Nach Hauseinsturz in Düsseldorf: Zweiter Arbeiter tot gefunden

Ermittlungen

Zwei Tage nach dem Einsturz eines Hauses in Düsseldorf haben Rettungskräfte auch den zweiten vermissten Arbeiter tot gefunden. Umso dringender stellt sich die Frage: Waren die Arbeiten an dem Haus eigentlich genehmigt?

Düsseldorf

29.07.2020, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
An der Unglücksstelle läuft am Mittwoch (29.7) die intensive Suche nach dem zweiten vermissten Bauarbeiter weiter.

An der Unglücksstelle läuft am Mittwoch (29.7) die intensive Suche nach dem zweiten vermissten Bauarbeiter weiter. © picture alliance/dpa

Zwei Tage nach dem Hauseinsturz in Düsseldorf haben Rettungskräfte den zweiten vermissten Arbeiter tot in den Trümmern entdeckt. Das teilte die Feuerwehr am Mittwoch mit. Eine Notärztin habe den Tod des Mannes festgestellt. Das mehrgeschossige Haus war bei Sanierungsarbeiten am Montagmittag aus bislang unbekannten Gründen plötzlich zusammengestürzt.

Ein erstes Todesopfer des Unglücks war bereits am Dienstag gefunden worden. Der Mann wurde inzwischen durch einen DNA-Test identifiziert - es ist ein 35 Jahre alter Arbeiter aus Wuppertal. Wegen der tonnenschweren Trümmer und der instabilen Lage am Unfallort konnten beide Opfer bisher nicht geborgen werden. Die Familien beider Opfer seien an der Einsatzstelle informiert und durch Notfallseelsorger betreut worden.

Staatsanwaltschaft hat sogenanntes Todesermittlungsverfahren eröffnet

Feuerwehr und Rettungskräfte hatten bis zum Mittwochnachmittag mit Höhenrettern vom Personenkorb eines Krans aus fieberhaft nach dem verschütteten Arbeiter gesucht und die Hoffnung nicht aufgegeben. „Das ist hier weiter eine Menschenrettung, auch wenn wir von Anfang an keine Hilferufe oder Klopfzeichen wahrgenommen haben“, hatte Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen noch am Vormittag gesagt. Dann kam dennoch die Enttäuschung.

Die Staatsanwaltschaft hat nach dem Fund des ersten Toten bereits ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eröffnet, in dem ein mögliches Fremdverschulden geprüft wird, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Die Stadt hatte am Dienstag mitgeteilt, dass für die Arbeiten an dem Haus zwar am Montag eine Genehmigung erteilt worden sei, es aber noch keine Baufreigabe gegeben habe. Dafür habe ein Standsicherheitsnachweis gefehlt.

Zahlreiche Arbeiten wie die Erneuerung von Fenstern und Türen seien allerdings auch ohne die Baufreigabe erlaubt. Es müsse geprüft werden, welche Arbeiten genau am Gebäude gemacht worden seien und wodurch der Einsturz verursacht worden sei.

Suche nach der Einsturzursache gestaltet sich schwierig

Die am Krankorb schwebenden Höhenretter hatten am Mittwoch Trümmer gesichert, die von einem anderen Kran hochgezogen werden sollten. So hätten sich die Rettungskräfte vorsichtig vorgearbeitet, ohne die Unfallstelle mit ihrem Gewicht zu belasten, sagte der Feuerwehrsprecher. Sie seien sehr gut vorangekommen. Die Arbeiten würden voraussichtlich bis in die Nacht dauern.

Die Suche nach der Einsturzursache werde schwierige „Detektivarbeit“, sagte der NRW-Landeschef der Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik, Alexander Pirlet, der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Bei Rückbauten von Gebäuden entstünden immer wieder statisch besondere Situationen, etwa, wenn Wände entfernt werden müssten. Bei Nachkriegsbauten wie diesem Haus seien Bauherrn nach dem Krieg vielfach sparsam mit Stahleinlagen umgegangen, und die Betonqualität sei insgesamt schlechter gewesen.

Das Hinterhaus in der Düsseldorfer Innenstadt in der Nähe der Königsallee war am Montagnachmittag teilweise eingestürzt. Von einem mehrere Stockwerke hohen, leerstehenden Gebäudeteil blieb nur ein Trümmerberg mit Mauerteilen, Steinen, Latten und einem Rest vom Gerüst übrig. Notfallseelsorger und Psychologen betreuten mehr als 50 Menschen, darunter Arbeiter von der Baustelle, Angehörige der Vermissten und Anwohner, die aus ihren Wohnungen heraus mussten.

dpa

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