Wie leicht lassen wir uns doch manipulieren

Theater Oberhausen

Ibsens „Volksfeind“ ist ein Klassiker, Florian Fiedlers Inszenierung ist es auch.

Oberhausen

, 14.01.2018 / Lesedauer: 3 min
Wie leicht lassen wir uns doch manipulieren

Einer gegen alle: Clemens Dönicke spielt den Titelhelden der Oberhausener Inszenierung. Foto: © Karl-Bernd Karwasz

Der Norweger Ibsen bescherte dem Theater Oberhausen mit der 2011 zum Berliner Theatertreffen eingeladenen „Nora“ schon einmal einen großen Erfolg. „Ein Volksfeind“ könnte daran anknüpfen. So viel Beifall wie bei der Premiere am Freitag gab es hier zuletzt selten.

Dabei ist Florian Fiedlers Inszenierung auch schon fast ein Klassiker: Er brachte sie Ende 2007 erstmals in Frankfurt heraus, nahm sie drei Jahre später in Hannover wieder auf. Seine Oberhausener Überarbeitung allerdings setzt neue Akzente.

Mächtige Frauen

Das wichtigste Update betrifft die bei Ibsen noch klar von Männern dominierte Gesellschaft: Bei Fiedler sind nun vier dieser Akteure Frauen. Denn sein „Volksfeind“ spielt im 21. Jahrhundert. Und wir, das Publikum, sind die lokale Bevölkerung, die den Badearzt Dr. Thomas Stockmann nach seiner Enthüllung eines Umweltskandals zum Feind erklärt. Weil er damit erst mal „unserm“ Standort und den Eigeninteressen schadet.

Auf dem Steg, der von der Bühne aus durch den Zuschauerraum führt, wird man unmittelbar in den Konflikt um Wahrheit, Mehrheit und Macht hineingezogen und kriegt zu spüren, wie sich die „kompakte Majorität“, wie es bei Ibsen heißt, manipulieren lässt.

Brot und Spiele

Clemens Dönicke, jungenhafter Typ in grauem Rollkragenpullover und Turnschuhen, gibt dabei einen ruhig-nachdenklichen Badearzt, dem man seine grundehrliche Haltung abnimmt, ihn aber auch als Träumer abtun könnte. Zumal er in Jürgen Sarkiss als Bruder Peter im Amt des Bürgermeisters einen so starken Gegenspieler hat.


Sarkiss gibt einen coolen, subtilen Demagogen ab, der es versteht, die Leute für dumm zu verkaufen. Er macht (leere) Versprechungen und rockt als brillanter Leadsänger („Let me entertain you“) mit Peter Engelhardt (E-Gitarre) und Martin Engelbach (Drums) die Bühne. Da wird auch die sonst so gestrenge Frau Aslaksen (Lise Wolle) ganz locker.

Ein auf erfrischende Weise anregender Theaterabend.

Termine: 21./26.1., 10./ 16./25.2., 5.5.; Karten: Tel. (0208) 8578184.
Schlagworte: