Coronavirus: Was hat es mit doppelt positiven Patienten auf sich?

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Ein Mensch stand unter Quarantäne und hat seine Corona-Infektion überstanden. Dann wird er erneut positiv getestet. Und was passiert dann? Das Gesundheitsamt im Kreis Coesfeld erklärt es.

Nordkirchen, Olfen

, 21.08.2020, 09:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als beim Fleischverarbeiter Tönnies nach dem massiven Corona-Ausbruch der Betrieb wieder hochgefahren wurde, lernten die Menschen, die sich im Corona-Vokabel-Dschungel stets neue Wörter merken wollen, ein neues Wort: Altfälle.

Unter den 31 Neuinfektionen, die beispielsweise am 27. Juli festgestellt worden sind, so berichtete es die Nachrichtenagentur dpa, seien „nur sechs echte Neuinfektionen“. Bei den anderen handele es sich um so genannte Altfälle. Doch was heißt das eigentlich?

Virus lässt sich noch länger im Rachenraum nachweisen

Es sei bekannt, dass sich das Virus auch nach einer Infektion noch im Rachenraum nachweisen lasse, erklärt zum Beispiel Celine Klostermann, die stellvertretende Leiterin im Gesundheitsamt des Kreises Coesfeld. „Diese Patienten gelten aber als nicht infektiös“, so Klostermann. Das heißt: Sie wurden bereits einmal positiv auf das Coronavirus getestet und in Quarantäne geschickt, das Virus ist bei einem weiteren Test nach wie vor nachweisbar, ansteckend sind sie aber nicht mehr.

So war es auch bei den Mitarbeitern bei Tönnies im Kreis Gütersloh, wie dpa berichtete. Sie galten als nicht mehr Infektiös. Laut RKI könne ein Test noch bis zu zehn Wochen ein positives Ergebnis anzeigen, obwohl der Betroffene nicht mehr ansteckend sei. „Es gibt in einem bestimmten Prozentsatz Menschen, die längere Zeit positive Abstrichergebnisse zeigen, ohne (noch) krank zu sein oder als ansteckungsfähig eingestuft werden müssen“, schreibt auch das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage.

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Anzahl der Genesenen wird geschätzt

Gab es im Kreis Coesfeld solche Fälle denn auch? „Natürlich ist das bei uns vorgekommen“, erklärt Celine Klostermann. Eine prozentuale Einschätzung, wie oft solche Altfälle auftreten, gebe es aber nicht. Das liegt daran, dass Personen, die einmal auf das Coronavirus getestet wurden, in der Regel nicht noch einmal getestet werden. Anders ist das zum Beispiel in Krankenhäusern oder beim Coesfelder Fleischunternehmen Westfleisch, in dem es ebenfalls einen größeren Corona-Ausbruch gab. Dort werden die Mitarbeiter aktuell noch jeden Tag getestet.

„Im Moment sind die Westfleisch-Mitarbeiter die am besten getesteten Menschen im Kreis Coesfeld“, erläutert Celine Klostermann. Dort seien aber nach dem ersten Ausbruch auch nur noch vereinzelt Fälle aufgetreten.

Auch Altfälle im Kreis Coesfeld

Und was passiert praktisch, wenn jemand, der nach einer Corona-Infektion noch einmal positiv auf das Coronavirus getestet wird? „Dann wird eine Risikoeinschätzung gemacht“, erklärt Celine Klostermann. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, wo der Patient arbeitet. Statistisch gesehen, werden diese Patienten weiterhin unter den Genesenen gezählt, so die Ärztin. Die Zahl der Genesenen beschreibt besser noch, so das RKI, „die Zahl der Menschen, die die akute Infektion überstanden haben“. Bei ihr handelt es sich lediglich um eine Schätzung. Denn die Gesundheitsämter teilen in der Quarantäneanordnung mit, wie lange die Quarantäne gilt, falls keine neuen Symptome auftreten. Danach gelten die vormals Infizierten als Genesene.

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Bei jemandem, der dann noch einmal positiv getestet wird nach einer Erkrankung, erfolgt im Kreis Coesfeld in der Regel keine neue Quarantäne. „Solche Fälle befänden sich überwiegend nicht in Quarantäne“, so Klostermann.

Keine Erkenntnisse über eine Wieder-Infektion

Eine Praxis, die so vollkommen in Ordnung ist, wie das NRW Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilt „Entscheidend ist die Einschätzung, ob jemand (noch) ansteckungsfähig ist“, so Ulrich Lensing, Referatsleiter Prävention beim NRW-Gesundheitsministerium. Dafür sei das ärztliche Urteil entscheidend. Ein wiederholter Test könne zudem ein „Hifsmittel“ sein. „Bei erneutem positiven Ausfallen kann dennoch die Ansteckungsfähigkeit verneint werden, wenn fachliche Gesichtspunkte das begründen“, sagt er zudem. Zudem schließe gleichzeitig ein negatives Abstrichergebnis eine Infektion (und Ansteckungsfähigkeit) nicht aus.

Bei der Frage einer möglichen doppelt positiv getesteten Person spielt auch die Genauigkeit von Testergebnissen eine Rolle (siehe Infokasten). Eine tatsächliche zweite Corona-Infektion ist aber nach derzeitigen Erkenntnissen in NRW nicht vorgekommen. „Bisher ist nicht bekannt, dass es in NRW eine zweite Meldung für eine Coronainfektion bei ein und demselben Menschen gab“, so Ulrich Lensing. Ob so eine Reinfektion möglich ist und wenn ja, nach welche Zeitraum, das sei derzeit nicht klar, so Lensing.

Falsche Testergebnisse:
  • „Kein Test ist zu 100 Prozent richtig“, sagt Ärztin Celine Klostermann. Das ist auch im Falle des Corona-Tests nicht anders. Dabei gibt es zwei Faktoren: 1. Sensitivität (= die Empfindlichkeit des Tests, also wie wahrscheinlich es ist, dass ein Test einen bestimmten Erreger sicher erkennt) und 2. Spezifität (die Zielgenauigkeit des Tests, also wie wahrscheinlich es ist, dass ein gesuchter Erreger bei Gesunden sicher ausgeschlossen werden kann).
  • Dazu gibt es laut RKI regelmäßig Ringversuche, primär zur Qualitätssicherung der Labore dienen. In einem Ringversuch zum Virusgenom-Nachweis von SARS-CoV-2 meldeten lediglich 3 deutsche Laboratorien 2 falsch positive Ergebnisse von insgesamt 596 Ergebnissen, und 2 inkomplette Ergebnisse von insgesamt 596. Allerdings könnten diese Ringversuche nicht die Gesamtheit aller Tests widerspiegeln, schränkt das RKI ein.
  • Der Virusnachweis im Abstrich sei zu ca. 70 Prozent sensitiv und geschätzt zu 95 spezifisch, teilt das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. „Daraus ergibt sich, dass eine relativ hohe Zahl von Untersuchten fälschlicher Weise positive Testergebnisse zeigt. Hingegen ist ein negatives Abstrichergebnis – wenn die Probeentnahme im korrekten Zeitfenster und methodisch korrekt erfolgte- hoch aussagekräftig“, so Ulrich Lensing.
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