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Nordkirchener Bürgerbus droht Stillstand wegen Fahrermangels

hzBürgerbus Nordkirchen

Der Bürgerbus tourt werktags durchs Gemeindegebiet Nordkirchen und darüber hinaus, um Menschen, die darauf angewiesen sind, von A nach B zu bringen. Der Fahrplan könnte bald dünner werden.

Nordkirchen, Südkirchen, Capelle

, 17.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Bürgerbusverein Nordkirchen schlägt Alarm. Ja, so kann man das durchaus bezeichnen. Denn Geschäftsführer Uli Breer und seine Mitstreiter fürchten, diesen wichtigen Service, den die Bürgerbusfahrer bieten, so nicht mehr lange aufrechterhalten zu können. Der Grund: „Wir brauchen dringend weitere Fahrer“, erzählt Uli Breer.

Team ist auf 15 Fahrer geschrumpft

15 Fahrer sitzen hinterm Steuer des Bürgerbusses. An fünf Tagen - von montags bis freitags - fahren sie in drei Schichten mit dem Bürgerbus. Ehrenamtlich. Aus Sicht des Bürgerbusvereins sind es nur noch 15 Ehrenamtliche. Und nicht „immerhin 15 Ehrenamtliche“. „Das Team ist aus Alters- und Gesundheitsgründen geschrumpft“, sagt Breer. Dadurch könne auf lange Sicht ein 12-Stunden-Tagesfahrbetrieb nicht mehr gewährleistet werden.

Kein Fahrernachwuchs zu finden

Das Problem: „Es findet sich niemand mehr, obwohl wir alles versucht haben“, so Breer. „Wir fahren auf der letzten Naht.“ Sollte jemand krank werden oder auch mal aus anderen Gründen seine Tour nicht fahren können, fangen die 15 Fahrer den Ausfall auf. Aber wie lange geht das noch gut? „Nicht mehr lange“, unkt der Geschäftsführer. „Bis Ende des Jahres schaffen wir es noch, aber dann ... ?“

Ja, was dann? Wenn es so weiter gehe und niemand als Fahrer oder Fahrerin nachrücke, denke der Bürgerbusverein darüber nach, den Fahrplan auszudünnen. Sprich: das zeitliche Angebot abzuspecken oder bestimmte Touren gar nicht mehr zu fahren. In dem Fall würde es wohl auch die Fahrten nach Selm zum Bahnhof Beifang und zurück treffen, sagt Breer.

Nordkirchener Bürgerbus droht Stillstand wegen Fahrermangels

Die Fahrer können eine Rampe ausklappen, wie man es auch von Linienbussen kennt. © Wilco Ruhland (A)

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Altersdurchschnitt der Fahrer liegt bei 73

Der Altersdurchschnitt der Fahrer liege bei 73, erzählt Breer. Zwei davon seien über 80. Fahrernachwuchs: Fehlanzeige. Auffällig sei, dass seit Jahren nur Ehrenamtliche aus Nordkirchen, Capelle und Selm dabei seien, aus Südkirchen jedoch niemand, „obwohl dieser Ortsteil vom Bürgerbus am meisten profitiert“. Woran das liegt? Uli Breer zuckt mit den Schultern. „Wir wissen den Grund nicht.“

Das Bürgerbusangebot in Nordkirchen gibt es seit 2006. Die Idee: Bürger fahren Bürger, die auf solch ein Angebot angewiesen sind. Die Bürgerbus-Kunden, das sind ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind und zum Einkauf oder zu Ärzten gefahren werden müssen. Berufspendler zum Bahnhof Capelle und auch zum Bahnhof Selm-Beifang gehören auch zu den Kunden. „Wir haben auch drei, vier Schüler, die mit uns fahren“, erklärt der Geschäftsführer.

