Mietwohnungen sind knapp - UWG fordert Vorgaben für neue Baugebiete in Nordkirchen

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Das Angebot an freien Mietwohnungen ist dürftig, die Nachfrage gerade nach bezahlbaren Objekten hingegen groß. Die UWG-Fraktion in Nordkirchen will nicht länger tatenlos zusehen.

Nordkirchen

, 14.01.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Antrag für die nächste Bauausschus-Sitzung am 21. Januar ist eher die Ausnahme. Die Politik beschäftigt sich mit einem Bauantrag zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses mitten in Capelle an der Bahnhofstraße. Das bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass hier später preiswerte Wohnungen angeboten werden.

„Nicht jeder kann oder möchte sich ein Eigenheim, eine Eigentumswohnung oder eine hochpreisige Mietwohnung leisten“, sagt Christian Lübbert, Fraktionsvorsitzender der UWG. Deshalb soll die Gemeinde handeln. Konkret fordert die UWG, „zukünftig für jedes Baugebiet Flächen für bezahlbaren Wohnraum vorzusehen.“ Fünf Prozent der vermarktbaren Baugebietsfläche sollen das sein.

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Die UWG will die Dinge auch schriftlich fixieren. Mögliche Investoren sollen sich verbindlich verpflichten. Dass es Bedarf für neue Ansätze gibt, zeigt ein Blick auf Immobilienportale.

Das Angebot an freien Mietwohnungen ist „übersichtlich“.

Die wenigen freien Wohnungen haben ihren Preis. 8 Euro je Quadratmeter in Nordkirchen sind keine Seltenheit. Wer weniger Geld in die Hand nehmen will, muss meist bei Lage und Ausstattung Abstriche in Kauf nehmen. Allerdings nimmt die Gemeinde Nordkirchen keine Ausnahmestellung im südlichen Kreis Coesfeld an.

Auch in Olfen, Senden oder Lüdinghausen sind freie Wohnungen schnell vergeben. Eine vom Pestel Institut (Hannover) im Mai 2019 vorgelegte Studie zeigt auf, dass nur insgesamt 8,4 Prozent der Mietwohnungen im Kreis Coesfeld preisgebunden sind. Dies sind 3,5 Prozent des Gesamtbestandes an Wohnungen im Kreis Coesfeld.

Kein Ort hat so geringen Mietwohnungsbestand wie Nordkirchen

Die Gemeinde Nordkirchen nimmt nach dieser Untersuchung eine besondere Rolle ein. Der Anteil am Mietwohnungsbestand ist mit 3,4 Prozent in Nordkirchen am niedrigsten. An der Spitze steht Dülmen mit 14,6 Prozent, wo mit

1360 preisgebundenen Wohnungen der absolut höchste Bestand vorhanden

ist.

Der Pestel-Studie ist gleichzeitig zu entnehmen, dass in den vergangenen sechs Jahren der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter in

allen Kommunen des Kreises Coesfeld gestiegen ist. Die höchsten Steigerungen waren in Billerbeck und Senden zu verzeichnen.

Von 2012 bis 2017 ist der Quadratmeterpreis hier jeweils um ein Fünftel gestiegen, während sich die Lebenshaltungskosten nach den Daten des Statistischen Bundesamtes in dieser Zeit lediglich um gut 6 Prozent erhöht hatten. Unterhalb der Inflationsrate lag die Mietenentwicklung in keiner Kommune.

Mieten sind in Nordkirchen um fast 12 Prozent gestiegen

Nordkirchen liegt mit einem durchschnittlichen Anstieg von knapp 12 Prozent im Mittelfeld des Kreises Coesfeld. Die durchschnittliche Miete betrug in Nordkirchen 6,20 Euro. Ein vergleichsweise niedriger Wert. Preiswerter lässt es sich nur in Rosendahl und Ascheberg leben. Spitzenreiter ist in dieser Kategorie Senden mit 6,92 Euro.

Wie groß der Druck auf dem Wohnungsmarkt in der Region ist, zeigt die Leerstandsquote: Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt wird nach Einschätzung des Pestel-Instituts eine Leerstandsquote von 3 Prozent des Wohnungsbestandes angesetzt, um Umzüge und Modernisierungen in ausreichendem Maße zu ermöglichen. Der Zensus im Jahr 2011 ermittelte für den Kreis Coesfeld einen Leerstand von nur 2,2 Prozent.

Eine Entspannung auf dem heimischen Wohnungsmarkt ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Vor allem auch deshalb nicht, weil die Zahl der Bürger im Kreis Coesfeld seit Jahren stieg. Lebten 2010 hier 216.043 Bürger hier, erhöhte sich die Zahl bis 2017 auf 219.360 - die logische Folge hoher Wanderungsgewinne.

Beraten wird der Antrag der UWG in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, 21. Januar ab 17.30 Uhr im Bürgerhaus, Am Gorbach 2.

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