Urteil im McLaren-Prozess: Mutter verlässt bei Details den Saal - „Ich bin hilflos und leer“

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Während die Richterin bei der Urteilsverkündung klare Worte findet, versteckt sich der Angeklagte aus Scham hinter Akten. Für die Mutter der jungen Frau dauert der Albtraum bis heute an.

Essen

, 03.08.2020, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gina wurde nur 18 Jahre alt. Am 20. März 2019 wurde sie bei einem Unfall mit Tempo 300 aus einem McLaren-Sportwagen geschleudert. Am Steuer saß ein Freund. Der 25-Jährige ist am Montag verurteilt worden. Die Strafe: 14 Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung, dazu zwei Jahre Führerschein-Entzug, Zahlung von 25.000 Euro an die Verkehrswacht.

570 PS, von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden: Der Angeklagte hatte den Luxussportwagen erst zwei Tage vor dem Unfall übernommen. Die Leasingrate belief sich auf stolze 1400 Euro pro Monat.

Über die Leitplanke gegen einen Baum

Kurz vor dem Unfall hatte sich der 25-Jährige mit Freunden getroffen. Dann ging es über die A52 von Essen in Richtung Düsseldorf. Gina saß auf dem Beifahrersitz. „Sie war von dem Auto fasziniert“, sagt sein Verteidiger Roland Rautenberger.

Dann das Drama. Der Angeklagte verliert die Kontrolle über den Wagen, schrammt an der Leitplanke entlang, schleudert gegen einen Baum. Gina ist sofort tot, der Angeklagte kommt wie ein Wunder fast ohne Verletzungen davon.

Warum der 25-Jährige die Kontrolle über den Wagen verloren hat, ist umstritten. Im Urteil war von einem hohen Maß an Selbstüberschätzung, geistiger Unreife und Rücksichtslosigkeit die Rede. Wörtlich sagte Richterin Heike Stumm: „Die Autobahnen sind nicht dafür ausgelegt, hemmungslos darauf herumzurasen.“ Einen technischen Defekt schloss sie aus.

Mutter: „Ich bin hilflos und leer“

Für Ginas Mutter dauert der Albtraum bis heute an. „Meine Tochter wird mir jeden Tag für den Rest meines Lebens fehlen“, sagte sie mit leiser Stimme. „Ich bin hilflos und leer.“ Unverantwortlich nennt sie das, was der Angeklagte getan hat. „Es ist unvorstellbar, diese Geschwindigkeit zu fahren, wenn man das Auto nicht kennt. Vor allem, wenn man eine Beifahrerin hat, für die man mitverantwortlich ist.“ Die grausamen Details vom Unfall wollte sie gar nicht hören. Als der Staatsanwalt die Anklage verlas, hatte sie den Gerichtssaal verlassen.

Der Angeklagte wollte sich offenbar ebenfalls am liebsten verkriechen. Vor Prozessbeginn trug er eine schwarze Sonnenbrille, Mundschutz und Basseballkappe, versteckte sich zusätzlich hinter Aktentaschen. Auch später, als Prozess begann, hatte er einen Aktenkoffer auf dem Tisch – als Sichtschutz in Richtung Zuschauerreihen.

„Schwer in Worte zu fassen“

Ganz wortlos wollte er den Prozess aber nicht über sich ergehen lassen. „Der Schmerz ist schwer in Worte zu fassen“, sagte er in Richtung der Familie. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun. Es tut mir unendlich leid.“

Das letzte Wort ist in dem Verfahren wohl noch nicht gesprochen. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt – weil ein Defekt nicht ausgeschlossen werden könne.

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