Eisgenuss mit gutem Gewissen: Die Eisdielen Pallina und San Remo stellen auf Öko-Becher um

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Ein Eis auf der Hand ist für viele Inbegriff des Sommers. Wer zum Transport aber Plastikbecher mit Plastiklöffel wählt, verursacht automatisch Müll. Darauf reagieren nun die Eisdielen.

Nordkirchen

, 20.06.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Satz „Früher war alles besser“ ist in Bezug auf den sommerlichen Eisgenuss vielleicht sogar wahr. Generationen schleckten ihr Eis aus der knusprig-gebackenen Waffel, aus einem Pappbecher oder in der Eisdiele selbst aus dem Glas- oder Porzellanschälchen. Heute stehen meist Plastikalternativen an erster Stelle. Und selbst der Griff zum Waffelhörnchen ist für viele Eisverkäufer selten geworden.

Lebensmittelunverträglichkeiten verdrängen die Waffeltüte

„Aufgrund der vielen Lebensmittelunverträglichkeiten verzichten viele lieber auf die Waffeln“, erklärt Beate Pieper, die mit Ehemann Markus das Eiscafé Pallina in Nordkirchen betreibt. Eine Beobachtung, die auch Mateus Duarte da Silva Cortes, Betreiber der San-Remo-Filiale am Ludwig-Becker-Platz, gemacht hat.

„Viele wollen noch nicht mal mehr die Waffel, die wir oben auf das Eis legen“, schildert er seine Erfahrungen. Mit dem veränderten Kundenverhalten geht ein Problem einher: Der Plastikmüll nimmt stetig zu. Dem wollen die Eiscafés, und vor allem deren Lieferanten, nun begegnen. Sie sagen dem herkömmlichen Plastikpott den Kampf an.

Eiscafés mitten in der Umstellung

Einher geht das natürlich mit dem ausgesprochenen EU-Verbot für Einweggeschirr, das ab 2021 Plastikhalme, Plastikbecher und auch Wattestäbchen verbietet. Die Nordkirchener Eiscafés wollen aber nicht bis auf den letzten Drücker warten. „Wir haben vor zwei, drei Wochen die ersten kompostierbaren Becher bekommen“, erklärt Beate Pieper.

Noch wird der Altbestand aufgebracht, aber spätestens Mitte Juli sollen an der Schlossstraße nur noch Biobecher über die Bühne gehen. Auch Mateus Cortes stellt seinen Betrieb derzeit um. Dass die Kunden das bereits bemerkt haben, kann er nicht sagen. Doch ab und an käme es vor, dass Kunden eigene Schalen von zu Hause mitbrächten.

Bio-Kunststoff ist lediglich der erste Schritt

Die Umstellung auf kompostierbare Becher ist für Beate Pieper noch nicht der Weisheit letzter Schluss. „Aber es ist für uns die im Moment beste Variante“, sagt sie. Die Entscheidung im Eiscafé Pallina fiel auf Becher aus PLA (Polyactide), einem Biopolymere aus nachwachsenden Rohstoffen.

„Diese Rohstoffe sind aber auch begrenzt“, erklärt Pieper, dass sie auf den landwirtschaftlich nutzbaren Flächen dieser Welt lieber Lebensmittel wachsen sehen würde. „Aber essbare Schälchen sind für uns auch keine Lösung“, erklärt sie. Bei feuchtem Wetter würden die pappig, viele Menschen würden sie überdies nicht mögen und daher wegwerfen. „Da reden wir wieder von Lebensmittelverschwendung“, sagt Pieper. Und bei einer Glutenunverträglichkeit beiße sich das Konzept selbst.

Grüne Tonnen für wirkliche Kompostierung

Um langfristig aber den Müll reduzieren zu können, müsste weiter nach Alternativen Ausschau gehalten werden. Bis es soweit ist, ist die Kompostierung ein erster Schritt auf einem noch weiten Weg. „Becher kompostierbar, Löffel noch nicht“, sagt Pieper daher bei jedem Eis, das über die Theke geht. Und bei den Kunden kommt das gut an.

Noch haben die Piepers die höheren Anschaffungskosten des Bio-Plastiks nicht auf den Preis umgelegt. „Wir müssen gucken, wie es sich entwickelt“, sagt Beate Pieper. Denn nun müssen sie auch Bio-Mülltonnen anschaffen, damit die Bio-Kunststoff-Becher auch wirklich im Komposter landen - und nicht doch wieder in der herkömmlichen Tonne für Plastikmüll.

Mehrwegsystem bei der Platznahme im Café

Wer jedoch direkt im Eiscafé Platz nimmt und dort ein Eis oder einen Kaffee serviert bekommt, erhält ihn aus Porzellan- oder Glasgefäßen. „Das Mehrwegsystem hat sich etabliert“, sagt Beate Pieper - und die Kunden wissen das auch zu schätzen.

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