Westfleisch will in Coesfeld 70.000 Schweine pro Woche schlachten – Erweiterung beantragt

hzWestfleisch in Coesfeld

Der Coesfelder Rat hat die Weichen dafür gestellt, dass das Unternehmen Westfleisch künftig 70.000 statt 55.000 Schweine pro Woche schlachten könnte: Der Schlachthof in Stockum will erweitern.

von Detlef Scherle

Coesfeld

, 21.12.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coesfelder Stadtrat hat bei drei Gegenstimmen der Grünen die Aufstellung des Bebauungsplans 82 a „Heerdmer Esch Erweiterung“ beschlossen. Hintergrund dafür ist, dass die Westfleisch Finanz AG ihren Betrieb in Stockum erweitern will. Die Kapazitäten sollen von derzeit 55 000 auf 70 000 wöchentliche Schweine-Schlachtungen erhöht werden (+25 %).

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Während draußen vor der Rathaustür dagegen demonstriert wurde , lieferten sich Befürworter und Gegner drinnen im Ratssaal eine lebhafte Debatte – auch über ethische Fragen. „Das Fressen kommt vor der Moral“, hatte es Bertolt Brecht in seiner „Dreigroschenoper“ auf den Punkt gebracht. Wenn es nach Erich Prinz (Grüne) ginge, sollte das anders sein. Er spricht prekäre Beschäftigungsverhältnisse bei Westfleisch an.

„Das Leid für die Nutztiere wird sich erhöhen“, meinte er. Auch durch längere Transportwege. Und: „Wir spielen mit den Wasservorräten der nächsten Generation“, sprach er den erhöhten Verbrauch an, der den Grundwasserspiegel absenken könne.

„Gutachten sehen und Bürger beteiligen“

Die freie Wählergemeinschaft Pro Coesfeld stimmte für die Aufstellung des Bebauungsplans – aber aus strategischen Gründen. „Wir wollen die Gutachten sehen und die Bürger beteiligen“, begründete Fraktionssprecher Günter Hallay dieses Vorgehen. Auch in seiner Fraktion werde das Thema kritisch betrachtet: „Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft.“

„Die Entscheidung können die Bürger selber treffen – auf dem Teller“

Ethische Fragen an diesem Bebauungsplan festzumachen, hält Michael Heiming (SPD) für falsch: „Die Entscheidung können die Bürger selber treffen – auf dem Teller“, betonte er. Außerdem betreffe ein großer Teil des Tierwohls gar nicht die Schlachtung, sondern die Haltung des Viehs. Die bei Westfleisch kritisierten Werksverträge gebe es auch bei anderen großen Coesfelder Firmen, erläuterte er.

Man sollte die Chancen sehen: „Wenn Westfleisch wegginge, würden wir auch tarifgebundene Arbeitsplätze verlieren.“ Leiharbeiter, meinte auch Norbert Frieling (CDU), seien „nicht das Thema dieses Aufstellungsbeschlusses“. Und den Fleischkonsum könne man darüber auch nicht steuern.

Bürgermeister: Kürzere Transportwege für Schlachtschweine

Bürgermeister Heinz Öhmann erläuterte, dass die Transportwege sich sogar verkürzen werden, weil die meisten Schweine aus der Nähe kämen. Zurzeit würden viele von hier bis nach Oer-Erkenschwick gefahren. Vielfach falsch dargestellt wird aus seiner Sicht auch die Wasserproblematik: Westfleisch dürfe jährlich 4,1 Millionen Kubikmeter fördern. „Das ist die absolute Grenze und die wird auch bei einer Erweiterung nicht erhöht werden“, stellte er klar.

Niedrige Abwassergebühren für Coesfelder

Und beim Abwasser, erklärte Stadtbaurat Thomas Backes, trage Westfleisch derzeit schon dazu bei, dass die Coesfelder niedrige Gebühren zahlen. Von einer Erweiterung würde wohl keine gebührensteigernde Wirkung ausgehen.

Laut Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld/Familie) wird der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zu mehr Transparenz beitragen: „Dann kommen Zahlen und Fakten auf den Tisch.“ Und die ethischen Punkte, so der Fraktionssprecher, würden durch den Verbraucher an der Fleischtheke geklärt.

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