60 Kilometer entfernt: Westfleisch vermiest Simonsmeier das Geschäft

hzLandgasthaus in Capelle

Marcus Simonsmeier kann sich nur wundern: Einen Steinwurf weit liegt sein Landgasthaus in Capelle vom Kreis Unna entfernt. Doch für ihn gilt der Lockdown des Kreises Coesfeld.

Capelle

, 13.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele seiner Stammgäste kommen aus Werne. Die Rufnummer des Landgasthauses trägt die Werner Vorwahl, die ersten Bestellungen aus der Lippestadt hatte Marcus Simonsmeier (44) mit Bekanntgabe der Corona-Lockerungen für diese Woche angenommen. „Am Sonntag, 10. Mai, gingen wir noch davon aus, dass wir am 11. Mai öffnen können“, berichtet der Capeller Gastwirt auf Anfrage unserer Redaktion.

Corona-Betrieb liegt 60 Kilometer von Simonsmeier entfernt

Dann traf der Brief des Ordnungsamtes der Gemeinde Nordkirchen ein. Aufgrund des Corona-Ausbruchs bei Westfleisch in Coesfeld ist ein Großteil der eigentlich von Montag an landesweit geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen im Kreis Coesfeld um eine Woche verschoben worden. Aktuell wurden 261 Mitarbeiter positiv getestet. „Der Betrieb liegt 60 Kilometer von uns entfernt“, sagt er mit großem Unverständnis. Er zeigt auf das Kreis-Unna-Schild an der Werner Straße, das 100 Meter hinter seinem Haus steht. Dort beginnt der Kreis Unna.

Marcus Simonsmeier kann sich nur wundern: 100 Meter liegt sein Landgasthaus vom Kreis Unna entfernt. Dort dürfte er öffnen. Doch da er zum Kreis Coesfeld gehört, muss er noch sein Restaurant geschlossen halten.

Marcus Simonsmeier kann sich nur wundern: 100 Meter liegt sein Landgasthaus vom Kreis Unna entfernt. Dort dürfte er öffnen. Doch da er zum Kreis Coesfeld gehört, muss er noch sein Restaurant geschlossen halten. © Helga Felgenträger

Seit mehr als acht Wochen erträgt Simonsmeier, der vor 22 Jahren von seiner Mutter das Lokal übernommen hat, die Schließung. Am Wochenende bietet der Koch Gerichte zum Abholen an. „Drive in Simonsmeier“ heißt es dann: Die Menüs veröffentlicht seine Frau Stefanie auf Facebook. So hält er seine Stammgäste bei Laune, spricht er von einem guten Zuspruch seiner langjährigen Gäste fest.

Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit

Seine Mitarbeiter musste Simonsmeier Mitte März in Kurzarbeit schicken. Nun hofft er eindringlich, am 18. Mai wieder öffnen zu dürfen - solange soll der Lockdown noch gelten. „Ich gehe jetzt mal fest davon aus, dass wir am 18. Mai öffnen“, sagt er hoffnungsvoll, dass ihm die Auswirkungen der Westfleisch-Katastrophe nicht weiterhin das Geschäft vermiesen.

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Während der Schließung bereitete der Wirt sein Restaurant auf die Corona-Hygienevorschriften vor. „Die Tische müssen 1,50 Meter Abstand haben“, erzählt er vom großen Tischerücken. Außerdem müssen alle Tischdecken runter, es darf kein Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch stehen, keine Speisekarte und vieles mehr. „Kommen darf nur, wer vorbestellt hat“, sagt er. Die Kellner müssen Maske tragen und jeden Gast, der eintrifft, am Eingang abholen und zum Platz führen. Die Gäste dürfen am Tisch die Maske wieder abnehmen, die Kellner nicht.

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Trotz vieler Ausfälle sieht Simonsmeier optimistisch in die Zukunft. Für den Sommer sind zwar die großen Gesellschaften abgesagt worden, aber dafür hat er schon eine Lösung: Im großen Saal biete er à la carte an und der Biergarten werde vergrößert“, kündigt er an.

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