Virologe Streeck: „Werden Coronavirus höchstwahrscheinlich nicht mehr los“

Coronavirus

Wann sind Großveranstaltungen möglich? Helfen Massentests zur Überbrückung? In der Corona-Krise gibt es viele Fragen zum „Danach“. Laut Virologe Hendrik Streeck geht das Virus nicht mehr weg.

17.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für den Virologen Hendrik Streeck ist klar, dass wir einen Weg finden müssen, mit dem Coronavirus zu leben.

Für den Virologen Hendrik Streeck ist klar, dass wir einen Weg finden müssen, mit dem Coronavirus zu leben. © picture alliance/dpa

Der Begriff „Corona-Krise“ könnte bald gänzlich der Phrase „Corona im Alltag“ weichen, betrachtet man die Aussagen des Virologen Hendrik Streeck in einem aktuellen Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dort betont der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn mehrfach, dass wir einen Weg finden müssten, mit dem Virus zu leben und realisieren müssten, dass das Virus nicht mehr weggehen wird. Streeck appelliert an die Politik, pragmatisch an neue Ansätze heranzugehen.

Mit Pragmatik gegen Corona-Einschränkungen

Derzeit diskutieren Veranstalter Konzepte für Großveranstaltungen wie Konzerte oder Fußballspiele. Für den Virologen ist klar, dass man so zwar den Großteil der Infektionen vermeiden kann, jedoch nicht alle Infektionen unterbinden wird. „Das Virus ist Teil von unserem Alltag geworden, wir werden es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht loswerden“, sagt Streeck gegenüber der FAZ. Damit derartige Veranstaltungen aber nicht verboten bleiben, müsse es eine Richtschnur geben, wie verschiedene öffentliche Bereiche wieder zum Leben erweckt werden. Der Experte setzt dabei auf die politischen Entscheider, die „mit einem pragmatischen Blick an neue Ansätze herangehen“ sollten.

In diversen Konzepten spielen Corona-Schnelltests eine Rolle. Diese sieht der Virologe weder positiv noch negativ – so seien Tests, die auf PCR-Basis sind, recht präzise, müssten aber im Labor durchgeführt werden. Zudem könnten Massentests ein trügerisches Gefühl von absoluter Sicherheit vermitteln.

„Dauerwelle“: Coronavirus als Teil unseres Alltags

Weiter gibt Streeck zu bedenken, dass es gilt, Szenarien zu entwerfen für den Fall, dass es vielleicht gar keinen Impfstoff geben wird, da man bisher für keines der verschiedenen Coronaviren einen Impfstoff gefunden habe. „Wir werden es in der Bevölkerung nicht schaffen, alle Sars-CoV-2 Infektionen zu unterbinden“, sagt der Experte gegenüber der FAZ. Doch dies sei eventuell nicht notwendig, da bereits viele Daten zeigen, „dass die große Mehrheit einen milden bis asymptomatischen Krankheitsverlauf hat.“ Deshalb müsse man eher die Menschen mit entsprechenden Maßnahmen schützen, die einen schweren Verlauf haben. Man könne die Pandemie weltweit nicht durch die Unterbrechung der Infektionsketten, Testungen und Quarantäne beenden, lediglich kontrollieren. „Wir müssen aber einen Weg finden, mit diesem Virus zu leben“, erklärt Streeck.

Infolgedessen kritisiert der Virologe im Interview auch die Verwendung des geläufigen Begriffs „zweite Welle“, da er suggeriere, dass wir die erste Welle bereits abgeschlossen haben und die zweite viel schlimmer wird. „Wir müssen realisieren, dass das Virus hier ist und nicht mehr weggehen wird, dass wir es gewissermaßen mit einer Dauerwelle zu tun haben“, so Streeck gegenüber der FAZ.

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