Prestige vor Jugendarbeit? Leser bemängelt fehlende Angebote für Jugendliche in Capelle

Ohlrich
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Die Ruhr Nachrichten berichteten am 11. November über den beliebten Jugendtreff „Zentrale“ in Südkirchen. Und vor einiger Zeit auch über den einmalig gut betreuten Jugendtreff „JUNO“ in Nordkirchen. Capelle allerdings steht im Abseits: Hier gibt es nichts zu loben, weil es hier keine Jugendsozialarbeit gibt. Jugendliche treffen sich in Capelle im Freien: Bei schönem Wetter auf dem Schulhof der Grundschule und neuerdings auch vor dem Eingang zum „Netto“. Bei Regen unter dem Vordach eines Nebengebäudes der Grundschule. Von Betreuung durch Schulsozialarbeiter:innen oder engagierten jungen Menschen keine Spur.

Auf Anfrage teilte Bürgermeister Dietmar Bergmann Leser Bernd Müller mit, es gebe ja den Sportverein, das Heimathaus, das DRK, wo sich Jugendliche einbringen könnten. Mit dem selben Argument wäre die Jugendarbeit in Nord- und Südkirchen ja gar nicht nötig!

Daneben verneint Bergmann den eigentlichen Zweck von Schul- und Jugendsozialarbeit. Die Ruhr Nachrichten betonten am 11. November: „Was den Reiz des Jugendtreffs ‚Die Zentrale‘ in Südkirchen ausmacht, ist die Möglichkeit, ungezwungen mit anderen seine Freizeit zu verbringen.“

Jugendarbeit ohne Lobby?

Vor Corona, so Bergmann weiter, habe man ein Angebot für Jugendarbeit in Capelle machen wollen. Mit Corona sei es leider nicht zustande gekommen. „Da die angedachten Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen und das JUNO große Personalprobleme hat, arbeiten wir an einer neuen Lösung“ (Originalton Bergmanns am 6. Okt. 2022).

Wie lange arbeitet die Gemeinde also an der Jugendarbeit in Capelle? Länger als 3 Jahre! Jugend scheint offensichtlich in Capelle keine Lobby zu haben. Prestige förderlicher für die Gemeindeverwaltung scheint da das Großbauprojekt am Schloss Nordkirchen. Fazit: Was bleibt den Jugendlichen in Capelle? So hart es klingen mag: „Die Straße“.

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