht unserer Redaktion über ein tödliches Behörden-Chaos hat jetzt Folgen.

Hagen

, 08.11.2020, 09:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits Mitte dieser Woche beschäftigte sich der Rechtsausschuss des Landtags mit den Vorgängen um den brutalen Tod der 38-jährigen Violetta R. in Hagen. Ihre Leiche war am 15. Juni in ihrer Wohnung in Hagen entdeckt worden. Als mutmaßlicher Täter gilt der seinerzeit nach eigenen Angaben 24-jährige David G. Der aber hätte zur Tatzeit - mutmaßlich der 9. Juni - gar nicht auf freiem Fuß sein dürfen.

G. war 2018 in Serbien wegen zweifachen Menschenhandels zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden und danach geflüchtet. Am 24. April 2020 war er in Hagen gefasst und in Auslieferungshaft genommen worden. Am 2. Juni war er wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil nach Angaben der deutschen Behörden die notwendigen Unterlagen aus Serbien nicht schriftlich vorgelegen hätten. Letzteres bestreitet Serbien, zudem lagen seit dem 29. Mai sämtliche Unterlagen als Anhänge an E-Mails vor.

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Erst am 3. Juni hätten die Unterlagen in der richtigen Form vorgelegen, sagt die Generalstaatsanwaltschaft Hamm. Erst dann sei erneut ein neuer Haftbefehl in die Wege geleitet worden.

Da Violetta R. erst am 9. Juni 2020 mit rund 50 Messerstichen getötet wurde, wären eigentlich noch sechs Tage Zeit geblieben, um das Schlimmste zu verhindern, aber: Nach weiteren massiven zeitlichen Verzögerungen zwischen deutschen Behörden versuchte die Polizei erst am 15. Juni eine Festnahme von G.. Dabei fand sie die Leiche von Violetta R.

G. wurde einen Tag später in Iserlohn festgenommen und wartet jetzt auf seinen Prozess. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Totschlags gegen ihn erhoben.

Nachdem unsere Redaktion bereits im Sommer über Behörden-Pannen berichtet hatte, landete das Thema am 4. November auf der Tagesordnung des Rechtsausschusses des Düsseldorfer Landtags. Dort legte das Justizministerium einen sechsseitigen Bericht vor, der sich im Wesentlichen auf die Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft Hamm stützt und dabei die auch gegenüber unserer Redaktion gemachten Aussagen wiederholt, allerdings entscheidende Punkte, über die wir berichtet hatten, auslässt.

Lange Liste heikler Fragen

Das sieht zumindest die SPD-Fraktion im Landtag so. In einer E-Mail an unsere Redaktion schreibt ein Sprecher der SPD, das Thema sei zwar im Rechtsausschuss gewesen, aber: „Da Sie interessante Informationen haben, die uns bislang so nicht bekannt waren, werden wir dies für den nächsten Rechtsausschuss am 18.11.2020 erneut als Tagesordnungspunkt für den Rechtsausschuss anmelden.“

Inzwischen ist das geschehen. Die SPD erwartet einen erneuten schriftlichen Bericht des Justizministeriums zu dem Fall. Konkret hat sie dazu die heiklen Fragen aufgelistet, die durch unsere Berichterstattung aufgeworfen wurden.

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