Gemeinnützigkeit für Männervereine bedroht: Ein Problem für MGV und Schützenverein?

hzGemeinnütigkeit trotz Geschlechtertrennung

Wenn Finanzminister Olaf Scholz damit Erfolg hätte, reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, würden das die Nordkirchener gelassen sehen. Ein Problem? Im Gegenteil.

Nordkirchen

, 18.11.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Natürlich gibt es sie auch in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle: Die Schützenbruderschaft, den Männergesangverein und die Pfadfinder. Aber auch die kfd, die Frauenhilfe und der Frauenchor sind dem Namen nach reine, auf ein Geschlecht reduzierte Vereine.

Vor allem Männervereinen will Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, allerdings die Gemeinnützigkeit und damit steuerliche Vorteile aberkennen, weil sie nicht offen für die gesamte Gesellschaft seien. Männer unter sich, das geht in Scholz‘ Augen nicht, von Frauen spricht er nicht. Ein heftig diskutierter Vorstoß im gesamten Land. In den Nordkirchener Vereinen verfolgt man den Schlagabtausch der Befürworter und Gegner aber mit Gelassenheit.

MGV Cäcilia Capelle

„In unserem Verein gibt es auch Frauen“, sagt Gregor Focke, Vorsitzender des MGV Cäcilia Capelle klar und deutlich. Natürlich seien die nicht an vorderster Front zu sehen und „gesanglich geht das ja auch nicht, weil wir ein Männerchor sind“, sagt Focke. Aber unter den passiven oder fördernden Mitgliedern seien schon seit Jahren Frauen. „Wir haben 275 Mitglieder. Das sind ja nicht nur Sänger. Zu den Passiven zählen natürlich auch Frauen, und nicht nur Sängerfrauen“, sagt Focke.

Denn nur mit Männern könnte der Verein gar nicht mehr existieren. „Wir müssen immer versuchen, die Kosten zu stemmen“, erklärt Focke. Vor allem, um die Partnerinnen der Sänger an den MGV Cäcilia Capelle zu binden, wurde daher schon vor Jahren entschieden, Frauen als Mitglieder zuzulassen. Und das klappt gut. „Ob man sie jetzt fördernde oder passive Mitglieder nennen sollte, lass ich mal offen“, sagt Focke, „denn im Hintergrund sind die schon sehr aktiv und unterstützen uns.“

Gemeinnützigkeit für Männervereine bedroht: Ein Problem für MGV und Schützenverein?

Der Männergesangverein Cäcilia Capelle hat bei Auftritten naturgemäß nur Männer auf der Bühne, im Hintergrund des Vereins reichen die Frauen jedoch mehr als nur eine helfende Hand. © Günther Goldstein

Schützenbruderschaft Sankt Pankratius Südkirchen

In Südkirchen findet man mit der Schützenbruderschaft Sankt Pankratius den wohl ältesten Verein der Gemeinde. Gegründet im Jahr 1663 blickt er auf eine mehr als 350-jährige Vereinsgeschichte zurück. Damals ging es im gesamten Münsterland darum, die Landwehr zu stärken. Keine Frage, dass damals nur Männer für diese Aufgabe ausgewählt wurden. Daraus ging die Schützenbruderschaft hervor. Inzwischen steht aber in der Satzung unter „Mitgliedschaft und Aufnahmen“, explizit, dass Bewerber - oder Bewerberinnen - 18 Jahre alt sein müssen. Für Frauen ist der Verein damit explizit geöffnet - und zählt inzwischen 70 Damen in seinen Reihen.

„Es war die richtige Entscheidung“

„Die Frauen haben die gleichen Rechte wie wir. Sie dürfen auf den Vogel schießen. Sie sind den Männern komplett gleichgestellt“, erklärt Franz-Josef Hölscher, Vorsitzender der Schützenbruderschaft. „Wir haben das Motto ‚Zusammen leben, zusammen feiern.‘ Und danach handeln wir“, sagt Hölscher. Die Änderungen der Vereinsstatuten wurden vor zwölf Jahren vollzogen. Große Diskussionen gab es damals nicht. „Natürlich gab es ein paar alte Hasen, die sich zu Wort meldeten, aber wir müssen mit der Zeit gehen. Und heute kann ich nur sagen, dass es die richtige Entscheidung war“, sagt Hölscher. Denn gegründet wurde danach nicht nur eine Damenkompanie, sondern inzwischen gibt es auch 24 Sanitäterinnen. Und in der Reiterstaffel sind Männer und Frauen gemeinsam unterwegs.

Geschlechtertrennung hat Vor- und Nachteile

Froh über die geschlechtliche Trennung ist hingegen die kfd Südkirchen. „Das ist eigentlich ganz gut“, sagt Christel Erdmann, zumal es mit der KAB das männliche Pendant dazu gäbe. Man könnte spezielle Themen setzen. Vor steuerlichen Nachteilen fürchtet sich die Gemeinschaft vor Ort nicht, denn die Mitgliedsbeiträge werden direkt an den Diözesanverband abgeführt. „Wenn da etwas akut wird, würden die uns informieren“, ist Erdmann überzeugt. Und auch wenn es eine Entscheidung des Verbandes wäre, sie selbst könnte einer Öffnung für Männer im Zweifel zustimmen, denn: „Wenn Männer da sind, ist auch immer gleich der Zickenkrieg vorbei“, beschreibt sie lachend.

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