Pommes vor Schloss Nordkirchen: Ungewohntes Angebot in der Corona-Krise

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Vor einem halben Jahr hatte ihn der Schlemmer-Atlas zu einem der 50 besten Köche Deutschlands gewählt. Jetzt ist Franz Lauter froh, dass er Pommes rot-weiß servieren kann - unter Auflagen.

Nordkirchen

, 18.04.2020, 19:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Spaziergängern rund um Schloss Nordkirchen war es am Samstag, 18. April, egal, wer da hinter der Plexiglasscheibe stand. Für sie zählte, was er machte: Würstchen auf dem Grill wenden, Pommes mit Salz würzen und ihnen einen Snack anbieten: eine ungewohnte Rolle für Franz Lauter. Und ungewohnte Gerichte.

Der Restaurantführer Schlemmer Atlas hatte den Pächter des Schloss-Restaurants Nordkirchen im September 2019 unter die Top 50 gewählt: einer der besten Köche Deutschlands. Die bundesweit tätigen Restaurant-Tester schätzen besonders im Schlosskeller „gebratene Entenbrust, fruchtiger Couscous-Obstsalat

Rinderfilet mit Rotwein-Jus, Barbecue-Blumenkohl und marmorierte Tatarsauce,

Schaumgefrorenes von der Erdbeere, Holundersüppchen und Espuma“.

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Von all dem war am Samstag an dem Freiluft-Stand im Schlossinnenhof nichts zu sehen und zu schmecken: stattdessen Pommes und Wurst. Dennoch strahlte der 72-Jährige. Endlich könne er wieder Essen servieren, sagte er. Denn das Restaurant im Schlosskeller ist seit Beginn der Corona-Krise

geschlossen - und wird es vorerst auch bleiben.

Das sind die Auflagen des Landes für die Gastronomie

Die zaghaften Lockerungen der Corona-Auflagen, die das Land NRW ab dem 20. April vorsieht, gelten nicht für die Gastronomie. Wie die Landesregierung mitgeteilt hat, ist der „Betrieb von Restaurants, Gaststätten, Imbissen, Mensen, Kantinen, Kneipen, (Eis-)Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen untersagt“.

Betriebskantinen dürften unter Hygieneauflagen weiterbetrieben werden. Die Belieferung mit Speisen und Getränken sowie der Außer-Haus-Verkauf seien zulässig. Vorausgesetzt, die Anbieter treffen „geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts, zur Vermeidung von Warteschlangen und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern“.

200 Euro Strafe drohen Kunden mit Heißhunger

Was sich auch nicht geändert hat: „Der Verzehr vor Ort sowie in einem Umkreis von 50 Metern um die gastronomische Einrichtung ist untersagt.“ Wer an Lauters Stand stehen bleibt und dort in die Wurst beißt, riskiert als Kunde ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro laut Paragraf 9 Absatz 2 des aktuellen Bußgeldkatalogs des Landes. Lauter wird seine Kunden aber davon abhalten, denn er würde in so einem Fall als Betriebsinhaber mit 1000 Euro bestraft.

Die Spaziergänger, die am Samstag im Familienverband oder paarweise durch den Park des Westfälischen Versailles streiften, machten gerne Halt am Imbissstand. „Man fühlt förmlich, wie sich alle nach ein wenig Normalität sehnen“, sagte Lauter, während er in seiner gewohnten Arbeitskleidung Currysauce über die Würstchen goss.

Dehoga fordert Entlastung für Betriebe

Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die gerade bei schönem Wetter die Bestimmungen des Kontaktverbots rund um das bekannte Ausflugsziel kontrollieren, hatten die kulinarische Neuerung gleich entdeckt und überprüft - ohne etwas auszusetzen zu haben, wie Lauter sagte.

Zusammen mit seinem Koch Norbert Parzych und zwei Servicekräften will Lauter weiter einfache Gerichte zum Mitnehmen und Getränke anbieten. Die Auflagen des Kontaktverbots gelten bis zum 3. Mai - mindestens. Nicht nur für Lauter eine Durststrecke mit unbekanntem Ende.

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Laut des Branchenverbandes Dehoga ist die Gastronomie besonders betroffen von den Einschränkungen durch die Pandemie. Wie der Präsident des Verbandes, Guido Zöllick, dem Deutschlandfunk mitteilte wäre eine reduzierte Mehrwertsteuer eine Hilfe in dieser Situation, Eine andere wäre ein gesonderter Rettungs- und Entschädigungsfonds, ähnlich den Dürrehilfe für Bauern oder der Fluthilfe 2013.

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