Immobilienmarkt in Corona-Zeiten: Kommt der Negativ-Zins beim Hauskauf?

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Gehen die Immobilienpreise dank Corona in den Keller? Oder schießen die Zinsen künftig durchs Dach? Wir haben mit den Banken über die Entwicklung und über Hilfe für Kreditnehmer gesprochen.

Nordkirchen, Olfen

, 13.05.2020, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise sorgt für eine Talfahrt der Wirtschaft. Viele Menschen finden sich plötzlich in der Kurzarbeit wieder. Wenn man parallel ein Haus gebaut hat und den Kredit bedienen muss, kann das schnell zu einem existenziellen Problem werden.

Konkrete „Corona-Maßnahmen“ für ihre Kunden haben die örtlichen Banken nicht auf Lager, wie eine Anfrage unserer Redaktion belegt. „Besondere Hilfen oder verbilligte Mittel zur Finanzierung gibt es eigentlich nicht“, sagt Michael Hagedorn, Abteilungsleiter Baufinanzierung bei der Volksbank Südmünsterland-Mitte. Für die Sparkasse Westmünsterland bestätigt das auch Pressesprecher Robert Klein. Aber: „Die Darlehenszinsen sind jedoch bereits seit langer Zeit sehr niedrig und werden es voraussichtlich bleiben. Dies ist für Käufer und Bauherren besonders günstig.“

Außerdem liege der Fokus ohnehin seit einer Zeit auf anderen Produkten, wie Michael Hagedorn ergänzt: „Der Wohnungsbau gilt als starker CO²-Treiber.“ Mit Blick auf den Klimaschutz gebe es deshalb aktuell „erhebliche Tilgungszuschüsse und Darlehen für die Sanierung von Altbauten“.

Negativzinsen bei Zuschüssen, nicht bei Krediten

So können Kunden am Ende sogar von Negativzinsen profitieren: „Das betrifft insbesondere hocheffiziente Neubauten, bei denen neben günstigen Zinssätzen auch hohe Tilgungszuschüsse in Betracht kommen“, so Robert Klein.

Dass auch die Banken bei ihren Kreditangeboten negative Zinsen anbieten, hält Michael Hagedorn derweil für unwahrscheinlich. Vielmehr führe die Corona-Krise eher zu einem leichten Anstieg: „Der Markt ist unter Druck, und das geliehene Geld muss am Markt refinanziert werden.“ Entsprechend würden die Risikoprämien, die im Falle eines geplatzten Kredits greifen, ansteigen - was sich wiederum auf den Zins auswirkt, der beim Kunden ankommt. Laut Hagedorn sind diese Zinsen seit dem Ausbruch der Pandemie um 0,4 Prozent gestiegen.

Und wie sieht es auf der Kundenseite aus? „Wir haben Anfragen zu Tilgungsaussätzen und Ratenstundungen - aber wir spüren das bei weitem nicht in dem Umfang, wie wir das ursprünglich erwartet haben“, sagt Michael Hagedorn. Diese Anfragen seien unproblematisch, wie auch Robert Klein erklärt: „Kreditnehmer, die von der Corona-Krise betroffen sind, können über unsere Homepage Tilgungen aussetzen und damit ihre Liquidität schonen.“ Bisher sei dies 560 Mal in Anspruch genommen worden.

Nachfrage im Münsterland bleibt hoch

Entsprechend befürchten beide Banken auch nicht, dass der Immobilienmarkt einbrechen wird. „Die Nachfrage bei den Privatkunden ist da, bei den Geschäftskunden wird sie sicher zurückgehen“, schätzt Michael Hagedorn die Situation ein.

Auch bei der Sparkasse heißt es: „Bereits geplante Kauf- und Bauprojekte laufen auch aktuell bei vielen Kunden weiter. Einige Interessenten vertagen ihre Entscheidungen verständlicherweise aufgrund der außergewöhnlichen Situation durch das Corona-Virus.“

Dabei war das erste Quartal 2020 „von erfolgreichen abgeschlossenen Baufinanzierungen und Immobilienkäufen geprägt“, so Robert Klein. Ob es nun die richtige oder falsche Zeit für einen Immobilienkauf sei, könne er nicht pauschal beantworten: „Es geht um Fragen wie ‚Welche Kredite, Fördermittel und Zuschüsse kommen in Frage?‘ und ,Bis zu welcher Höhe ist die Finanzierung für die jeweiligen Kunden machbar?‘.“

Hinzu komme, dass die Nachfrage nach Wohnungen im Westmünsterland seit Jahren konstant hoch sei; eine Beobachtung, die auch Michael Hagedorn für die Volksbank bestätigen kann: „Es kommt natürlich auf die Lage an - und da ist das Münsterland sehr gefragt. Entsprechend werden die Preise nicht deutlich nach unten gehen.“

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