Weiterer Dämpfer für die Geburtshilfe in Borken: Minister Laumann verbreitet keine Hoffnung

hzMarienhospital Borken

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann macht keine Hoffnung auf einen Erhalt der Geburtshilfe im St.-Marien-Hospital. Das wird aus einem Brief an die Bürgermeisterin deutlich.

von Peter Berger

Borken

, 27.12.2019, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem an Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing gerichteten Brief schreibt Laumann: „Die Versorgung ist auch bei einer Zusammenführung der Gynäkologie und Geburtshilfe des St.-Marien-Hospitals Borken am Standort Bocholt gesichert.“ Die Entscheidung des Klinikums Westmünsterland, die Geburtshilfestationen Borken und Bocholt im Jahr 2022 in Bocholt zu fusionieren, hält der CDU-Politiker für „sehr begründet“.

Versorgung sei nicht gefährdet

Mit seinem Schreiben reagiert Laumann auf eine Resolution, die die Stadtverwaltung und der Stadtrat unter anderem an ihn und an Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn geschickt haben. In der Resolution wird der Erhalt der geburtshilflichen Angebote in Borken gefordert.

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Laumann schreibt, er könne nachempfinden, dass die geplante Umstrukturierung für die Bürger der Stadt Borken schwer nachvollziehbar ist. Es handele sich aber um eine Entscheidung, die der Krankenhausträger selbst treffen könne. Die flächendeckende Versorgung in der Geburtshilfe sei dadurch nicht gefährdet. Dies sei – nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses – erst der Fall, wenn die Fahrzeit mehr als 40 Minuten betrage.

„Der gesamte Kreis Borken wird durch entsprechende leistungsstarke und erreichbare Abteilungen (...) an den Standorten Bocholt, Ahaus und Gronau weiterhin versorgt“, so Laumann. Die Station in Borken gehöre zu den kleinen Geburtshilfen in Nordrhein-Westfalen. „Mit der Zusammenlegung am Standort Bocholt besteht die Chance und Hoffnung, dass im Kreis Borken eine qualitativ gute geburtshilfliche Abteilung dauerhaft erhalten werden kann.“ Größere Strukturen könnten unter anderem dem Personalmangel besser begegnen.

„Borken wird Stück für Stück ausgetrocknet“

Bei den Borkener Ratsmitgliedern kam die Antwort von Minister Laumann nicht gut an. Unterschiede wurden bei der Bewertung der neuen Lage deutlich. Frank Richter, der wie Laumann der CDU angehört, sagte, er würde es begrüßen, wenn die Geburtshilfe in Borken erhalten bliebe. „Ich mache mir aber wenig Hoffnung“, so Richter, „den Konzentrationsprozess halten wir nicht auf.“

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Kampfeslustiger äußerten sich Vertreter anderer Parteien. Jürgen Niemeyer (SPD) will sich weiter für den Erhalt der Geburtshilfe einsetzen. Er erinnerte an die Schlaganfall-Abteilung, die ebenfalls auf der Kippe stand und doch in Borken blieb. Siggi Martsch (Bündnis 90/die Grünen) befürchtet, „dass Borken Stück für Stück ausgetrocknet wird“. „Der Standort Borken muss vollumfänglich erhalten bleiben“, so Martsch.

Ein rein formaler Akt war eine Abstimmung nach der Diskussion. Die Resolution hatte die Verwaltung in Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden am 21. November verschickt. Der Stadtrat musste ihr im Nachhinein noch zustimmen – was einstimmig geschah.

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