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„Werner Original“ feiert 50-Jähriges

WERNE Viele Originale gibt es in Werne ja nicht mehr, eines der ganz wenigen ist Paul Quante. Er feiert in diesen Tagen das Goldjubiläum seines Friseursalons.

01.02.2008

„Ich wollte schon immer Friseur werden“, erzählt er, und lacht sich halb scheckig, wenn er an das entsetzte Gesicht seines Vaters denkt, als er die Pferde und Schafe frisierte: „Mein Vater war immer dagegen.“

1945 Gesellenprüfung

Und so begann das sechste von acht Kindern am 1. Februar 1945 beim Friseur Kersting (heute Kleinschnittger) seine Lehre. Wird nach drei Jahren Geselle, nach weiteren fünf legt er seine Meisterprüfung ab. Im Februar 1958 macht er sich zum großen Entsetzen seines Chefs in der Burgstraße selbstständig, nach einem Vierteljahr kommt der Damensalon dazu. 1959 heiratet er seine Margret, sie hatte ihr Handwerk beim Friseur Aschwer erlernt.

Standort Marktplatz

Im Oktober des Jahres 1964 gelingt Paul Quante ein Coup, auf den er bis heute stolz ist: Er kauft das Haus am Markt 11, in dem er und seine Familie seitdem leben und arbeiten. „Das war das erste Haus am Marktplatz, das seit über 200 Jahren verkauft wurde.“ Und so wurde nach aufwändigen Umbauarbeiten aus einer ehemaligen Kopfschlächterei das „Haus der Schönheit“.

Für auf gut westfälisch „bekloppt“ erklärte man ihn, als er sein Haus ganz in lila streichen ließ. „Eine Kosmetikfirma stellte ihre Produkte komplett in lila vor, das hab‘ ich übernommen“, erklärt er ganz lässig und schiebt nach: „Heute ist das Haus das Markenzeichen am Werner Marktplatz“.

Renovierung zum 40-Jährigen

Zum 40-jährigen Bestehen des Frisiersalons wurde das Haus renoviert (Paul Quante: „Das Haus hat viele Winkel, aber nur zwei rechte“), das Umbaukonzept entwickelten seine Kinder, die Friseurmeister Andreas und Petra sowie Architekt Thomas Laarmann-Quante.

„Welten“ lägen zwischen dem Friseurberuf heut‘ und zu der Zeit, als er anfing. „Bis zu 150 Männer habe ich in der Woche rasiert“, sagt er, das war zu einer Zeit, als es noch kaum Elektrorasierer gab. „Mittwochs und samstags herrschte Hochbetrieb, da kamen die Männer zum Rasieren, das war so Usus.“

Rasur für 50 Pfennig

Und Paul Quante musste die Messer am Wetzleder schärfen, einmal Rasieren kostete 50 Pfennige (für die Heutigen: das sind 25 Cent), die Kunden saßen in drei Stühlen, von denen jeder 3 500 DM kostete (für die Heutigen: das sind rund 1 300 Euro).

„Welten“ lägen auch zwischen den Moden: in den 60-ern wurden die Haare hochgesteckt oder Perücken getragen, „meine Frau hat bis spät in die Nacht Haarteile frisiert“; die 70-er hat Paul Quante als „schwierige Zeit“ in Erinnerung, die Leute ließen sich die Haare wachsen, „da gingen 10.000 Friseure in Deutschland Pleite“, erregt er sich.

Mit den 80-ern kommt die Farbe

Farbe kam in den 80-ern ins Haar, Strähnen wurden Trend, zehn Jahre später färbte frau sich die Haare knallig rot, grün oder blau. Jetzt seien weichere, fraulichere Frisuren angesagt.

Bundesweite Berühmtheit erlangte Paul Quante 1985 durch einen Kurzauftritt in „Wetten, dass“ bei Frank Elsner. Dort wurden Punker gesucht, er und sein Sohn Andreas verpassten sich einen Irokesenschnitt – mit durchschlagendem Erfolg: „In 84 Zeitungen ist mein Bild gewesen. In ganz Deutschland.“

Tochter Petra übernimmt

Seit einigen Jahren tritt Paul Quante kürzer, er hat das Geschäft an seine Tochter Petra übergeben. Die Friseurmeisterin, Kosmetikerin und Betriebswirtin im Handwerk ging bei ihrem Vater in die Lehre, Sohn Andreas ist ebenfalls Friseurmeister, lebt seit 1998 in Paris. Dort ist er für eine deutsche Firma für die Friseurausbildung in Frankreich zuständig.

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