Über 10.000 Jahre alt: Forscher entdecken Agrarregion im Amazonasbecken

Landwirtschaft

Forscher haben in der Moxos-Ebene ein bisher unbekanntes Agrarzentrum entdeckt, wo Menschen vor tausenden Jahren Nutzpflanzen anbauten. Damals entstandene Waldinseln sind noch heute nützlich.

Departamento Beni

19.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Symbolbild.

Symbolbild. © picture alliance/dpa

Im südwestlichen Amazonasbecken haben Forscher ein bislang unbekanntes Zentrum früher Landwirtschaft entdeckt. Schon vor über 10.000 Jahren bauten Menschen in der heute zu Bolivien zählenden Moxos-Ebene auf künstlich angelegten Waldinseln Maniok und Kürbisse an.

Damit sei die Region das fünfte frühe landwirtschaftliche Zentrum weltweit, schreibt das Team um Umberto Lombardo von der Universität Genf in der Zeitschrift “Nature” – neben Vorderasien, China, Südmexiko und den nördlichen Anden.

Moxos-Ebene: so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen

Die Moxos-Ebene ist von Tausenden Waldinseln durchzogen – kleinen bewaldeten Hügeln, die im Gegensatz zur umliegenden Savanne während der Regenzeit von Dezember bis März nicht überschwemmt werden. Genetische Analysen hatten bereits früher darauf hingedeutet, dass viele Nutzpflanzen in dieser Region ihren Ursprung haben, darunter Maniok, Kürbisse und Chili.

Die Forscher um Lombardo lokalisierten in dem Gebiet, das etwa so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen, zunächst per Fernerkundung etwa 6650 Waldinseln. Bei 82 davon entnahmen sie Bodenproben, vier untersuchten sie eingehender durch archäologische Grabungen.

Ältester Maniok ist 10.350 Jahre alt

Die Bodenprofile sowie Rückstände von Holzkohle und Knochen ergaben, dass 64 untersuchte Inseln von Menschen geschaffen waren. Sie waren zwischen 0,5 und drei Meter hoch und durchschnittlich etwa 0,5 Hektar groß. Demnach gehen die Forscher von mindestens 4700 anthropogenen Inseln in der Region aus. Vermutlich seien es ursprünglich noch viel mehr gewesen, weil sich in großen Teilen des Gebiets später Flusssedimente ablagerten.

Per C14-Datierung bestimmte das Team das Alter der menschlichen Besiedlung auf bis zu 10.850 Jahre. Pflanzliche Mikrofossilien, sogenannte Phytolithe, wurden unter dem Mikroskop analysiert und ebenfalls datiert: “Wir konnten zeigen, dass das früheste Alter für Maniok im Amazonas 10.350 Jahre ist, für Kürbis 10.250 Jahre und für Mais 6850 Jahre”, wird Lombardo in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.

Waldinseln sind Futter- und Schlafplätze von Vögeln

Demnach gab es in der Region Landwirtschaft schon 8000 Jahre früher als bisher angenommen. Der Maniok-Anbau habe sich vermutlich von hier aus in die nördlichen Anden ausgebreitet, wo die ältesten Belege – im heutigen Norden von Peru – etwa 8500 Jahre alt sind.

Demnach hätten bereits die sehr frühen Bewohner der Moxos-Region Pflanzen kultiviert und die damals noch unfruchtbare Landschaft mit der Anlage der Waldinseln umgestaltet. “Heutzutage sind diese anthropogenen Waldinseln bevorzugte Futter- und Schlafplätze vieler Vogelarten, darunter der endemische und vom Aussterben bedrohte Blaulatzara (Ara glaucogularis)”, schreibt das Team.

Menschen besiedelten den amerikanischen Kontinent vor grob 20.000 Jahren von Asien aus über die Beringstraße. Vor 14.600 Jahren hatten Siedler das südliche Chile bereits erreicht.

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