Zu viel Sex in der Sprache

1,3 Millionen Kinobesucher haben bereits "Keinohrhasen" gesehen. Doch gerade im Internet, aber auch per Briefe, Telefonate und Mails muss sich die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) geballte Kritik gefallen lassen. Wegen der sexualisierten Sprache und derben Aussprüche sei der Til-Schweiger-Film auf keinen Fall für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Ein Gespräch mit Birgit Goehlnich, der Ständigen Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörde bei der FSK.

von Von Hermann Beckfeld

, 10.01.2008, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zu viel Sex in der Sprache

Birgit Goehlnich, Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörde bei der FSK.

Haben Sie den Film gesehen?

Goehlnich: Natürlich.

Und wie fanden Sie "Keinohrhasen"?

Goehlnich: Meine Meinung spielt keine Rolle. Meine Aufgabe ist es vielmehr, die Jugendschutzentscheidung und Altersfreigabe des siebenköpfigen Gremiums, das übrigens pluralistisch besetzt ist, d.h. mit Beteiligung aller 16 Bundesländer und der Kirchen, zu erörtern.

Aber die Kritik ist schon gewaltig?

Goehlnich: Das stimmt. Wir hatten selten so eine kritische Reaktion. Aber jeder bekommt eine Antwort.

Die wäre?

Goehlnich : In Kurzform: Die Ausschussmehrheit vertrat die Meinung, dass die derben Aussprüche keine nachhaltig belastenden Wirkungen nach sich ziehen, da sie zum einen gar nicht verstanden werden und zum anderen in der filmischen Erzählung und der Botschaft des Films keine positive Entsprechung finden.

Im Internet kann man nachlesen, dass viele Kinder die Ausdrücke von ihren Eltern erklärt haben möchten

Goehlnich : Ich möchte klarstellen, dass die FSK-Altersfreigaben keine pädagogischen Empfehlungen sind, sondern lediglich sicherstellen sollen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen nicht beeinträchtigt wird.

"Ausschussmehrheit" spricht für keinen einstimmigen Beschluss.

Goehlnich: Es war fürwahr eine sehr knappe Entscheidung. Und die Wirkungsdiskussion wurde wirklich ausführlich und kontrovers geführt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vertreter der eher prüden Kirchen ihre Zustimmung gegeben haben.

Goehlnich: Dazu kann ich nichts sagen.

Ist denn eine Änderung der Freigabe ab 12 Jahren noch möglich?

Goehlnich: Sicher. Kritiker haben die Möglichkeit, sich an ihr zuständiges Jugendministerium zu wenden, um eine Prüfung des Films im sogenannten Apellationsverfahren zu veranlassen.

Ein Spiel auf Zeit. Dann läuft "Keinohrhasen" längst nicht mehr im Kino.

Goehlnich: Wird aber möglicherweise mit der Freigabe ab 12 Jahren auf DVDs verkauft.

Hat Sie die heftige Reaktion überrascht?

Goehlnich: Wissen Sie, wenn Sie wie ich seit zehn Jahren drei Filme am Tag sehen, kann sie so leicht nichts erschüttern.

Gab es vergleichsweise so eine Kritik?

Goehlnich : Ja, bei den Harry-Potter-Filmen. Je älter die Hauptdarsteller, desto höher der Spannungsgehalt und geballter der Vorwurf, die schwarze Magie könnte verführen.

Wie sehr beeinflusste das Gremium, dass "Keinohrhasen" mit beträchtlichen Fördermitteln bezuschusst wurde?

Goehlnich : Überhaupt nicht.