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Perlende Variationen

Vreden Für das zweite Konzert der Reihe "Kulturraum Stiftskirche" mit dem Thema Variationen wurde die Cembalistin Marieke Spaans eingeladen. Sie spielte eigens dafür die Goldberg-Variationen, BWV 988 von Johann Sebastian Bach auf dem mitgebrachten zweimanualigem Cembalo, eine Kopie eines Instruments des Antwerpeners Johannes Ruckers aus dem Jahre 1624.

18.02.2008

Perlende Variationen

<p>Marieke Spaans gab am vergangenen Sonntag in der besonderen Atmosphäre der Vredener Stiftskirche ein außergewöhnliches Konzert: Es erklangen die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Feldhaus Tenhumberg</p>

Ein Ölgemälde, ein Nachbildnis eines Originals vom Landschaftsmaler Claude Lorrain ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, ziert den Innendeckel des Instruments und machte am Sonntag das ästhetische Bild im und mit dem Chorraum perfekt. Trotz dieses Aspektes hätte man sich die Nähe zur Spielerin, zum konzentrierterem Klang gewünscht. Und, wie die Musikerin nach dem Konzert berichtet, wäre ihr die Nähe zum Publikum auch lieber gewesen...

Bernd Sikora begrüßte die Anwesenden und führte in die Materie der Goldberg-Variationen ein - unter anderem mit der Anekdote, dass der Hauspianist Goldberg, ein Schüler Bachs, seinem unter Schlaflosigkeit leidenden Arbeitgeber, dem russischen Gesandten in Dresden, Graf von Keyserlingk, nachts mit den Variationen unterhielt.

Die von Bach selber als Aria mit verschiedenen Veränderungen für das Clavicimbal mit zwei Manualen benannt und 1741 als Clavierübung gedruckt, ist ein Musterbeispiel barocker Variationskunst und das Allerheiligste von Bachs Musik: neben der Kunst der Fuge eine gleichwertige Kunst der Veränderung in 30 Variationen über eine Sarabanden-Arie. In der 30.Variation taucht der Divertimentogeist wieder auf, wo Bach zwei Volksweisen zu einem fröhlichen Quodlibet verarbeitet. An Stelle 32 steht wieder die Arie, diese 32 Takte lang.

Kostprobe

32 Mal die wunderbare Vorführung einer barocken Verzierungskunst der jungen, schon oft preisgekrönten Cembalistin Marieke Spaan: Sie erhielt in ihrer Ausbildungszeit ein authentisch historisches Spielfundament, unter anderem von Gustav Leonhard, und gab in Vreden davon eine Kostprobe. Wie aus dem Ärmel geschüttelt perlten die Variabelpassagen virtuos und leichtfüßig. Marieke Spaan verband bei der vorgesehenen Terrassendynamik das Polyphone mit Homophonem in atemberaubender Fingertechnik und an gegebener Stelle mit äußerst cantablem Spiel.

Harmonische Abläufe bei Register- oder Manualwechsel, nichts unterbrach das perfekte Kompositionsbild. Das Publikum bedankte sich mit stehendem Applaus. Marieke Spaans hätte gerne noch etwas gespielt, aber die Goldberg-Variationen BWV 988 kann in diesem Moment in der Stiftskirche Vreden nichts übertreffen.

Hanne Feldhaus-Tenhumberg

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