Yuja Wang ist eine moderne Heldin ohne Rüstung

Klavier-Festival Ruhr

Pianistin Yuja Wang eroberte Essen beim Klavier-Festival Ruhr im Sturm.

Essen

17.06.2018 / Lesedauer: 2 min
Yuja Wang ist eine moderne Heldin ohne Rüstung

Das Konzerthaus Dortmund widmet Yuja Wang in der nächsten Saison eine Porträtreihe mit vier Konzerten. © Kirk Edwards

Die chinesische Pianistin Yuja Wang legt es darauf an, dass man sich über ihre Outfits auslässt: Am Samstag beim Klavier-Festival Ruhr in der Philharmonie Essen zeigte sie viel nackte Haut – und es ist nicht davon auszugehen, dass das eine Anspielung auf die „Wilden 1920er- Jahre“ sein sollte, die im 1932 in Berlin uraufgeführten fünften Klavierkonzert von Prokofjew nachwirken.

Als Pianistin verkörperte die 31-Jährige (im Vorprogramm zu Strauss‘ Tondichtung „Ein Heldenleben“) eine moderne Amazone. Vor sich ein Noten-Tablet, stürmte sie genial-brillant, rhythmisch-pointiert und extrem kraftvoll durch das halbstündige Prokofjew-Konzert. Sie ließ ihre Muskeln spielen, bewältigte aber alle Klippen des virtuosen Klavierparts nicht nur mit extremer Treffsicherheit, sondern auch mit großer Leichtigkeit.

Präzises Dirigat

Das umsichtig-präzise Dirigat von Jakub Hrusa sorgte dafür, dass sie klanglich perfekt eingebunden war ins WDR-Sinfonieorchester Köln. Yuja Wang bedankte sich beim begeisterten Publikum mit drei Zugaben, darunter Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ in der Liszt-Bearbeitung. Eine gespenstisch-drängende Interpretation.

Im „Heldenleben“ dann schwelgten die Sinfoniker im üppigen Strauss-Klang. Hrusa konnte aus dem Vollen schöpfen, den unter Hochdruck spielenden Musikern ekstatisch-rauschhafte Klänge entlocken. Konzertmeister Tobias Steymans stellte in seinem Solo einschmeichelnd und kokett die Geliebte dar.

Zum Nachhören

Ein leidenschaftlich-mitreißender Konzertabend. Nachhören kann man ihn am 18. Juli 2018, 20.04 Uhr, auf WDR 3. Das Konzerthaus Dortmund widmet Yuja Wang in der nächsten Saison eine Porträtreihe mit vier Konzerten.