„Das Zwischenmenschliche fehlt“: Kantor spielt in leeren Kirchen

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Die Chorarbeit fehlt dem Kirchenmusiker Markus Reidegeld derzeit am meisten. Der Redaktion hat er erklärt, wie seine Arbeit zurzeit aussieht und warum Orgeln trotzdem gespielt werden müssen.

Nordkirchen

, 31.03.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle Gottesdienste sind bis nach Ostern abgesagt, kirchliche Trauungen finden nicht statt, Chöre dürfen nicht auftreten - es ist keine leichte Zeit für Kirchengemeinden und auch nicht für Kirchenmusiker. „Es ist eine ganz, ganz komische Situation“, sagt der Nordkirchener Kantor Markus Reidegeld.

Normalerweise begleitet er Gottesdienste auf der Orgel oder probt mit Chören. All das ist praktisch von einem Tag auf den anderen weggefallen. Ein Kirchenmusiker ohne die Gemeinschaft, geht das überhaupt? Markus Reidegeld lacht. Es ist ein bitteres Lachen. „Ich bin schon sehr abhängig von den Menschen“, sagt er. Bei den Chören spiele sich derzeit gar nichts ab. Das habe sich schon vor dem weitreichenden Kontaktverbot abgezeichnet, das die Landesregierung Mitte März angeordnet hatte. Bereits eine Woche früher hätten erste Sängerinnen und Sänger aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung lieber auf die gemeinsame Chorprobe verzichtet, erklärt Reidegeld.

„Ganz hart gesagt, läuft jetzt gar nichts mehr.“
Kantor Markus Reidegeld

„Jetzt dürfen wir uns gar nicht mehr treffen. Ganz hart gesagt, läuft jetzt gar nichts mehr“, fügt er hinzu. Das bedeute aber nicht, dass der Kirchenmusiker gar nichts mehr zu tun habe, macht er deutlich.

„Die Orgeln müssen weiter regelmäßig gespielt werden“, erklärt der Kantor. Ansonsten würden Mechanik, Blasebälge und so weiter Schaden nehmen. Dreimal pro Woche sitze der Musiker dann in einer der drei Kirchen der Gemeinde und spiele auf der Orgel. Für sich allein.

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Auch, wenn das Orgelspiel außerhalb der Kirchen zu hören ist, hinein gekommen sei bislang trotzdem noch niemand, sagt Reidegeld mit Bedauern in der Stimme. Dennoch: Zwischendurch scheinen Menschen die Kirchen zu besuchen, berichtet der Kantor. „Ab und zu brennen Kerzen“, so Reidegeld.

Proben per Skype sind keine Alternative

Einige Musiklehrer, zum Beispiel in Selm, haben ihren Unterricht teilweise ins Internet verlagert und lehren jetzt via Konferenzsoftware, wie Skype. Das sei für den Kirchenmusiker allerdings keine Option, vor allem nicht für Chorproben. „Das wird ganz schwierig“, sagt Reidegeld.

Durch die zeitliche Verzögerung sei es nicht möglich, effektiv gemeinsam zu singen. Und dann würde sich die grundsätzliche Frage stellen: Wofür wird denn eigentlich geprobt? Auftritte sind auf absehbare Zeit abgesagt und ohne ein Ziel würden Proben auch wenig Sinn ergeben.

Also beschäftigt sich der Kantor derzeit unter anderem mit administrativen Aufgaben. Und einen Vorteil hat die Corona-Krise: Es ist ausreichend Zeit, um wichtige Reparaturen an den Orgeln machen zu lassen. Allerdings: „Die Chorarbeit, das Zwischenmenschliche, fehlt einfach“, bringt Markus Reidegeld seine derzeitige Gefühlswelt auf den Punkt.

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