Jagd auf Wildschweine irritiert Besucher im Tiergarten am Schloss

hzJagd im Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet „Tiergarten“ am Schloss Nordkirchen ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Nordkirchener. Es gibt allerdings ein tierisches Problem.

Nordkirchen

, 11.04.2020, 14:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Marion Neiteler macht wie andere Bürger gerne einen Spaziergang durch das Waldstück am Schloss. „Es ist eine beliebte Route für Hundehalter“, sagt die Nordkirchenerin. Sie ist aber irritiert, dass das Gebiet „so oft“ wegen einer Jagd abgesperrt ist.

„Im Tiergarten gibt es extrem viele Wildschweine“, sagt Hubertus Pröbsting, Leiter des Hegerings Nordkirchen auf Anfrage. Diese können, so Pröbsting weiter, Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursachen. „Sie durchwühlen den Boden und zerstören damit die Grasnarbe.“

Jagdpächter Bernd Sendermann stimmt ihm zu. Aus seiner Sicht hat das „hohe Eschensterben“ die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich Brombeeren stark ausgebreitet haben. „Ein ideales Rückzugsgebiet für Wildschweine, denn der hohe Bodenbewuchs gibt ihnen eine gute Deckung.“

„Wildschweine können in einer Nacht eine ganze Wiese umpflügen“

Futter würden die Wildschweine dort aber nicht in ausreichender Menge finden, so dass sie sich insbesondere bei Nacht auf angrenzende Wiesen und Felder begeben, um dort Futter zu finden. „Wildschweine durchwühlen bei der Nahrungssuche oftmals den Boden auf der Suche nach Wurzeln, Würmern, Schnecken.

Sie können schon mal in einer Nacht eine ganze Wiese umpflügen. Aber auch vor Feldern machen Sie nicht halt, was enorme Ernteeinbußen für die Landwirte bedeuten kann. Ich als Pächter der Jagd muss dann für Wildschäden aufkommen, welche jährlich mehrere tausend Euro betragen.“

Weitere Drückjagden auf Hegeringebene erst wieder im Herbst

Durch die hohe Population, die hohe Vermehrungsrate, aber auch aufgrund der näher rückenden afrikanischen Schweinepest (ASP) seien die Jäger gezwungen, mehr als in der Vergangenheit zu jagen. „Im vergangenen Herbst/Winter fanden erstmals 4 anstatt 3 Drückjagden statt. Weitere Drückjagden auf Hegeringebene sind erst wieder im Herbst 2020 geplant.“

Bis dahin würden „lediglich“ Ansitzjagden stattfinden, also Jagden vom Hochsitz aus. Wildschweine dürfen inzwischen ganzjährig bejagt werden und haben - mit Ausnahme der führenden Bachen (also Bachen, welche Frischlinge haben) - keine Schonzeit.

Hegering verweist auf ein mit dem Kreis abgestimmtes Verkehrskonzept

Den Kritikern der Jagden geht es aber nicht ausschließlich um die Zahl der Jagden, sie finden auch die Hinweise nicht ausreichend. Aber ein selbst gemaltes Schild, reicht das? Das kommt darauf an, sagt Hubertus Pröbsting. „Wir hatten in diesem Jahr schon zwei revierübergreifende Jagden, da wurde dann ein Verkehrskonzept mit dem Kreis ausgearbeitet.

Einige Straßen wurden gesperrt, an anderen Stellen wurde die Geschwindigkeit reduziert“, so der Jäger. Bei einer Jagd in einem einzelnen Revier komme es darauf an, ob zu erwarten sei, dass Wild auf die Straße läuft. Ansonsten bestehe vor allem die Pflicht, für jeden verständlich auf das Jagdgeschehen hinzuweisen.

Jagdpächter beklagt, dass Schilder „ignoriert werden“

Jagdpächter Bernd Sendermann sieht sich zu Unrecht in der Kritik. Er sieht er ein Fehlverhalten von Spaziergängern. „Traurig finde ich es, dass trotz all unserer Vorkehrungen zum Schutze von Passanten diese teilweise die Hinweisschilder einfach ignorieren (nicht übersehen!!).

Wir nehmen die Waldsperrung (für wenige Stunden an ca. vier Terminen im Jahr) vor, damit Radfahrer, Fußgänger und teilweise auch deren Hunde nicht in Gefahr geraten.“ Sendermann erhofft sich mehr Verständnis bei den Bürgern für die Jagd.

„Denn nur durch eine regelmäßige Bejagung von Schwarz- und Raubwild können auch Tiere wie Hase und Fasan wieder die Möglichkeit bekommen, ihre Jungen großzuziehen und so die Population wieder erhöhen.“ Die Population von Schnepfen, Hasen und Fasanen sei deutlich zurückgegangen.

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