Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Warten auf den nächsten MS-Schub

WERNE Sie ist wacklig auf den Beinen. Ohne Cityroller oder die Stütze ihres Mannes könnte sie nicht mehr laufen. Dabei lief alles so gut. Hedwig Langer, seit 1993 Multipler Sklerose-Patientin, hatte das Medikament ihres Lebens gefunden. Doch seit Januar muss sie darauf verzichten. Die Krankenkassen zahlen nicht mehr.

von Von Helga Felgenträger

, 29.02.2008
Warten auf den nächsten MS-Schub

Seit dem jüngsten Schub kann Hedwig Langer nicht mehr ohne den Cityroller oder die Hilfe ihres Mannes Raimund laufen.

Immunglobulin. Seit 1994 bekam sie es zweimal im Monat als Infusion. „Ich hab‘ es sehr gut vertragen“, sagt die 53-Jährige und ist heute verärgert.

Seit Januar muss sie auf ihren Lebensretter verzichten oder zweimal im Monat 800 Euro zahlen, soviel kostet die Infusion. „Das Medikament darf nicht mehr verschrieben werden“, hat ihr die Krankenkasse mitgeteilt. Der Medizinische Dienst habe es nicht genehmigt. Problem sei, dass das Arzneimittel nicht speziell für MS ausgewiesen sei.

Dann passierte, was passieren musste. Sechs Wochen nach der letzten Infusion, inzwischen hätte sie drei Stück haben müssen, setzte ein kräftiger Schub ein. Es kribbelte am ganzen Körper. Dabei hätte das nicht sein müssen. Sieben Jahre lang hatte sie mit Immunglobulin Ruhe. „Es ging mir so gut“.

Medizinisches Wunder

„Sie sind ein medizinisches Wunder“, hatte ihre Ärztin, Neurologin aus Selm, Dr. Cornelia Kuhnen, immer wieder gesagt. Kuhnen hatte für dieses Medikament gekämpft.  Gemeinsam mit ihren Patienten protestierte sie 2001 vor dem Gebäude der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund für Immunglobuline.

„300 000 DM forderte die Krankenkasse“, sagt Dr. Kuhnen auf Anfrage der Ruhr Nachrichten. Der Protest hatte Erfolg, das Medikament durfte weiter verabreicht werden.

Sammelklage geplant

Doch seit einigen Wochen hat sie erneut einen Regressanspruch über 200000 Euro auf dem Schreibtisch liegen. „Die Akte ist inzwischen zehn Zentimeter hoch“, sagt sie und wird klagen.

Genauso wie viele andere, die gemeinsam eine Sammelklage anstreben. Auch Hedwig und ihr Mann Raimund Langer ziehen vor Gericht. „Wir gehen an die Öffentlichkeit“, sagt er und hofft, dass sich Betroffene melden.   

Lesen Sie jetzt