Nordkirchener Bürgerbus droht Stillstand wegen Fahrermangels

Der Bürgerbus der neuesten Generation hat Stellfläche im Innenraum für Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren und dergleichen. © Wilco Ruhland

Wunsch: Gespräch mit Verkehrsunternehmen

Für diese Menschen müsse auch zukünftig ein tragfähiges Mobilitätskonzept geliefert werden. Breer wünscht sich ein Gespräch mit Gemeinde, Regionalverkehr Münsterland und Verkehrsgesellschaft Kreis Unna. Und der Bürgerbus solle als ein wichtiger Baustein angesehen werde, den man auch mal über Änderungen in Verkehrsführungen, etwa durch große Baustellen wie aktuell in Sachen Umbau der Kreisstraße in Selm. „Wir haben damals nicht erfahren, dass wir eine andere Route fahren müssen, weil es Sperrungen gab“, skizziert Uli Breer den Status Quo in der Anerkennung der Beteiligten am Öffentlichen Personennahverkehr.

Bürgermeister: Wichtiger Baustein für die Mobilität

Dietmar Bergmann, Bürgermeister der Gemeinde Nordkirchen, erkennt den Bürgerbusverein als wichtig für die Gemeinde Nordkirchen an: „Der Bürgerbus ist seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein im Rahmen der Mobilität in der Gemeinde Nordkirchen. Durch ihn werden nicht nur die drei Ortsteile verbunden, sondern auch der Übergang zu überregionalen Bus- und Bahnlinien sichergestellt. Aus diesem Grund ist der Bürgerbus auch Teil des neuen Mobilitätskonzept der Gemeinde Nordkirchen. Er hat hier eine tragende Rolle.“ Den Fahrerinnen und Fahrern des Bürgerbusvereins komme somit eine große Bedeutung für ein mobiles Leben in der Gemeinde Nordkirchen zu.

Die Gemeinde Nordkirchen unterstütze den Verein seit vielen Jahren sachlich und ideell, zum Beispiel bei der Neuanschaffung des neuen Niederflurbusses. „Neubürgerinnen und Neubürger erhalten bei ihrer Anmeldung im Rathaus ein Infopaket, in dem unter anderem auch für den Einsatz als Fahrerin bzw. Fahrer geworben wird. Ich appelliere auch an dieser Stelle gerne an alle Bürgerinnen und Bürger mit freier Zeit, sich für einige wenige Stunden im Monat als Fahrerin oder Fahrer im Bürgerbusverein zu engagieren.“ Ein Gespräch mit den beteiligten Verkehrsunternehmen sei übrigens bereits in Planung.

Anforderungsprofil ist einfach

Unabhängig davon braucht der Bürgerbusverein auch kurzfristig mehr Unterstützung durch ehrenamtliche Fahrer. Das Profil potenzieller Bürgerbusfahrer ist recht einfach:

  • Gesucht werden Männer und Frauen, die ehrenamtlich stundenweise den Bürgerbus fahren.
  • Sie müssen nur im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis der Kl. B – früher Klasse 3 - und gesundheitlich geeignet sein, diesen Bus mit bis zu acht Fahrgästen zu lenken.
  • Alle weiteren Formalitäten und Kosten für die Gesundheitsprüfung und Beantragung des Fahrgastbeförderungsscheins werden vom Bürgerbusverein übernommen.

Wer Interesse daran hat, im Bürgerbus-Fahrerteam mitzumachen, kann sich an Uli Breer, Tel. (02596) 2840, wenden.

www.buergerbus-nordkirchen.de

Zahlen und Fakten zum Nordkirchener Bürgerbus Der Bürgerbus, ein Kleinbus mit acht Fahrgastplätzen, wird da eingesetzt, wo regulärer Linienverkehr wirtschaftlich nicht tragbar ist. Der Bürgerbus Nordkirchen ist montags bis freitags von 6.30 bis 18.30 Uhr in allen drei Ortsteilen Nordkirchens sowie in Selm unterwegs. Die ehrenamtlichen Fahrer legen rund 60 000 Kilometer pro Jahr zurück. Seit Jahresbeginn 2019 wurden rund 3800 Menschen mit dem Bürgerbus befördert. Fahrtkosten: ein Euro pro Tour; von und nach Selm zwei Euro. Schüler zahlen jeweils die Hälfte.
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