Warum Bibliotheken bald auch sonntags öffnen könnten

hzNRW plant Sonntagsöffnung in Büchereien

Öffentliche Bibliotheken sollen zukünftig auch sonntags geöffnet sein. Das wünschen sich CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen und haben dafür einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht.

NRW

, 15.05.2019, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Gegensatz zu Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen müssen kommunale Bibliotheken an Sonn- und Feiertagen schließen. Das sei nicht mehr zeitgemäß, finden die Politiker der beiden Parteien und wollen das ändern.

Bibliotheken sind in den vergangenen Jahren zum Ort der sozialen Begegnung geworden, Soziologen bezeichnen sie als sogenannte „dritte Orte“, im Unterschied zum privaten Raum und dem Platz zum Arbeiten oder Lernen. In ihnen finden Lesungen, Förderangebote, Workshops und andere Aktionen statt. Ein Manko aber bleibt: Die Öffnungszeiten, die gerade für Arbeitnehmer in Vollzeit wenig attraktiv sind.

Berufstätigen Eltern bleibt in der Woche kaum Zeit, gemeinsam mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen, Bücher und Medien auszuleihen. „Gerade an dem Tag, wo die gesamte Familie die Räumlichkeiten nutzen kann, haben die Bibliotheken bislang geschlossen“, erklärt Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, in einer Mitteilung den Hintergrund des Gesetzesentwurfs. Bisher gibt es in einigen Städten das „open library“-Modell, das sonntags die Bücherei mit Sicherheitsleuten, aber ohne bibliothekarisches Fachpersonal öffnet.

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Auch der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) macht sich seit Langem für eine Sonntagsöffnung der Bibliotheken stark. Barbara Lison, Bundesvorsitzende des DBV und Leiterin der Stadtbibliothek in Bremen, hatte dort 2012/13 einen Modellversuch gestartet und an sechs Sonntagen öffnen können. Die Resonanz war hoch, sagt Lison. „Viele Familien sind gekommen, wir hatten teils nicht genug Platz für die Kinderwagen.“ Es seien aber auch viele Einzelpersonen gekommen, die die Möglichkeit genutzt hätten, unter Menschen zu sein. Lison begrüßt den NRW-Vorstoß. Sonntags zu öffnen, lohne sich, auch wenn die Personalkosten an dem Tag höher seien. Damit die Öffnungszeiten in der Woche darunter nicht litten, könnte man analysieren, in welchen Randzeiten man weniger Mitarbeiter brauche, empfiehlt die DBV-Bundesvorsitzende.

Ein wenig neidisch schaut Barbara Lison nach Skandinavien und in die Niederlande. Während in Deutschland durchschnittlich weniger als 20 Euro an öffentlichen Mitteln für Bibliotheken ausgegeben werde, seien es in Skandinavien über 50 Euro. Dort haben die Büchereien nicht nur sonntags geöffnet, es gibt dort viele neue Ansätze, an denen sich Deutschland orientieren könne. „Die Länder probieren mehr aus, sind innovationsfreudiger, mehr auf die konkreten Bedürfnisse der Bürger ausgerichtet.“

Ein Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, das den für Kultur verantwortlichen Entscheidungsträgern in den Kommunen Besuche in verschiedene dänische und niederländische Stadtbibliotheken anbietet, soll das in Deutschland unterstützen. „Man muss die Bilder in den Köpfen der Entscheidungsträger ändern“, sagt Lison.

In NRW befindet sich der Gesetzesentwurf zurzeit in der Beratung, ein konkreter Zeitplan liegt noch nicht vor.