Gesamtschule in Nordkirchen geht innovative Wege: Schüler lernen an der JCS mit iPads

hzJohann-Conrad-Schlaun-Schule

Seit diesem Schuljahr arbeiten die Fünftklässler der Johann-Conrad-Schlaun-Schule in Nordkirchen im Unterricht zusätzlich mit iPads. Bald sollen auch ältere Schüler die Tablets bekommen.

von Marcel Schürmann

Nordkirchen

, 21.01.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule (JCS) in Nordkirchen geht innovative Wege. Der Bund stellt der Gemeinde Nordkirchen aus seinem Digitalpakt 400.000 Euro für den Bereich Bildung zur Verfügung. Neben den drei Grundschulen der Gemeinde will die JCS einen großen Teil der Geldmittel dazu nutzen, sich digital noch besser aufzustellen.

Vor einigen Jahren hat die Gemeinde bereits in Smart-TV-Geräte für die JCS investiert. In jedem Klassen- und Fachraum gibt es inzwischen internetfähige Fernseher. Knapp 50 Stück hängen davon schon über den Schultafeln in den Räumen.

W-Lan-Netz soll flächendeckend ausgebaut werden

Der nächste Schritt wird nun sein, aus dem zur Verfügung gestellten Geld, die Internetverbindung in der Schule flächendeckend auf Vordermann zu bringen. „Was das W-Lan- und Lan-Netz an der JCS angeht, haben wir noch extremen Nachholbedarf“, sagt Bernd Tönning, IT-Fachbereichsleiter der Gemeinde.

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Im Altbau der JCS, wo unter anderem die Fünftklässler untergebracht sind, ist das W-Lan-Netz bereits erneuert worden. Der Neubau der Schule, in dem die älteren Jahrgänge sind, soll nun nachziehen. „Wir müssen jetzt zunächst die Basics schaffen - also die Neu-Verkabelung des Hauses vollziehen“, so Tönning.

Ein Ingenieurbüro sei bereits mit der Netzausbau beauftragt. Bis spätestens Ende nächster Woche wird der Auftrag ausgeschrieben. „Darauf aufbauend, kann alles weitere erfolgen - also die Anschaffung von weiteren iPads“, so Tönning weiter.

iPads im Unterricht haben sich bewährt

Die Fünftklässler der Schule arbeiten seit Beginn des Schuljahres im Unterricht neben dem klassischen Schulbuch zusätzlich schon mit iPads - dem Tablet von Apple. 32 Geräte stehen den Schülern und Lehrern zur Verfügung.

Dieses Modell habe sich bereits an anderen Schulen bewährt, sagt JCS-Schulleiter Ulrich Vomhof: „Wir freuen uns sehr, dass wir in unserem fünften Jahrgang schon sinnvoll mit den iPads arbeiten. Sie bieten uns einen immensen Mehrwert. Wir können den Kindern bei ihren Schwächen helfen und gleichzeitig ihre Stärken fördern.“

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Mathematik-Lehrer Achim Stanossek, der als Didaktischer Leiter der Schule auch für das Thema Unterrichtsentwicklung verantwortlich ist, geht weiter ins Detail: „Auf den iPads haben wir Übungsprogramme für die Schüler. Auf meinem iPad kann ich dann sehen, was die Kinder üben, was sie geleistet haben und erhalte sofort eine Auswertung.“

Gesamtschule in Nordkirchen geht innovative Wege: Schüler lernen an der JCS mit iPads

Achim Stanossek (M.) kann auf seinem Tablet sehen, welche Aufgaben seine Schüler gerade bearbeiten. © Marcel Schürmann

Mehr Motivation und größere Lernerfolge

Vorbei ist also die Zeit, in der Stanossek für seine Klassen noch mehr als 30 Arbeitsblätter ausdrucken musste. Stanossek stellt zudem fest, dass die Schüler nicht nur motivierter ans Lernen gehen - auch die Lernerfolge seien durch die Nutzung der iPads größer.

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„Die Programme erkennen, wenn ein Kind Schwierigkeiten bei einem Thema hat und können individuell auf diese Probleme eingehen. Für das individuelle Lernen sind die iPads für die Kinder daher eine große Chance. Die Kinder werden mit ihren Schwächen auch nicht mehr vor der ganzen Klasse bloßgestellt.“

Doch nicht nur für das Vokabel- und Mathelernen sollen die iPads genutzt werden. Auch im Sportunterricht können sie eingesetzt werden. Stanossek: „Die Kinder können sich etwa bei Turnübungen selber filmen und sich die Videos anschließend ansehen und so kontrollieren, ob sie vielleicht noch ihre Schwierigkeiten bei manchen Abläufen haben. Das ist genial.“

Lehrer waren zunächst skeptisch

Dass das innovative Lern- und Lehrwerkzeug iPad nicht auf Anhieb jedermanns Sache ist, weiß auch Schulleiter Vomhof. „Viele Kolleginnen und Kollegen waren zunächst skeptisch. Einige mussten auch schmerzhaft erfahren, dass die Kinder in der Regel viel fitter im Umgang mit den iPads sind als sie selbst“, sagt er mit einem Lachen. Die Lehrer hätten aber schnell gemerkt, „dass die iPads in ihrem Unterricht große Fortschritte bringen.“

Als Vorgriff auf die Anschaffung der iPads für die Schüler, hat die JCS vor zwei Jahren bereits sieben Geräte für die Lehrer angeschafft. „So konnten sich die Lehrer schon vorab mit den iPads vertraut machen und sich gegenseitig bei Fragen helfen“, sagt Stanossek.

In 32 Geräte hat die Gemeinde bereits investiert. Kostenpunkt: 14.000 Euro. An einigen anderen Schulen ist es so, dass die Schüler ein eigenes iPad haben. Das läuft dann meist über ein Leasing-Modell, für das die Eltern Geld bezahlen müssen. „Das ist bei uns aber noch Zukunftsmusik“, sagt Vomhof. Diesen Schritt werde die JCS erst dann gehen, „wenn wir garantieren können, dass wir pädagogisch so gut aufgestellt sind, dass wir die Geräte auch regelmäßig nutzen.“

Ältere Jahrgänge sollen künftig auch mit iPads arbeiten

In den nächsten Jahren sollen auch die älteren Schuljahrgänge sukzessive mit iPad-Klassensätzen ausgestattet werden. Dafür müssten zunächst noch Unterrichtsreihen entwickelt und die Lehrer weiter geschult werden. „Wir haben zunächst mit den Fünftklässlern angefangen. Als nächstes werden wir Unterrichtsreihen für die älteren Jahrgänge erstellen. Das geht aber nicht auf einen Schlag, sondern wird systematisch von unten aufgebaut“, erklärt Vomhof.

Durch die Nutzung der iPads sollen künftig auch die Smart-TV-Geräte im Unterricht noch mehr in den Fokus rücken. „Die Installation der Fernseher war vor einigen Jahren eine sehr vorausschauende Entscheidung“, sagt Bernd Tönning. „So können die Schüler künftig ihre Screens beispielsweise für Präsentationen auf die die Smart-TVs projizieren.“

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