Ein Schuljahr reicht nicht: Grundschülern bleibt kaum Zeit für den Schwimmunterricht

hzSchwimm-Unterricht

Die Zahlen sind erschreckend: Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen haben nach einer Forsa-Umfrage ein Jugendschwimmabzeichen. Das liegt auch an Rahmenbedingungen - wie in Nordkirchen.

Nordkirchen

, 16.09.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anne Büscher, Pressesprecherin der Gemeindeverwaltung, will „nichts schönreden“. In ihrer vierjährigen Grundschulzeit haben die Mädchen und Jungen gerade einmal ein einziges Schulhalbjahr - und damit nur wenige Monate - Schwimmunterricht. Jeweils in der vierten Klasse. „Besser als nichts“, sagt Anne Büscher. Aber doch recht wenig.

Die Gründe liegen auf der Hand. Bereits vor mehr als vier Jahren, im Juli 2015, wurde das Hallenbad auf dem Gelände der Fachhochschule für Finanzen geschlossen.

Ein Jahr später gab es eine Vereinbarung mit dem Klutenseebad Lüdinghausen. „Das Bad hatte nicht viele Kapazitäten frei“, berichtet Anne Büscher und nennt damit einen wichtigen Grund für die insgesamt wenigen Schwimmstunden.

Schulministerium hat Aktionsplan verabschiedet

Auch wenn es den Kindern wenig hilft, Nordkirchen ist nicht alleine mit den Probleme. Ende Juni hat deshalb das NRW-Schulministerium den Aktionsplan „Schwimmen lernen in Nordrhein-Westfalen“ vorgestellt.

Davon sollen übrigens auch Kinder der Klassen 1 und 2 profitieren. In den diesjährigen Herbstferien finden an 33 Standorten in NRW insgesamt 254 Kurse statt. Der Kreis Coesfeld bleibt dabei leider ein weißer Fleck.

Zu tun gibt es allerdings auch in Nordkirchen mehr als genug: Nach Einschätzung des Schulministerium gelten Schülerinnen und Schüler erst dann als Schwimmerinnen oder Schwimmer, wenn sie vom Beckenrand ins schwimmtiefe Wasser springen, ohne Unterbrechung 25 m weit schwimmen und einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser heraufholen können.

Viele Schwimm-Unfälle verlaufen tödlich

Wie wichtig dieses Können ist, zeigen Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Nach den Verkehrsunfällen ist Ertrinken die zweithäufigste Art tödlich verlaufender Unfälle im Kindesalter“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Noch weitaus höher sei die Zahl der „Beinahe-Ertrinkungsunfälle“ mit nicht selten schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

Besonders gefährdet sind nach Einschätzung der Bundeszentrale „Kinder bis ins Grundschulalter hinein.“ Aus Sicht der Einrichtung sollten Kinder „ab etwa vier Jahren schwimmen lernen“. Eine Einschätzung, die die Experten der DLRG teilen.

Schon Kleinkinder ans Wasser gewöhnen

Sie weisen zudem darauf hin, dass „bereits vor diesem Alter Kinder in speziellen Wassergewöhnungskursen für Kleinkinder spielerisch mit lebensrettenden Verhaltensweisen vertraut gemacht werden können.“

Doch dafür müsste es erst einmal die Möglichkeit geben, entsprechende Kurse zu organisieren. Für Anne Büscher von der Gemeinde Nordkirchen macht bereits der geringe Schwimmunterricht an Grundschulen deutlich, „wie dringend Nordkirchen ein neues Schwimmbad benötigt.“

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