Urteil im Mordfall Mine O. - Richter sehen verachtenswertes Motiv

hzLandgericht Duisburg

Im Mordfall Mine O. hat das Gericht in Duisburg ein Urteil gesprochen: Der Ehemann hatte die junge Frau erwürgt und vergraben. Die Richter sprechen von einem besonders verachtenswerten Motiv.

Duisburg

, 05.10.2020, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was für eine gruselige Vorstellung: Tagelang ist ein Mann mit seinem sechsjährigen Sohn durch die Gegend gefahren – im Kofferraum die Leiche seiner Ehefrau. Am Montag ist der 29-jährige Duisburger verurteilt worden. Die Strafe: lebenslange Haft wegen Mordes.

„Es muss einen anderen geben“

Es war der Abend des 7. September 2019, als der Angeklagte seine Frau erwürgt hat. Die junge Mutter war nach Hause gekommen, wollte aber gleich wieder weg. „Es muss einen anderen geben.“

Jetzt lesen

So oder so ähnlich soll es ihm damals durch den Kopf geschossen sein, bevor er seine Hände um den Hals seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau legte und mehr als fünf Minuten lang zudrückte. So lange, bis sie auch wirklich tot war. Der kleine Sohn des Paares war im Nebenzimmer, bekam aber wohl zum Glück nichts mit.

Legende des verlassenen Ehemannes

Drei Monate lang hat der Angeklagte die Legende des verlassenen Ehemannes aufrecht gehalten. Er hat seine Frau als vermisst gemeldet und bei ihrer Familie Trost gesucht. Den er auch bekommen hat.

Die Leiche hatte er damals in einen Koffer gelegt, den er erst mit dem Auto durch die Gegend fuhr, dann – nach einigen Tagen – in einer extra angemieteten Garage deponierte. Als der Verwesungsgeruch jedoch immer stärker wurde, entschied er sich, die Leiche im Wald zu vergraben. Er buddelte ein Loch, legte sie hinein, goss Beton obendrüber.

„Ich wollte sie für mich“

Die Polizei war jedoch immer misstrauisch geblieben. Als sie schließlich die Garage fand – mit eindeutigen Spuren – erfolgte die Festnahme. Das war Anfang Dezember vergangenen Jahres.

Jetzt lesen

Zunächst hatte der Angeklagte die Tat zwar weiter geleugnet, dann aber alles zugegeben und die Ermittler auch zu der Stelle geführt, an der er seine Frau verscharrt hatte. „Sie war so hübsch“, sagte er den Beamten, „Ich habe sie geliebt. Ich wollte sie nur für mich haben. Ich wollte sie mit niemandem teilen.“

Motiv stehe auf tiefster Stufe und sei besonders verachtenswert

Die Richter am Duisburger Schwurgericht werteten diese Einstellung als „uneingeschränktes Besitzdenken“. Ein Motiv, das auf tiefster Stufe stehe und daher besonders verachtenswert sei. An einer Verurteilung wegen Mordes gehe deshalb kein Weg vorbei.

Die Verteidigerin hatte im Prozess dagegen von einem Trennungsstreit gesprochen, bei dem der Angeklagte wüst beleidigt worden sei. „Ein Spontanreaktion“, so Anwältin Simone Dahlmann-Ludwig. Sie hatte auf Totschlag plädiert und eine milde Strafe gefordert. Überzeugen konnte sie die Richter jedoch nicht.

Lesen Sie jetzt