Bis zu 50.000 Euro für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche

Missbrauch

Im Bistum Münster gibt es ein neues Verfahren für die sogenannten Zahlungen zur Anerkennung des Leides von Betroffenen des Missbrauchs-Skandals.

Selm, Nordkirchen

, 09.11.2020, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Bistum Münster zahlt Betroffenen jetzt bis zu 50.000 Euro zur Anerkennung ihres Leides.

Das Bistum Münster zahlt Betroffenen jetzt bis zu 50.000 Euro zur Anerkennung ihres Leides. © dpa

Anerkennung des seelischen Leides: So heißen die Zahlungen, die die katholische Kirche Opfern sexuellen Missbrauchs zahlt. Im Bistum Münster haben im Laufe der vergangenen zehn Jahre 220 Betroffene solche Zahlungen bekommen: „Das Bistum hat bisher rund 1,2 Millionen Euro an Anerkennungszahlungen und weitere gut 250.000 Euro an Therapiekosten gezahlt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bistums.

In Nordkirchen und Selm waren zuletzt 2019 Vorwürfe gegen Pfarrer der katholischen Kirche bekannt geworden. Der bereits verstorbene Pfarrer Theo Wehren war 1969 als Kaplan in Selm in der Gemeinde St. Josef. Pfarrer Alfred Albeck war 1973 bis 1984 in der Gemeinde St. Mauritius in Nordkirchen tätig. Beide sollen sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Beide sind mittlerweile verstorben. Mehrere Opfer hatten sich - auch nach der Veröffentlichungen der Anschuldigungen - beim Bistum gemeldet.

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Die Deutsche Bischofskonferenz hat jetzt das Verfahren für die Anerkennungszahlungen geändert: „Betroffene haben nun die Möglichkeit, Leistungen bis zu 50.000 Euro zu erhalten. In der Vergangenheit lag die Obergrenze in der Regel bei 5000 Euro“, erläutert das Bistum Münster in der der Pressemitteilung. Die Betroffen müssen, um Nachzahlungen zu erhalten, erneut einen Antrag stellen. Für viele Opfer ist das eine große Hürde und mit seelischen Belastungen verbunden. Dessen ist sich auch das Bistum bewusst: Deshalb hat sich der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, jetzt die Betroffenen angeschrieben. Er bietet ihnen in dem Brief an, „dass das Bistum eine erneute Beantragung in ihrem Namen übernehmen könne“. So müssten sie nicht noch mal eintauchen in das Leid, dass sie erlebt haben.

Gremium sei mit Fachleiten besetzt, die nicht in der katholischen Kirche tätig sind

Das sei in den Fällen möglich, in denen es in der Vergangenheit bereits Zahlungen seitens des Bistums gegeben habe und somit die damals gestellten Anträge dem Bistum vorlägen, erklärt die Pressestelle des Bistums. Aber, auch das betont Frings in seinem Schreiben, sollte es Betroffenen wichtig sein, die Schwere ihres Leides noch mal zu schilden und weitergehende Angaben zu machen, bietet das Bistum „begleitende Unterstützung“ an.

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Das Gremium, das über die Anträge entscheidet, besteht aus Mitgliedern, die nicht bei der katholischen Kirche beschäftigt sind. In dem Gremium seien Fachleute, die über psychiatrische, (trauma-)psychologische, (sozial-)pädagogische, juristische, medizinische oder theologische Qualifikationen verfügten. „Das Gremium wird seine Entscheidungen vollkommen unabhängig von Weisungen der Kirche treffen“, so Frings in dem Schreiben an die Betroffenen.

Ansprechpartner für die Betroffenen und die Anerkennungsverfahren ist im Bistum Münster Stephan Baumers. Er ist erreichbar unter baumers@bistum-muenster.de oder Tel. (0251) 4956029.

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