Baugebiete in Nordkirchen: Müssen Hauseigentümer Angst haben vor neuangepflanzten Eichen?

hzNeubaugebiete

Wenn Baugebiete ausgewiesen werden, sind Bäume ein wichtiger Bestandteil der Gestaltung. Was ist aber, wenn eine Baumart auf der Pflanzliste steht, die Raupen mit giftigen Haaren anlockt?.

Nordkirchen, Südkirchen, Capelle

, 27.11.2019, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bebauungsplanentwurf für das geplante Neubaugebiet Wohr in Capelle legt fest, dass zu bepflanzende Flächen mit „heimischen, standortgerechten Pflanzen und Gehölzen gemäß Pflanzliste flächendeckend zu begrünen“ sind. Die Pflanzliste im Bebauungsplantwurf für das Neubaugebiet Wohr in Capelle weist neun Baumarten auf: Bergahorn, Feldahorn, Sandbirke, Winterlinde, Hainbuche, Wildapfel, Wildbirne, Vogelbeere und ... Stieleiche. Stieleiche?

Baugebiete in Nordkirchen: Müssen Hauseigentümer Angst haben vor neuangepflanzten Eichen?

Die Härchen des Eichenprozessionsspinners sind giftig. Im Kreis Coesfeld könnte es demnächst eine gemeinsame Strategie der Kommunen zur Bekämpfung der Raupe geben. © Martina Niehaus (A)

Moment mal. Da war doch was: Sind Eichen nicht zu Hauf auch auf dem Gebiet der Gemeinde Nordkirchen mit dem Eichenprozessionsspinner befallen gewesen? Mit jenen Raupen also, deren Härchen giftig sind und bei Kontakt mit Menschen zu toxischen Reaktionen führen können?

In Selm gab es schon Kritik

In Nordkirchens Nachbarstadt Selm hat es jüngst Proteste von Anwohnern des Neubaugebiets Kreuzkamp-West gegeben. Sie hatten kritisiert, dass die Stadt Selm trotz der Gefahren durch Eichenprozessionsspinner Eichen im Neubaugebiet pflanzen lässt.

Jetzt lesen

Dort also, wo viele Menschen leben und die Wahrscheinlichkeit, in Kontakt mit den giftigen Härchen zu kommen, nicht gerade gering ist. Die Stadt Selm hält an dem Pflanzkonzept fest, also auch am Pflanzen von Eichen. Und zwar mit Hinweis auf die Festsetzungen im Bebauungsplan.

Wie sieht das in der Gemeinde Nordkirchen aus? Wälzt die Gemeinde jetzt alle laufenden Bebauungspläne durch und prüft, ob dort Eichen als potenziell zu pflanzende Bäume aufgeführt sind? Verzichtet die Gemeinde gar angesichts der Diskussion um den Eichenprozessionsspinner künftig auf Eichen? Fragen, die die Redaktion Bauamtsleiter Josef Klaas gestellt hat.

Jetzt lesen

„Die Stieleiche ist ein standortgetreuer westfälischer Baum, und den werden wir auch weiterhin pflanzen“, sagt Klaas. „Wir gehen davon aus, dass Naturphänomene wie der Eichenprozessionsspinner wellenförmig auftreten und auch wieder abtreten.“ Grundsätzlich werden Eichen demnach nicht ausgeschlossen, wenn es um Neuanpflanzungen geht.

Kampf gegen Eichenprozessionsspinner geht weiter

„Wenn wir die Eichen ausschließen würden, müssten wir, wenn wir es konsequent weiterdenken, auch die mehr als 1000 Eichen, die es in Nordkirchen schon gibt, fällen. Das tun wir aber nicht. Mir ist klar, dass im Moment die Akzeptanz für Eichen bei den Menschen nicht so da ist“, erklärt Klaas. Gleichwohl nehme die Gemeinde das Thema aber ernst, versichert der Bauamtsleiter: „Wir werden weiterhin den Eichenprozessionsspinner bekämpfen, und zwar dort, wo sich Menschen bewegen.“ An Schulhöfen und Kindertagesstätten zum Beispiel.

Zwar steht die Stieleiche auf der Pflanzliste zum Beispiel für das künftige Neubaugebiet Wohr in Capelle. „Das muss aber nicht bedeuten, dass wir Eichen vorrangig dort pflanzen“, berichtet Josef Klaas. Wenn es darum geht, ob Eichen in Neubaugebieten gepflanzt werden, spiele ein Kriterium nämlich eine wichtige Rolle: das Platzangebot für Bäume.

Jetzt lesen

„Wir haben mittlerweile in den Neubaugebieten schmalere Erschließungsstraßen und weniger Pflanzbeete“, sagt der Bauamtsleiter. „Also haben wir auch weniger Standorte für Bäume.“ Und wo weniger Platz ist, fallen Eichen wegen ihrer Größe sowieso als Kandidaten raus. Deshalb sei die Gemeinde zuletzt dazu übergegangen, in Neubaugebieten kleinere Bäume zu pflanzen.

Einen Grund, die Eichen aus dem Pflanzplan zu verbannen, sieht er aber nicht: „Wenn es darum geht, Bäume als Ausgleichsmaßnahmen, etwa am Ackerrand, ist die Eiche ganz klar wieder im Spiel.

Baugebiete in Nordkirchen: Müssen Hauseigentümer Angst haben vor neuangepflanzten Eichen?

Auch in Südkirchen war der Eichenprozessionsspinner unterwegs. An der Cappenberger Straße hatte er Eichen befallen. © Sabine Geschwinder (A)

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zieht übrigens mittlerweile Kreise. „Im Kreis Coesfeld wird es eventuell eine gemeinschaftliche Strategie geben“, sagt Klaas. So wird es am 5. Dezember um 9 Uhr einen Informationsaustausch der Bürgermeister der Kommunen im Kreis Coesfeld im Naturschutzzentrum im Alten Hof Schoppmann in Nottuln-Darup geben.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt