Hilfskrankenhaus für Corona-Patienten ist zum Wochenende startklar

hzIn Turnhalle

In Corona-Zeiten bleibt kaum ein Stein auf dem anderen: Ein Hilfskrankenhaus für den Kreis ist in Coesfeld aufgebaut worden, bei den Notfallpraxen gibt es Einschnitte. Das sorgt für Proteste.

Nordkirchen

, 31.03.2020, 14:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit rund zwei Wochen sind die beiden Notfallpraxen in Lüdinghausen und Dülmen geschlossen. „Ein unhaltbarer Zustand“, findet Lüdinghausens Bürgermeister Richard Borgmann. In einen Schreiben an den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Dirk Spelmeyer, fordert er eine „alsbaldige Beendigung“.

Aufgrund der Schließung der beiden Notfallpraxen würden noch mehr Patienten die Ambulanz des Regionalkrankenhauses für das südliche Münsterland aufsuchen. Doch genau das müsse vermieden werden. Die Bevölkerung sollte vielmehr sensibilisiert werden, nur bei unbedingtem Bedarf die Arztpraxen und das Krankenhaus aufzusuchen.

Weg von Nordkirchen, Selm oder Olfen nach Coesfeld „unzumutbar“

Richard Borgmann kann das Verhalten der Menschen aber nachvollziehen. Den weiten Weg von Selm, Nordkirchen, Olfen, Ascheberg, Senden oder Lüdinghausen nach Coesfeld, wo sich die nächstgelegene Notfallpraxis befindet, beschreibt Borgmann als „unzumutbar“.

In seinem Schreiben betont Borgmann das diese Maßnahme als „Schlag ins Gesicht“ derjenigen verstanden wird, „die Tag und Nacht bemüht sind, sich der dramatischen Entwicklung des hoch ansteckenden Erregers entgegenzustellen“.

Im Namen seiner Amtskollegen und der Bürgerinnen und Bürger bittet Borgmann darum, die Notfallpraxen wieder zu öffnen, um das St. Marien-Hospital wenigstens ein wenig zu entlasten.

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Positive Nachrichten für das Krankenhaus gibt es hingegen an anderer Stelle: Seit Ende letzter Woche melden sich stetig Unternehmen und auch Privatpersonen beim Krankenhaus und schenken der Einrichtung ihre Bestände an Schutzausrüstung.

Halle des Berufskollegs in Coesfeld bietet Platz für 100 Betten

Der Kreis Coesfeld hat unterdessen bereits Vorbereitungen für den Fall getroffen, dass viele Menschen in den örtlichen Krankenhäusern behandelt werden müssen. Sie sollen in einem zweiten Behandlungsschritt in einem Hilfskrankenhaus betreut werden.

In der Sporthalle des Pictorius-Berufskollegs in Coesfeld hat der Kreis als Betreiber des Hilfskrankenhauses in den letzten Tagen 30 Krankenbetten einrichten lassen; weitere 20 Betten folgen am Mittwoch (1. April). Insgesamt kann die Halle Platz für 100 Betten bieten. Mit entsprechenden Trennwänden, deren Modultechnik auch aus dem Messebau bekannt ist, wurden Ein- und Zweibettzimmer abgeteilt.

„Bis Ende dieser Woche soll eine erste Einsatzbereitschaft gewährleistet sein, was das erforderliche Personal betrifft“, sagt Dr. Volker Günnewig, der künftige ärztliche Leiter des Hilfskrankenhauses. „Noch zeichnet sich eine Inbetriebnahme nicht ab, da die regulären Krankenhäuser reichlich Kapazitäten vorhalten. Es kann aber kurzfristig in Betrieb gehen“, betont der Kreis.

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