Wirkt der „Teil-Lockdown“ nicht? Deutsche fast so viel unterwegs wie im Oktober

Coronavirus

Die Corona-Regeln sollen Kontakte begrenzen. Handydaten zeigen aber, dass die Deutschen fast genauso mobil sind wie vor dem „Teil-Lockdown“. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land.

von Jan Sternberg

, 12.11.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bänke und Tische der Restaurants bleiben leer. Seit Monatsbeginn gilt in Deutschland ein Teil-Lockdown.

Bänke und Tische der Restaurants bleiben leer. Seit Monatsbeginn gilt in Deutschland ein Teil-Lockdown. © picture alliance/dpa

Der „Teil-Lockdown“ mit der Schließung von Gaststätten und Kultureinrichtungen hat bisher kaum Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten. Die Deutschen sind fast so viel unterwegs wie vor den neuen Beschränkungen, die seit Anfang November gelten.

Bundesweit ist die durchschnittliche Mobilität um 4,7 Prozent gegenüber der Vorwoche gesunken. Das Statistische Bundesamt wertet anonymisiert Handydaten aus und kann so errechnen, wie viel die Nutzer unterwegs sind. Erstmals seit Juni 2020 liegt die Mobilität über eine Woche hinweg unterhalb des Vorjahresniveaus.

Rückgang weit unter den Zahlen des Frühjahrs

Der Rückgang liegt damit weit unter den Zahlen während des ersten „Lockdowns“ im Frühjahr, als flächendeckend auch Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen und viele Betriebe geschlossen waren. Damals ging die Mobilität zeitweise um mehr als 30 Prozent gegenüber den Vorjahreswerten zurück. Am Feiertag 1. Mai wurden dieses Jahr sogar 59 Prozent weniger Bewegungen verzeichnet als 2019.

Seit Juli liegt die Mobilität wieder auf Vorjahresniveau oder knapp darüber. In den Großstädten bleiben anscheinend weit mehr Menschen zuhause als auf dem Land: In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen liegt der Wert am 10. November mehr als ein Viertel unter dem Vorjahreswert, ebenso in Frankfurt, München, Düsseldorf und Köln. In Stuttgart waren ein Fünftel weniger Menschen unterwegs, bundesweit nur zehn Prozent.

Die Statistiker versuchen auch, anhand der Bewegungsdaten auf das Verkehrsmittel zu schließen - das funktioniert zumindest im Fernverkehr. Im Frühjahr brachen Schienen- und Straßenverkehr stark ein.

Unnötige Fahrten werden offenbar vermieden

Von August bis September war dann wieder mehr Straßenverkehr unterwegs als 2019, ab Oktober sinkt der Wert erneut. Der Schienenverkehr bleibt unterdurchschnittlich, nach einem Anstieg über den Sommer sinken die Zahlen bis Ende Oktober wieder stark.

Insgesamt vermeiden Menschen in Risikogebieten offenbar eher unnötige Fahrten: Die Mobilität in Regionen mit einer niedrigen 7-Tage-Inzidenz (unter 50 Covid-19-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner), bleibt höher als die in Regionen mit höheren Inzidenzwerten.

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