Bahnstrecke Münster-Dortmund: Was wird aus der Bus-Anbindung nach Selm?

hzSchienenersatzverkehr

Bald fahren die Bahnen auf der Strecke Münster-Dortmund wieder. Für manche Pendler ist das nicht unbedingt ein Grund zur Freude, denn die Verbindung nach Selm verschlechtert sich wieder.

Nordkirchen, Selm

, 08.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Bahnpendler in der Gemeinde Nordkirchen und der gesamten Region kam am 6. Januar 2020 die große Verkehrswende: Wegen Gleisbauarbeiten war die Strecke Münster - Dortmund komplett gesperrt. Jetzt, rund neun Monate später, werden die Bahnen wieder fahren. Die Streckensperrung hatte dabei nicht nur negative Auswirkungen. Gerade die Anbindung zwischen Nordkirchen und Selm wurde für einige Pendler plötzlich deutlich besser. Das lag am eingerichteten Schienenersatzverkehr (SEV). Die Buslinie fuhr unter anderem vom Nordkirchener Rathaus aus bis nach Selm.

Damit ist allerdings ab dem 10. Oktober Schluss, wie der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland Fachbereich Bus (ZVM) auf Anfrage bestätigen. „Wenn diese Anbindung nach Selm so gut angekommen ist, freut uns das zunächst einmal natürlich sehr. Das zeigt uns, dass das Schienenersatzkonzept sehr gut war“, antwortet Anne Zimmermann, Pressesprecherin des NWL auf eine Anfrage der Redaktion. Tatsächlich sei Nordkirchen „derzeit viel besser an Dortmund angebunden als normal“, bestätigt Zimmermann. Aktuell betrage die Verbindungszeit von Nordkirchen nach Dortmund 44 Minuten mit dem SEV C und der RB 51, plus sechs Minuten Umstieg. Ab dem 11. Oktober hingegen liege die Fahrtzeit bei 73 bis 80 Minuten.

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„Wenn die Erfahrungen mit dem SEV nun eine neue Linie Nordkirchen-Selm (mit Anschluss an die Züge) zur Folge hätte, wäre das zur Erschließung des schienenfernen Ortes Nordkirchen mit Sicherheit sehr gut“, lautet das Fazit der NWL-Sprecherin.

Diese Meinung teilt auch die Gemeinde Nordkirchen. Bürgermeister Dietmar Bergmann hatte bereits vor Wochen deutlich gemacht, dass es für die Gemeinde eine gute Lösung wäre, wenn aus der vorübergehenden Busanbindung des Schienenersatzverkehrs eine feste Buslinie werden würde. In ihren Wahlprogrammen hat sich auch die überwiegende Mehrheit der Nordkirchener Parteien für eine bessere Anbindung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) an die Nachbarstadt stark gemacht.

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Aus Sicht der Verwaltung sagt Bauamtsleiter Josef Klaas auf Anfrage, das Ziel sei, die Buslinie in den überörtlichen Fahrbahn zu bekommen. „Da bleiben wir dran“, kündigt Klaas an. Eine ungeklärte Frage sei aber, wer die Kosten für diese Buslinie zu tragen hätte. Die Frage nach dem Geld ist wie so oft der entscheidende Punkt.

Die Kosten für den Schienenersatzverkehr würden „auch aus den ausgefallenen Zügen finanziert“, erklärt die NWL-Sprecherin. Fahren die Züge wieder, ende auch der SEV.

Der Kreis habe dem ZVM bereits mitgeteilt, keine Notwendigkeit für eine solche Buslinie zu sehen. Auch im Gutachten, das für den aktuellen Nahverkehrsplan erstellt wurde, sei eine zusätzliche Buslinie nicht als erforderlich vorgesehen, erklärt im Gespräch Harald Bandt, beim ZVM Fahrbereich Bus für die Angebotsplanung zuständig. Mit der Taxibuslinie T52 gibt es eine vom Kreis finanzierte Linie zwischen Nordkirchen und Selm, hinzu kommt der Bürgerbus, der die Schlossgemeinde und die Stadt Selm verbindet. In den vergangenen Monaten ist die Anbindung durch den Bürgerbus allerdings coronabedingt weggefallen.

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Hinzu komme aktuell das Problem, dass seit Ausbruch der Corona-Pandemie sich im ÖPNV ein „verzerrtes Bild“ bei den Fahrgastzahlen entwickelt habe. In diesem Jahr seien deutlich weniger Menschen mit Bus und Bahn gefahren. Verlässlich sind die Zahlen, wie gut oder schlecht die SEV-Linie nach Selm genutzt wurde, also eher nicht.

Würde die Gemeinde Nordkirchen die Busanbindung anlehnend an den Schienenersatzverkehr aktuell aufrecht erhalten wollen, müsste sie selbst dafür zahlen. Oder sich mit der Stadt Selm zusammentun, wie Harald Bandt erklärt. Eine kurzfristige Lösung scheint damit unwahrscheinlich.

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