Whatsapp ändert Nutzungsbedingungen: Was Sie darüber wissen sollten

Facebook und Whatsapp tauschen ab Februar Daten aus. Eine Möglichkeit, dem zu widersprechen und die App trotzdem weiterzunutzen, gibt es nicht – jedoch soll die der Datenaustausch die EU nicht betreffen.

08.01.2021, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zum 8. Februar treten die neuen Nutzungsbedingungen von Whatsapp in Kraft.

Zum 8. Februar treten die neuen Nutzungsbedingungen von Whatsapp in Kraft. © picture alliance / Martin Gerten/dpa

Momentan poppt bei vielen Whatsapp-Nutzern ein Fenster auf. „WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und seine Datenschutzrichtlinie“, ist dort zu lesen. Bis zum 8. Februar 2021 müssen Nutzer zustimmen, um die App weiter nutzen zu können. Wer das nicht will, dem bleibt nur eines: deinstallieren. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wer auf seinem Android-Gerät „Nicht jetzt“ antippt, kann Whatsapp noch bis zum 8. Februar nutzen - aber keinen Tag länger.

Wer auf seinem Android-Gerät „Nicht jetzt“ antippt, kann Whatsapp noch bis zum 8. Februar nutzen - aber keinen Tag länger. © picture alliance/dpa/Whatsapp

Was ändert sich bei Whatsapp?

Schon seit 2014 gehört Whatsapp zu Facebook. Nun schreibt der Messengerdienst in seinen aktualisierten Nutzungsbedingungen und der ebenfalls aktualisierten Datenschutzrichtlinie fest, dass Daten zwischen Facebook und Whatsapp ausgetauscht werden dürfen. „Anders lässt sich die Allgemeinklausel ‚Wir können mithilfe der von ihnen erhaltenen Informationen (…) unsere Dienste (…) betreiben, bereitstellen, verbessern, verstehen, individualisieren, unterstützen und vermarkten‘ nicht verstehen“, schreibt das Magazin „t3n“ für digitale Wirtschaft.

Auch ein Austausch zu anderen Facebook-Unternehmen ermöglichen Nutzer Whatsapp, wenn sie den neuen Richtlinien zustimmen. Neu ist dieser Passus laut „t3n“ nicht – aber im Gegensatz zu früher gibt es nun keine Möglichkeit mehr, ihm zu widersprechen.

Allerdings teilten die beiden Unternehmen laut Deutscher Presse-Agentur am Donnerstagabend mit, dass die genannten Änderungen beim Datenfluss zwischen Whatsapp und Facebook keine Nutzer innerhalb der Europäischen Union betreffen.

Welche Daten speichert Whatsapp?

Erst einmal: Chatnachrichten speichert der Messenger in der Regel nur auf dem Gerät, nicht auf den Servern des Unternehmens. Facebook sichert zudem zu, nicht mitzulesen, wenn wir uns online unterhalten.

Ausnahmen sind: Nachrichten, die nicht zugestellt werden können. Sie bleiben bis zu 30 Tage in verschlüsselter Form auf den Servern gespeichert. Außerdem werden weitergeleitete Medien „temporär in verschlüsselter Form“ auf den Servern gespeichert.

Unter anderem diese Daten erhebt und nutzt Whatsapp wie folgt:

Automatisch erhobene Informationen:

  • Aktivität der Nutzer: Dazu zählt, wie, wann und wie lange jemand Whatsapp nutzt oder wie mit einem Unternehmen kommuniziert wird.
  • Daten zum Gerät: Whatsapp erhebt zum Beispiel das Smartphone-Modell, den Batteriestand, Signalstärke und IP-Adresse.
  • Standortinformationen: Wer zugestimmt hat, dass Whatsapp auf den eigenen Standort zugreifen darf, erlaubt dem Unternehmen auch für Diagnosezwecke auf den Standort via IP-Adresse und Anrufvorwahlen zuzugreifen.

