Virologe Kekulé: „Wir sind noch mitten in der ersten Welle“

Krankheiten Pandemie

Zum zweiten Mal hintereinander vermeldet das RKI mehr als 1000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Der Virologe Alexander Kekulé spricht zwar nicht von einer zweiten Welle – findet es aber besorgniserregend.

08.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Virologe Alexander Kekulé zeigt sich über den Anstieg der Neuinfektionen besorgt.

Der Virologe Alexander Kekulé zeigt sich über den Anstieg der Neuinfektionen besorgt. © picture alliance/dpa

Der Virologe Prof. Alexander Kekulé hat sich beim Anstieg der Neuinfektionen gegen die Bezeichnung als zweite Welle ausgesprochen. „Ich mag den Ausdruck nicht so gerne, weil wir rein epidemiologisch noch in der ersten Welle sind“, sagte Kekulé am Freitag im „FAZ“-Podcast. Anhand der aktuellen Zahlen sei jedoch nicht mehr von der Hand zu weisen, „dass wir wieder in einen Zustand kommen, der so ähnlich ist, wie zur Zeit der Lockdowns“.

Kekulé: Urlaubsrückkehrer spielen große Rolle

Für den Anstieg der Neuinfektionen spiele hauptsächlich das Verhalten der Menschen eine Rolle. Auch Urlaubsrückkehrer treiben laut Kekulé die Zahlen in die Höhe, „wobei das nicht nur die Risikogebiete sind, sondern meines Erachtens auch Menschen, die sich im Urlaub weniger sorgfältig geschützt haben“. Die neuen Covid-19-Fälle seien auch „deshalb so besorgniserregend, weil wir jetzt lauter Einzelfälle haben, die aufs ganze Land verteilt sind“, sagte der Virologe der Universität Halle (Saale).

Dabei plädiert Kekule für ein alternatives Zählsystem. Seiner Meinung nach sollten nicht die neuen Fälle pro Landkreis erfasst werden, sondern solche, die noch keiner bekannten Infektionskette zugeordnet werden können. Diese sogenannten Initialfälle zeigten jedoch auch, „wo die Überforderung der Gesundheitsbehörden“ beginnt.

Weil der größte Teil der Menschen bei der Infektion mit Covid-19 keine Symptome zeigt, steuere Deutschland auf dieses Szenario zu, so Kekulé. Auch die Schulöffnungen beobachte er mit Sorge. „Ich bin nicht glücklich darüber, dass man dieses Risiko eingeht“, sagte der Virologe im F.A.Z.-Podcast.

Das Robert-Koch-Institut hat bereits den zweiten Tag in Folge mehr als 1000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Am Freitag kamen nach Angaben der deutschen Gesundheitsämter 1147 neue Corona-Infektionen hinzu. Bereits am Donnerstag waren die Zahlen mit 1045 neuen Corona-Fällen entsprechend hoch. Damit hat die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht.