Mit Tempo 25 der Freiheit ein Stück näher: Das ist die Mofa-AG der Kinderheilstätte

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Die Maximilian-Kolbe-Schule in Nordkirchen hat schon seit den 1990er-Jahren eine Mofa AG - und so rund 100 Jugendlichen mit Behinderung auf ihrem Weg zum Mofa-Führerschein geholfen.

Nordkirchen

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Freiheit ein Stück näher - selbst, wenn es nur mit 25 km/h voran geht: Für viele Jugendliche bedeutet ein Mofa-Führerschein genau das. Unabhängigkeit. Selbstständigkeit. Erwachsenwerden.

Das geht auch Jugendlichen nicht anders, die die Maximilian-Kolbe-Schule in Nordkirchen besuchen. Schon seit den 1990er-Jahren gibt des deshalb an der Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung eine Mofa-AG. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Lehrer Benedikt Focke, der die Leitung der Arbeitsgemeinschaft zusammen mit seinem Kollegen Johannes Jöhnck vor Kurzem von ihrem Gründer Paul Bogade übernommen hat.

Jugendliche aus der Berufspraxisstufe und aus der Oberstufe der Maxi-Schule können die AG besuchen. „Natürlich ist das nicht für alle etwas“, räumt Benedikt Focke ein. Denn die Ansprüche sind hoch: Die Maxi-Schüler müssen - wie alle anderen Führerschein-Anwärter auch - eine Theorie-Prüfung bestehen, die der für den Autoführerschein ähnelt. „Die ist relativ schwer“, sagt Benedikt Focke.

Oliver hat den Führerschein schon in der Tasche

Da heißt es: lernen, lernen, lernen. Oliver (14) kann davon ein Liedchen singen. „Ich habe immer abends nach der Schule noch was gemacht“, erzählt der Maxi-Schüler. Dass er bei diesem Satz in der Vergangenheit spricht, ist einer erfreulichen Tatsache geschuldet: Vor ein paar Tagen nämlich hat er die Prüfung bestanden, darf bald allein im Straßenverkehr Mofa fahren. Circa 100 Schüler, so schätzen es die Leiter der AG, haben das vor ihm schon mit der Hilfe der Arbeitsgemeinschaft geschafft.

Mit Tempo 25 der Freiheit ein Stück näher: Das ist die Mofa-AG der Kinderheilstätte

Karsten Rethmeier von der Volksbank bringt das Nummernschild an dem Roller an: Die Bank hat die Anschaffung des neuen Gefährts für die Mofa AG gesponsert. © Marie Rademacher

Anders als in einer Fahrschule können die Lehrer die Jugendlichen in der AG zum einen länger, zum anderen intensiver bei der Vorbereitung unterstützen. Für den Theorie-Teil gibt es so zum Beispiel Übungsprogramm mit Vorlesefunktion, die für viele Schüler sehr hilfreich sind, erklärt Lehrer Johannes Jöhnck. Und auch die Praxis kommt nicht zur kurz. Regelmäßig üben die Gruppen auf einem Parkplatz in der Nähe der Schule dem Umgang mit dem Mofa.

Volksbank hat neues Fahrzeug mitfinanziert

Damit das möglich ist, hat die Schule eine eigene Mobylette und einen eigenen gedrosselten Roller. Seit ein paar Tagen sogar einen nagelneuen gedrosselten Roller: Die Volksbank Nordkirchen hat der AG das Geld für ein neues Fahrzeug gespendet. „Sie hat in diesem Jahr sogar aufgestockt“, erklärt Gisela Stöver te Kaat erfreut. Sie ist in der Kinderheilstätte Nordkirchen für das Sozialmarketing zuständig. Jedes Jahr, so erklärt sie, spende die Volksbank 1000 Euro an die Einrichtung. Weil aber jetzt die Anschaffung eines neuen Mofas notwendig war und dazu 1350 Euro fehlten, hat die Volksbank einfach noch einen Schlag draufgelegt, wie Vorstand Karsten Rethmeier bestätigt.

Ihm gebührte in der vergangenen Woche dann auch die Aufgabe, das kleine Nummernschild an den gedrosselten Roller der Marke Piaggio zu schrauben, den der Lüdinghauser Zweiradmechaniker Bruno Witteler für die Kinderheilstätte besorgt hat.

Jetzt können die Schüler den neuen Roller unter Aufsicht der Lehrer zum Üben nutzen. In den Straßenverkehr geht es für sie aber erst, wenn die Prüfung bestanden ist.

Der Weg ist das Ziel

„Für unsere Schüler ist das ein wahnsinniger Schritt in Richtung Selbstständigkeit“, betont Julian Groß, der stellvertretende Schulleiter. Das sieht auch Oliver so, der in ein paar Wochen 15 wird. Ein Mofa steht schon bereit bei ihm zu Hause. „Ich weiß noch gar nicht so genau, wohin ich bei der ersten Fahrt fahre“, gibt der noch 14-Jährige zu. Das ist aber ja eigentlich auch egal. Manchmal ist bekanntlich der Weg das Ziel. In Richtung Freiheit. Mit 25 km/h.

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