Vorbestrafter Priester trotz Missbrauchs aktiv - Ruhrbischof: „Neue Taten kommen ans Licht“

Missbrauch in der Kirche

Ein wegen Missbrauchs von Kindern vorbestrafter Priester war Jahrzehnte lang weiter aktiv. Der Fall wird nun untersucht. Ruhrbischof Overbeck kündigt weitreichende Maßnahmen an.

Bochum

, 30.11.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vorbestrafter Priester trotz Missbrauchs aktiv - Ruhrbischof: „Neue Taten kommen ans Licht“

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck kündigte an, dass alle Personalakten des Bistums noch einmal durchleuchtet werden. © dpa

Der Fall eines wegen Missbrauchs vorbestraften Priesters, der in Bochum später noch jahrelang in der Seelsorge aktiv war, soll jetzt extern untersucht werden. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck habe ein Institut in München damit beauftragt, den Fall wissenschaftlich aufzuarbeiten, sagte ein Bistumssprecher. Hinweise auf weitere Missbrauchstaten des Mannes in seiner Zeit in Bochum gebe es aber nicht, hatte das Bistum bereits mitgeteilt.

In einem Interview mit der WAZ (WAZ+) kündigte Ruhrbischof Overbeck an, alle Personalakten des Bistums sollen durchleuchtet werden. Der Fall sei „ein eindrückliches Beispiel für den unverantwortlichen Umgang mit Missbrauchstätern in den eigenen Reihen.“

Overbeck räumte ein, dass es durchaus weitere Fälle geben könne, die jetzt ans Licht kommen. „Es werden weitere Taten ans Licht kommen. Davon können wir ausgehen“, sagte er gegenüber der WAZ. Auch die Schwere des Tatbestandes Kindesmissbrauch sei bagatellisiert worden, erklärte Overbeck.

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Im Ruhestand weiter in Bochum-Wattenscheid aktiv

Der Priester wurde 1972 wegen „fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen“ zu einer Haftstrafe verurteilt. 1988 erhielt er dazu noch eine Bewährungsstrafe wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen.

Der Priester war in den Ruhestand gewechselt und vom Erzbistum Köln ins Bistum Essen gezogen. Dabei wurde er 2002 für 13 Jahre lang erneut in der Seelsorge einer Gemeinde in Bochum-Wattenscheid aktiv. Damit bekam er auch Kontakt zu Kindern, obwohl das Bistum Essen aus dem Erzbistum Köln gewarnt und auf die Vergangenheit des Mannes hingewiesen worden war.

Das Bistum Essen hatte 2002 ein fachärztliches Gutachten eingeholt, wonach von dem Mann keine Gefahr mehr ausgehe. Daraufhin war dieser noch bis 2015 seelsorgerisch tätig. Vor seinem Einsatz in Wattenscheid war er laut dem katholischen Online-Magazin Kirche und Leben u.a. in Westerkappeln, Recklinghausen, Essen und Moers-Asberg im Bistum Münster tätig.

Auch Felix Genn hatte um Entschuldigung gebeten

Auch Münsters Bischof Felix Genn hatte vor einigen Tagen betont, der Einsatz des Mannes sei ein „verheerender Fehler“ gewesen. Der Priester war mehrfach versetzt worden und davor auch in Bocholt und Essen tätig gewesen. Als früherer Bischof von Essen bitte er alle um Entschuldigung, die sich betrogen fühlten, schrieb Genn.

mit dpa

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