Wie Whatsapp mit anderen Facebook-Unternehmen zusammenarbeitet:

  • „Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält Whatsapp Informationen von anderen Facebook-Unternehmen und teilt auch Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen“, schreibt der Messenger in seinen Richtlinien. Whatsapp begründet diese Maßnahme mit Sicherheit, aber auch damit, so die eigenen Dienste besser vermarkten zu können.

So verarbeitet Whatsapp unter anderem Daten:

  • Zunächst ist das Unternehmen auf die Einwilligung der Nutzer angewiesen. Ohne Einwilligung keine Datenverarbeitung.
  • Ordnet eine Strafverfolgungs- oder Vollstreckungsbehörde das Herausgeben der Daten in Zusammenhang mit einer Untersuchung an, kommt Whatsapp dieser Verpflichtung nach.
  • Um Messungen und Analysen bereitzustellen. Zum Beispiel, um Werbekunden zu zeigen, welche Leistungen sie zu welchem Preis erwarten können oder welche Reichweite sie erzielen.
  • Stichwort Marketingkommunikation: Whatsapp räumt sich das Recht ein, personenbezogene Daten „zur Förderung der Produkte von Facebook-Unternehmen und zum Versenden von Direktwerbung“ zu verarbeiten.

Warum ändert Whatsapp die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzrichtlinien?

„Whatsapp muss einige Informationen erhalten oder erheben, um unsere Dienste zu betreiben, anzubieten, zu verbessern, zu verstehen, zu individualisieren, zu unterstützen und zu vermarkten“, steht in der Datenschutzrichtlinie des Messengers. Das Gleiche gelte auch für die Drittanbieter und andere Facebook-Unternehmen, mit denen der Dienst zusammenarbeitet.

Whatsapp zu nutzen, ist bisher für Nutzer kostenfrei. Geld verdienen will Facebook mit dem Messenger aber trotzdem. „Im harmlosesten Fall blendet euch Whatsapp kontextbezogen Vorschläge ein“, mutmaßt das Magazin „t3n“. So ein Vorschlag könnte zum Beispiel darin bestehen, Werbung für eine Fußballwebseite zu bekommen, wenn man gerade mit einer Freundin die neuesten Spielergebnisse bei Whatsapp diskutiert hat. Whatsapp könnte die Webseite für diese Art der Werbung bezahlen lassen. Geld verdient der Messenger also nicht mit den Nutzern direkt, sondern indem es Unternehmen Werbeangebote macht. Die wiederum fußen auf den Informationen, die der Dienst aus den Nutzerdaten auswertet.

Perspektivisch wolle Whatsapp weitere Gimmicks entwickeln, so „t3n“. Dazu zähle eine Bezahlfunktion und auch mit Nutzern anderer Plattformen bei Whatsapp zu chatten. Beispielsweise Instagram gehört auch zu Facebook. Außerdem können Händler schon jetzt ihre Waren direkt über Whatsapp verkaufen – ebenfalls gegen Gebühr an den Dienst.

Kann ich den neuen Whatsapp-Nutzungsbedingungen (später) widersprechen?

Ja. „Gemäß den geltenden Datenschutzgesetzen hast du das Recht auf Auskunft, Berichtigung und Übertragbarkeit beziehungsweise Löschung deiner Informationen sowie das Recht, bestimmte Verarbeitungen deiner Informationen einzuschränken beziehungsweise ihnen zu widersprechen“, steht in der Datenschutzrichtlinie des Messengers und an anderer Stelle: „Wenn wir von dir bereitgestellte Daten auf Grundlage deiner Einwilligung verarbeiten, hast du das Recht, diese Einwilligung jederzeit zu widerrufen.“

Allerdings, wer den Bedingungen widerspricht, darf die App nicht mehr nutzen.

Alternativen zu Whatsapp sind einige auf dem Markt zu finden. Die hierzulande bekanntesten sind Threema, Signal und Telegram. Was diese Messenger können und welche es noch gibt, lesen Sie hier.