Zeitungsboten geprellt, Migranten gelinkt: 38-Jähriger wegen Betrugs verurteilt

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Ein 38-jähriger Mann soll Zeitungszusteller um Mini-Löhne und Flüchtlinge um Mietvorschüsse geprellt haben. Am Bochumer Amtsgericht wurde der Angeklagte aus Herne nun verurteilt.

Bochum

, 24.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil er Zeitungszusteller um den Lohn geprellt und Flüchtlinge bei der Wohnungssuche gelinkt haben soll, ist ein 38-jähriger Mann aus Herne am Bochumer Schöffengericht zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Im Herbst 2016 soll der Angeklagte in seinem damaligen Büro in Bochumer Stadtteil Gerthe reihenweise Asylbewerber mit einem Minilohn-Versprechen als Zeitungsboten für Wochenend-Blätter im Zustellbezirk Herne angeworben, ihnen aber später nicht einen Cent Lohn ausgezahlt haben. Errechneter Schaden: rund 2.000 Euro.

Darüber hinaus war dem 38-Jährigen vorgeworfen worden, in der Hochphase der Migrationswelle ab Sommer 2015 den Kontakt zu Flüchtlingen aus dem arabischen Raum gesucht und diese dann bei der Wohnungsvermittlung gelinkt und im Stich gelassen zu haben.

„Ich wollte den Leuten wirklich Wohnungen vermitteln“

Der 38-Jährige soll einen vorab an ihn transferierten Vorschuss fast immer behalten und dann für die Wohnungssuchenden einfach nicht mehr zu erreichen gewesen sein. In einem Fall soll eine Wohnung in Bochum, für die der Angeklagte sich sogar als Vermieter ausgegeben hatte, laut Anklage auch „bereits anderweitig vermietet“ gewesen sein.

Der 38-Jährige hatte im Prozess vor dem Schöffengericht zugegeben, seinerzeit von Migranten für Wohnungsvermittlungsdienste Geld per Post zugeschickt und auch in bar übergeben bekommen zu haben. Dass es trotz des Vorschusses am Ende nie zu einer Wohnungsanmietung gekommen ist, hatte der in Syrien geborene Angeklagte auf einen schweren erlittenen Unfall geschoben. Allein deshalb habe er den Flüchtlingen ihr Geld nicht zurückgeben können. „Ich wollte den Leuten wirklich Wohnungen vermitteln, musste das aber wegen eines Unfalls abbrechen“, hatte der 38-Jährige beteuert.

Urteil lautet auf gewerbsmäßigen Betrug in fünf Fällen

Auch den schuldiggebliebenen Lohn für die von ihm angeheuerten Zeitungzusteller hatte der 38-Jährige als richtig abgenickt, die Hauptschuld aber auf seinen Auftraggeber abgewälzt, der wegen angeblicher Mängel auch ihm einfach kein Geld gezahlt habe. Daraufhin habe er nach nur wenige Wochen die Brocken komplett hingeworfen.

Laut Anklage sollte der 38-Jährige seinem Auftraggeber nach dem Streit auch noch 13 Zeitungskarren unterschlagen haben. Das konnten die Bochumer Richter am Ende aber nicht sicher feststellen. „Das ist auch völliger Quatsch“, hatte der Angeklagte im Prozess immer wieder behauptet. „Ich habe doch nur sechs Karren gehabt und die hat er alle zurückbekommen.“ Das Urteil lautet auf gewerbsmäßigen Betrug in fünf Fällen.

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