Diese Kunstwerke haben es unbeschadet aus dem ehemaligen Gasthaus Westermann geschafft

hzTraditions-Gasthaus

Zwar liegt der Großteil von Haus Westermann in Trümmern. Ein paar Erinnerungsstücke wurden aber gerettet. Unter anderem ein besonderes Fenster, das sich ein cleverer Nordkirchener sicherte.

Nordkirchen

, 14.09.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ausgezeichnet gelaufen ist der Abriss von Haus Westermann, sagt der Schwerter Investor Thomas Buhl im Gespräch mit dieser Redaktion. Als Erfolge wertet er einerseits, dass der Großteil der Arbeiten bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen gewesen sei. Andererseits, so Buhl, „haben wir keine Altlasten im Boden, wie alte Ölfässer oder Ähnliches gefunden“.

Derzeit sei das Abbruch-Unternehmen damit beschäftigt, die Gebäude-Überreste zu schreddern und in den Untergrund zu verfüllen. Bis zum Baustart für das Haus an der Mühlenstraße werde die Fläche eingezäunt bleiben und ruhen, kündigt Thomas Buhl an. Der Baustart ist für das Frühjahr 2020 angepeilt.

Einige Schätze aus Haus Westermann gerettet

Bleibt vom Haus Westermann dann nur noch die Erinnerung? Nicht ganz. Es gibt einige Schätze, die es sicher aus dem ehemaligen Traditionsgasthaus geschafft haben. Einer sogar quasi in letzter Sekunde.

Die Rede ist von dem halbrunden gusseisernen Fenster, das im Schankraum auf der linken Seite (Richtung Mühlenstraße) war. Das Fenster zeigte das Motiv von Wirt und Gast vor einem großen Holzfass. „Das Fenster wollte ich mir eigentlich sichern“, sagt Thomas Buhl. Ihm kam aber ein unbekannter Nordkirchener entgegen.

Unbekannter war früh am ersten Abrisstag vor Ort

Am Tag des Abrissbeginns sei derjenige schon früh am Morgen zu den Mitarbeitern des Abrissunternehmens gegangen und habe gefragt, ob er das Fenster haben könnte. Weil die Arbeiter davon ausgingen, dass das Fenster sowieso dem Abbruchkran zum Opfer fallen würde, willigten sie ein.

Thomas Buhl nimmt den Verlust mit Humor. „Das Fenster schmückt jetzt wahrscheinlich irgendein Nordkirchener Haus“, sagt er und lacht. Ein zweites Kunstwerk allerdings hat Thomas Buhl selbst vor dem Abbruch bewahrt.

Ebenfalls in der Schankhalle, also im Eingangsbereich von Haus Westermann, war eine aufwendige Deckenmalerei. Thomas Buhl kennt auch den historischen Hintergrund dieses Kunstwerks:

Deckengemälde war ein Tauschhandel

Mehrere Maler, die für Arbeiten in der St.-Mauritiuskirche engagiert waren, hätten sich in dieser Zeit im Haus Westermann einquartiert. Grob sei das „im letzten Jahrhundert“ einzuordnen, sagt Buhl. Die Maler hätten gerne getrunken und ihre Schulden aufschreiben lassen. Nach getaner Arbeit dann ging es darum, die Schulden beim Wirt zu begleichen.

Diese Kunstwerke haben es unbeschadet aus dem ehemaligen Gasthaus Westermann geschafft

Im Schankraum des ehemaligen Gasthauses war eine aufwendige Deckenmalerei. Sie wurde vor dem Abriss ausgebaut, wird restauriert und soll im Haus an der Mühlenstraße wieder aufgehängt werden. © Dieter Menne (Archiv)

Der ließ sich auf einen Tauschhandel ein: Er erlässt den Malern die Schulden, wenn die dafür die Holzdecke der Schankstube mit einem Kunstwerk verzieren. Dieses Werk soll auch im Haus an der Mühlenstraße wieder installiert werden. Erst muss es aber restauriert werden, sagt Thomas Buhl und „vom Nikotin von ungefähr drei Generationen befreit“, fügt er hinzu.

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