Warum viele Arbeitnehmer gar nicht ins Home Office wollen

hzNeue Arbeitswelt

Arbeiten vom heimischen Schreibtisch liegt im Trend. Bessere Work-Life-Balance, weniger Pendeln. Doch Home Office kann auch Nachteile haben, sagen Experten. Viele Arbeitnehmer schreckt das ab.

von Paul Klur

NRW

, 21.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Laut dem Digitalverband Bitkom ließen 2018 39 Prozent der deutschen Unternehmen Mitarbeiter ganz oder teilweise von zu Hause arbeiten. Das sind fast doppelt so viele wie vier Jahre zuvor. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmer gingen davon aus, dass in Zukunft immer mehr ihrer Mitarbeiter im Home Office arbeiten werden.

Auf Drängen der SPD arbeitet das Arbeitsministerium derzeit an einem Gesetz, dass Arbeitnehmern ein Recht auf Home Office gewähren soll. Wenn Firmen ihren Mitarbeitern das Arbeiten außerhalb des Betriebs nicht erlauben, müssten sie das zumindest begründen.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßt den Vorschlag. Laut Sprecherin Lisa-Isabell Wiese ergeben sich durch Home Office „neben Risiken auch ganz neue Möglichkeiten, Beruf und Privatleben besser miteinander verbinden zu können.“ Außerdem hätten auch Arbeitgeber Vorteile, weil sie Strukturen im Betrieb einsparen können. „Beschäftigte, die eine bessere Work-Life-Balance durch Home Office haben, sind oft auch motivierter“, so Wiese. Wenn die Tendenz weiter in Richtung Home Office geht, sei es wichtig, „dass Arbeitnehmer den Anschluss an den Betrieb nicht verlieren“. Daher sieht Verdi ein Recht zur Rückkehr in den Betrieb und klare Vereinbarungen als dringend notwendig an. Home Office sei nämlich auch oft verantwortlich dafür, dass Arbeitnehmer sich selbst ausbeuten und ihr Privatleben darunter leide.

„Der Wunsch, Privates und Berufliches zu trennen ist auch ein Grund, warum viele Arbeitnehmer Home Office gar nicht nutzen wollen, obwohl es möglich wäre“, sagt Dr. Anne Marit Wöhrmann von der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In einer Befragung der BAuA haben zwei Drittel aller Beschäftigten, die nicht von zu Hause arbeiten, angegeben, dabei auch bleiben zu wollen. „Die soziale Einbindung kann verloren gehen, wenn man etwa an informellen Gesprächen in der Kaffeepause nicht mehr teilnimmt“, sagt Wöhrmann. „Ein Recht auf Home Office sollte also nur dafür sorgen, dass mehr Menschen von zu Hause arbeiten dürfen, wenn sie es auch wollen“, so die Psychologin.

Sie rechnet tendenziell damit, dass mehr Menschen in Zukunft von zu Hause arbeiten können. „Die Möglichkeiten dafür werden durch die Digitalisierung immer besser.“ Pendelwege könnten dadurch auch eine geringere Rolle bei der Wahl des Wohnorts spielen, so Wöhrmann. Home Office könnte es Berufstätigen also deutlich leichter machen, aufs Land oder in kleinere Städte zu ziehen – auch wenn der Arbeitgeber seinen Sitz in einer Metropole hat.