Heiner Müller, Inhaber des Bikertreff Nordkirchen, hat vor der Öffnung seiner Außengastronomie viel zu erledigen. Vor allem an Ware zu kommen gestaltet sich so spontan als schwierig. © Günther Goldstein
Kreis Coesfeld

Öffnung von Außenbereichen in Restaurants stellt Gastronomen vor Probleme

Eine spontane Ankündigung des Landes macht es möglich: Außengastronomien im Kreis Coesfeld dürfen wieder öffnen. Ein bittersüßes Geschenk, das die Gastronomen fast zu überfordern droht.

Die Ankündigung des Landes Nordrhein-Westfalen kam für viele überraschend: Bei einer konstanten Inzidenz von unter 100 Infektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen dürfen auch Außengastronomien unter Auflagen wieder öffnen. Ein Grund zur Freude sicherlich für viele Menschen. Die Gastronomen stellt das spontane Geschenk der Landesregierung allerdings vor Herausforderungen.

„Wir sind von der Politik überrumpelt worden“, sagt Heiner Müller, Inhaber des Bikertreffs Nordkirchen. Das Lokal ist weit über die Region hinaus bekannt und vor allem bei Motorradfahrern beliebt, die ihre Pausen gerne am Bikertreff einlegen. Doch gerade, dass die meisten Gäste spontan Halt machen, sieht Müller als eines der Probleme bei der neuen Freiheit, die auch an strenge Regeln geknüpft ist. Gäste müssen einen bestätigten Schnell- oder Selbsttest, der nicht älter als 48 Stunden ist, und ein amtliches Ausweisdokument bei sich haben. Alternativ sind vollständig Geimpfte, die das nachweisen können, den Getesteten gleichgestellt.

Das gilt andersherum auch für das Personal der Gastronomie.

20 Tische im Außenbereich wird das Schlossrestaurant zunächst bewirten.
20 Tische im Außenbereich wird das Schlossrestaurant zunächst bewirten. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Müller bezweifelt einerseits, dass die Gäste an diesem Wochenende darauf schon eingestellt sein werden. Auf der anderen Seite würden die strengen Kontrollen und Abstände nicht zu dem Konzept passen, das die Gäste vom Bikertreff kennen. Müller sieht hier Konflikte, wenn er potenzielle Kunden abweisen muss. „Man fühlt sich alleingelassen und verarscht“, sagt er. Allem voran von der Politik, die Entscheidungen treffe ohne mit denen zu sprechen, die die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Eine ähnliches Auf und Ab der Emotionen erlebt Franz Lauter, Betreiber des Schlossrestaurants Nordkirchen. Dass auch er seine Außengastronomie im Schlosshof wieder öffnen darf sei zwar schön, aber die damit verbundene Bürokratie für die Gastronomen kaum umsetzbar. „Was soll das?“, fragt Lauter mit einer Mischung aus Unverständnis und Ärger in der Stimme. „Die Bürokratie hat uns alle überrollt.“

Es müssen Eincheck-Punkte für die Luca-App, beziehungsweise die Corona-Warn-App erstellt und gedruckt werden, Absperrungen eingerichtet und weitere Informationsschilder für die Gäste aufgestellt werden. Ein riesiger Aufwand, der in kürzester Zeit noch einmal obendrauf kommt.

Trotzdem: Sowohl Lauter als auch Müller werden ihre Gastronomien am Wochenende öffnen. Im Fall des Bikertreffs kommt dabei noch ein zweiter wichtiger Faktor hinzu: Woher soll so kurzfristig die Ware kommen? Nach sechseinhalb Monaten der Schließung muss der Bikertreff-Inhaber erst Pommes Frites, Würstchen und Getränke ordern. Vom Großmarkt habe er bei Pommes schon eine Absage bekommen. Es sei keine Ware lieferbar. Müller probiert es weiter. Er will und muss wieder den Betrieb aufnehmen. Die Coronakrise hat bei beiden Gastronomen auch finanziell eingeschlagen.

Das Schlossrestaurant in Nordkirchen bereitet sich auf die Öffnung der Außengastronomie vor.
Das Schlossrestaurant in Nordkirchen bereitet sich auf die Öffnung der Außengastronomie vor. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Franz Lauter sagt, dass sein Team auch einfach wieder arbeiten will. „Die Jungs brennen schon“, macht er deutlich. Das Schlossrestaurant wird am Wochenende mit etwa 20 Plätzen öffnen, kündigt Lauter an. Wie groß der Wunsch der Menschen ist, wieder auszugehen, zeige sich schon seit Tagen: „Mein Telefon klingelt ununterbrochen“, sagt Lauter.

„Man fühlt sich alleingelassen und verarscht.“

Heiner Müller

Das gilt nicht nur für Nordkirchen. Die Olfener Ratsschänke beispielsweise hat auch angekündigt, den Außenbereich öffnen zu wollen. Die Reaktionen im Netz darauf sind zum größten Teil positiv, auch wenn einige die Testpflicht beispielsweise kritisieren.

Dass nicht alle Gastronomen die spontane Lockerung des Landes mitgehen wollen, zeigte sich indes in Lüdinghausen. Dort machte der Betreiber des „Scheer‘s Amadeus“ auch im Namen mehrerer Wirte bereits deutlich: „Den Quatsch können und wollen wir nicht mitmachen.“ Eine so spontane Öffnung unter diesen Vorgaben sei einfach nicht umsetzbar.

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Redaktion Selm
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