Mobilität in Nordkirchen: Ergebnis der ÖPNV-Umfrage zeigt, welche Angebote besonders fehlen

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Über mehrere Wochen hat die Gemeinde Nordkirchen ihre Bürger befragt, welche Mobilitäts-Angebote fehlen. Eine Erste Auswertung zeigt: Es gibt deutliche Mängel und klare Wünsche.

Nordkirchen

, 11.12.2019, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie sollen die Mobilstationen aussehen, die 2020 in Nordkirchen an den Start gehen? Um diese Frage zu beantworten, hat die Gemeinde Nordkirchen gemeinsam mit dem Ingenieurbüro für Innovation „infinite“ des Nordkircheners Björn Paulus einen Fragebogen entwickelt, den alle Nordkirchener ausfüllen konnten.

Ein erstes Zwischenfazit liefert nicht nur viele Informationen darüber, wie viele Haushalte tatsächlich daran teilgenommen haben, sondern auch, welche Mobilitätsformen sich die Nordkirchener in Zukunft in ihrer Gemeinde wünschen. Darunter sticht ein Wunsch besonders heraus.

Erklärtes Ziel: Zehn Prozent der Haushalte erreichen

Die wichtigsten Zahlen hatte Björn Paulus im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus, Umwelt und ländliche Entwicklung am Dienstagabend erst einmal nach hinten gestellt. Ein bisschen Dramaturgie braucht am Ende auch ein solch trockenes Thema wie ein Fragebogen.

Dass „trocken“ nicht aber gleich „uninteressant“ bedeutet, zeigte sich dann aber bei eben dieser Teilnehmer-Zahl. Zur Erinnerung: Noch während die Umfrage lief, sagte Manuel Lachmann, Wirtschaftsförderer der Gemeinde Nordkirchen, auf Anfrage dieser Redaktion, dass das erklärte Teilnahmeziel zehn Prozent der Haushalte seien.

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Am Ende nahmen mit 632 Nordkirchener Haushalten sogar etwa 14 Prozent teil. Was trotzdem nach wenig klingt, sei aber aus Experten-Sicht ein sehr guter Wert. Positiv sei dabei auch, dass viele Vollzeit-Beschäftigte und damit Pendler an der Umfrage teilgenommen haben - 38,1 Prozent.

Paulus erklärte, dass in Nordkirchen die Auspendlerquote bei etwa 67 Prozent liege. Nach Münster und Dortmund, beziehungsweise dem Ruhrgebiet fahren die meisten Nordkirchener nach Lüdinghausen, Hamm und Selm zu ihrem Arbeitsplatz.

Große Mehrheit wünscht sich flexiblen ÖPNV

Bei den Wünschen der Teilnehmer zeigte sich, dass sich eine große Mehrheit (über 70 Prozent) einen „On-Demand-Verkehr“ wünscht. Gemeint ist damit ein Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), der ohne feste Haltestellen und Fahrtzeiten auskommt, sondern auf Abruf fährt und flexible Routen, je nach Bedarf der Fahrgäste, nutzt.

Derzeit besitzen, wie Björn Paulus erklärte, lediglich zwölf Prozent der Befragten ein ÖPNV-Abo. 47 Prozent gaben sogar an, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zur Arbeit zu kommen, vor allem nicht mit dem Zug.

Eine wichtige Verbindung, die sowohl in den Fragebogen-Ergebnissen als auch in der Ausschuss-Sitzung zur Sprache kam, war beispielsweise der Anschluss an den Selmer Bahnhof.

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So zeigt sich, dass Nordkirchener immer noch stark vom Auto abhängen. 1154 Pkw wurden in der Umfrage angegeben, also umgerechnet fast zwei pro Haushalt.

Mehr Möglichkeiten würden sich beim umweltfreundlichen Pendeln beim Fahrrad-Verkehr ergeben. Mit 2,63 Fahrrädern pro Haushalt ist die Grundlage vorhanden. 34,9 Prozent der Befragten gaben zumindest an, dass sie die Möglichkeit hätten, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Hierbei müsse man allerdings vorsichtig sein, so Paulus. Das bedeute nicht, dass so viele Pendler auch das Rad nutzen würden, fügte er hinzu.

Eine Plattform, damit Kunden alle Dienste bequem nutzen können

Welche Lehren ziehen Verwaltung und Planer aus diesen Ergebnissen? Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, machte Björn Paulus deutlich. Die Auswertung sei auch noch nicht abgeschlossen.

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Was Paulus schon jetzt sagen konnte: Die Mobilitätsstationen brauchen eine übergreifende digitale Plattform (sprich: eine Smartphone-App), damit Nutzer ihre Routen genau planen können - egal, ob sie in den Bus einsteigen, ein Car-Sharing-Auto oder ein Leih-Pedelec nutzen wollen.

Außerdem müsse es nötig sein, dass Angebote wie Car-Sharing nicht an den Ortsgrenzen enden. Im ungünstigsten Fall hätte jede Kommune „ihren“ Anbieter, der auch nur diesen Ort bedient.

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