Frühförderung

Frühförderung in der Coronakrise: Probleme bei Kinder verschärfen sich

Nie wieder lernt der Mensch so viel und so nachhaltig wie in den ersten Lebensjahren. Manche Kinder benötigen bei dieser Entwicklung jedoch Unterstützung. Wie ist das aber in der Coronapandemie?
Die Frühförderung der Kinderheilstätte Nordkirchen setzt auch in der Coronakrise auf Unterstützung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen. © Marie Rademacher (Archiv)

Zwei coronabedingte Effekte sorgen in den 15 Frühförderstellen der Caritas in der Diözese Münster für stark gestiegene Anmeldezahlen: Den Kindern fehlten über viele Wochen Förderung und Kontakt mit den Gleichaltrigen. Gleichzeitig wächst die Sorge der Eltern und Kinderärzte um die Entwicklungschancen der Kinder durch die Begrenzungen in der Pandemiesituation. Hierin vermutet Anne Sulek von der Kinderheilstätte Nordkirchen Gründe, warum sie mit ihrem Team deutlich mehr Kinder betreut. Stephanie Murlowski, die die Frühförderstelle der Caritas Recklinghausen leitet, berichtet von fast auf das Vierfache gestiegene Anmeldezahlen, bis zu 15 in der Woche statt wie gewohnt durchschnittlich vier.

Auffällig sei, dass sich vor allem Sprachprobleme verschärften, weil den Kindern die Interaktion mit Gleichaltrigen in der Kita fehlten, heißt es in einer Pressemitteilung des Caritasverbands für die Diözese Münster. Aber die Pandemie verstärkten auch Probleme im sozial-emotionalen Bereich. Wobei die Reaktionen der Kinder darauf gegensätzlich ausfielen. Die einen zögen sich zurück und würden sich „zu zurückhaltend“ verhalten, die anderen seien aufgedreht und die Belastungen, die auch sie schon spürten, äußerten sich in aggressivem Verhalten.

Hygienekonzept

So oder so sei das ein Fall für die Frühförderung, die Kinder mit Behinderungen oder Verzögerungen in ihrer Entwicklung unterstützt, erklärt Harald Westbeld von der Öffentlichkeitsarbeit des Caritasverbands. Nur kurz sei das zu Beginn der Pandemie für wenige Wochen nicht möglich gewesen, dann sei es mit einem Hygienekonzept wieder weiter gegangen.

Nur das Verhältnis zwischen den Förderstunden in der Frühförderstelle und Zuhause habe sich verschoben, berichten die Caritas-Mitarbeiterinnen Sulek und Murlikowski. Nach Möglichkeit kämen die Eltern jetzt zu ihnen, um die Möglichkeiten vor Ort, wie beispielsweise die großen Bewegungsräume, nutzen zu können. In Lüdinghausen, wo die Frühförderstelle der Kinderheilstätte Nordkirchen für den Südkreis Coesfeld angesiedelt ist, kann Anne Sulek dabei auf einen ehrenamtlichen Fahrdienst zurückgreifen, wenn die Eltern nicht mobil sind.

Kinderärzte können sich mehr Zeit nehmen

Durch weniger Fahrten zu den Kindern haben die Teams etwas Zeit gewonnen, um der gestiegenen Nachfrage Herr zu werden. Zusätzlich werden die Stellen jetzt aufgestockt. Möglichst schnell möchte Stephanie Murlowski die von üblicherweise maximal vier auf sechs bis acht Wochen gestiegenen Wartezeiten wieder abbauen. Möglichst früh einzugreifen und Fehlentwicklungen vorzubeugen, sei das Ziel in der Frühförderung. Dass Kinder jetzt eher angemeldet werden, weil unter anderem die Kinderärzte bei insgesamt weniger Infekten sich mehr Zeit nehmen könnten bei den Vorsorgeuntersuchungen und so eher Entwicklungsdefizite entdeckten, sieht Murlowski als kleinen Vorteil der Krise und Chance für die Zukunft.

Wenn Eltern sich unsicher sind, ob sich ihr Kinder altersgemäß entwickelt, haben sie immer die Möglichkeit, in der Frühförderstelle anzurufen und sich beraten zu lassen, bietet Anne Sulek an: „Das geht auch ohne Empfehlung des Kinderarztes oder des Kindergartens.“ Je früher die Förderung einsetze, desto besser könne gehandelt werden, wirbt Stephanie Murlowski dafür, rechtzeitig das Gespräch zu suchen.

Die interdisziplinäre Fürühförderstelle der Kinderheilstätte hat ihren Sitz in der Neustraße 1b in Lüdinghausen. Kontakt: Tel.

www.kinderheilstaette.de

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