Nach Hamsterkäufen: Südkirchener Bäcker bietet Lieferservice für Brot und Mehl

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In der Südkirchener Bäckerei Hattebuer kauften die Menschen in der vergangenen Woche die doppelte Menge an Brot. Nun hat der Bäckermeister eine Idee für einen besonderen Lieferservice.

Nordkirchen

, 22.03.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Situation wie diese hat Jan Hattebuer auch in 20 Jahren als Bäckermeister noch nicht erlebt. Am Dienstag bekam er um 10 Uhr einen Anruf aus seinem Café in Südkirchen, dass es kein Brot mehr gibt. Vollkommen ausverkauft. Dabei hatte er die gleiche Menge wie immer gebacken. „Leider wurde bei uns gestern gehamstert“, schrieb Hattebuer daraufhin bei Facebook.

Am nächsten Tag war Hattebuer vorbereitet. Er buk die doppelte Menge an Brot und konnte sie auch fast vollständig absetzen. „Abends waren nur vier bis fünf Brote übrig“, sagt er. Die Leute kaufen also fast doppelt so viel wie sonst.

„Brot braucht jeder“

Beim Besuch in der Bäckerei am Freitag erzählt Sandra Wernet, langjährige Mitarbeiterin der Bäckerei, dass an diesem Tag noch mehr los gewesen sei als in den letzten Tagen. „Heute kaufen die Leute auch mehr Brötchen, in den letzten Tagen war es eher Brot“, sagt sie.

Zudem sei ihr am Freitag zum ersten Mal aufgefallen, dass die Leute ganz selbstverständlich Abstand hielten. Jeder habe vor der Tür gewartet, bis der Kunde vor ihm wieder herausgekommen sei.

Warum gerade Brot?

Jan Hattebuer hat eine Vermutung, warum Brot gerade so begehrt ist. „Es gibt viele Leute, die ihr Brot selbst backen, vor allen Dingen, wenn sie Unverträglichkeiten haben“, sagt Hattebuer. Und weil es im Moment so schwer ist, im Supermarkt noch an Mehl zu kommen, kaufen die Menschen verstärkt Brot. „Außerdem haben mir viele gesagt, dass sie sich einen Vorrat machen und sich das Brot einfrieren“, sagt Hattebuer.

Betrifft den Bäckereimeister denn die gestiegene Mehlnachfrage auch? Bekommt er dadurch vielleicht sogar selbst Schwierigkeiten? Hattebuer winkt ab. „Wir kriegen noch genug“, sagt er. Es gebe mehr als genug Mehl für die nächsten Wochen. Sogar so viel, dass er problemlos auf die dreifache Produktion umsteigen könnte.

Produktionsausfall von 60 Prozent

Das würde für ihn nicht mal bedeuten, dass er länger in der Backstube stehen müsste. Im Moment wären sogar noch deutliche Kapazitäten frei, so Hattebuer. „Wir haben einen Produktionsausfall von 60 Prozent“, erklärt er. Das liege daran, dass er sonst zum Beispiel die Caritaswerkstätten und mehrere Schulen beliefern würde. Alles Aufträge, die gerade weggefallen seien, weil alle Einrichtungen Geschlossen sind.

Deswegen hat sich der Bäckermeister nun auch überlegt, einen Lieferservice für die Corona-Zeit anzubieten. Wer möchte, kann sich unter Tel. (02596) 972331 melden, um sich zu beliefern lassen. Auch Milch und Mehl könne Hattebuer anbieten. Zumindest nach Mehl und Hefe sei er bereits gefragt worden. Wichtig ist bei dem Angebot aber Folgendes: „Das gibt es nur in haushaltsüblichen Mengen“, so Hattebuer.

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