Umweltaktivisten seilen sich bundesweit von Autobahnbrücken ab

Protestaktion

Der Autobahnausbau in Hessen erzürnt Aktivisten seit Wochen. Mit einer Protestaktion haben sie auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. In ganz Deutschland seilten sie sich von Autobahnbrücken ab.

27.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Umweltaktivisten seilen sich bei Schleswig in Schleswig-Holstein an einer Brücke über der Autobahn 7 ab.

Umweltaktivisten seilen sich bei Schleswig in Schleswig-Holstein an einer Brücke über der Autobahn 7 ab. © picture alliance/dpa

In mehreren deutschen Städten haben sich Umweltaktivisten am Freitagmorgen von Autobahnbrücken abgeseilt und für Autobahnsperrungen gesorgt. Bei Braunschweig sorgten sie so für eine Vollsperrung der Autobahn 2. Nach Angaben eines Polizeisprechers setzten sie sich für einen Rückbau von Autobahnen und für den Dannenröder Wald ein. „Die Aktion ist mittlerweile aber beendet und die drei Personen wurden für eine Identitätsfeststellung mitgenommen“, sagte der Polizeisprecher. Die Autobahn sei in beide Richtungen wieder freigegeben.

Auch die Autobahn 4 bei Jena und in Dresden sowie die Autobahn 7 bei Schleswig und bei Kassel wurden am Morgen wegen ähnlicher Aktionen zeitweise komplett gesperrt. Wie die Polizei mitteilte, seilten sich dort zwei Menschen von einer Brücke ab. Außerdem seien Banner entrollt worden. Nach einer zeitweisen Vollsperrung wurde die Strecke am Vormittag auf zwei Fahrstreifen in jede Richtung wieder freigegeben, sagte eine Polizeisprecherin.

Aktivisten fordern sofortige Verkehrswende

An einer Brücke über die Autobahn 20 bei Tribsees im Landkreis Vorpommern-Rügen ist die Autobahn am Freitagmorgen in beiden Richtungen ebenfalls zeitweise gesperrt worden. Wie die Polizei mitteilte, lösten Beamte die Aktion auf, an der sechs Menschen beteiligt waren. Eine Person habe sich mit einem Plakat abgeseilt und habe anschließend medizinisch behandelt werden müssen.

Die Aktivisten gaben an, sie wollten mit der Aktion Druck auf die Landesregierung ausüben und gesellschaftliche Diskurse anregen. Sie forderten eine sofortige Verkehrswende und den Schienenausbau in Mecklenburg-Vorpommern sowie ein Ende der Rodungen im Dannenröder Wald in Hessen für einen Autobahnausbau.

Umweltschützer protestieren gegen Waldrodung in Hessen

Auch auf der Autobahn 485 in Gießen gab es eine Abseilaktion, die mit den A49-Protesten in Zusammenhang stehen soll. Dort seilten sich der Polizei zufolge drei Personen von einer Brücke ab. Die Autobahn wurde am Vormittag in beide Richtungen gesperrt, der Verkehr staute sich. Aktivisten zufolge soll es deutschlandweit ähnliche Aktionen geben.

Für den Weiterbau der A49 sollen in einem Waldstück nahe Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume gerodet werden, die Arbeiten laufen bereits. Umwelt- und Klimaschützer protestieren, weil sie das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt halten. Es gab bereits mehrere Blockade- und Abseil-Aktionen an Autobahnen.

Befürworter versprechen sich von dem Weiterbau der A49 weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den Dörfern und eine bessere Anbindung ans Straßennetz.

RND