Die Schulschließungen im März waren für die Gesamtschule Nordkirchen ein Sprung ins kalte Wasser, was digitales Lernen anging. Jetzt hat sich die Schule auf verschiedene Szenarien vorbereitet.

Nordkirchen

, 02.11.2020, 08:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war eine so noch nie dagewesene Aufgabe, der sich Schulen in Nordrhein-Westfalen zwischen März und Juni 2020 stellen mussten. Als die Corona-Pandemie auch Deutschland mit Wucht traf und die Infektionszahl stieg, entschied das Land, den Lehrbetrieb in den Schulen bis auf Weiteres einzustellen.

Distanzunterricht - oder Homeschooling - war plötzlich der neue Alltag. Das war keine Übung, sondern der Ernstfall. Und kein Szenario, das in der Kürze der Zeit ausreichend vorbereitet werden konnte. „Im Frühjahr kam der Lockdown ohne Vorlauf und ohne ein entsprechendes Konzept“, erinnert sich Ulrich Vomhof, Leiter der Johann-Conrad-Schlaun-Schule. Die Folge für die Gesamtschule: Schon grundlegende Fragen konnten kaum vorbereitet werden. Zum Beispiel: Wie erreichen Lehrer ihre Schüler und umgekehrt? „Wir haben vorher noch E-Mail-Verteiler organisiert, damit Lehrer ihre Aufgaben an die Schüler schicken konnten“, sagt Vomhof. Kontakt via Whatsapp sei vom Ministerium zwar geduldet worden, was den Datenschutz angeht, sei der Messenger allerdings nicht die beste Lösung gewesen, so der Schulleiter.

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Jetzt, ein halbes Jahr später erleben wir ein Dé­jà-vu. Eines, auf das Experten schon seit Monaten hinweisen und vor dem gewarnt wurde. Und doch steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 im ganzen Land wieder explosionsartig.

Also alles so, wie im März? Nicht ganz. Die Gesamtschule in Nordkirchen sei wesentlich besser auf das Thema Fernunterricht vorbereitet, sagt Ulrich Vomhof. Das ist auch zwingend erforderlich. Denn anders als im Frühjahr, als der plötzliche Distanzunterricht den aus Schülersicht angenehmen Vorteil hatte, das er nicht bewertet werden durfte, wird das Homeschooling künftig normal benotet, sagt der Gesamtschulleiter.

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Die JCS geht allerdings nicht von einer erneuten Komplett-Schließung der Schulen aus. Vielmehr hält der Schulleiter einzelne Quarantäne-Fälle für wahrscheinlicher - von einzelnen Schülern und Lehrern über den Klassenverband bis hin zu ganzen Stufen. Grundlage der Überlegungen der Schule sei gewesen, wie in solchen Fällen dennoch ein vernünftiger Unterricht möglich sein kann, erklärt Vomhof.

Das wichtigste Handwerkszeug für Lehrer und Schüler ist dabei die digitale Plattform „IServ“, die die Gesamtschule bereits im Einsatz hat. Finanziert wird IServ vom Schulträger - der Gemeinde Nordkirchen. Rund 5000 Euro kostet die Plattformnutzung die Gemeinde pro Jahr. Aus Sicht von Ulrich Vomhof bietet IServ dafür viele Funktionen, die ideal für den Fernunterricht sind.

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Jeder Schüler und Lehrer ist über einen eigenen Account angemeldet. Klassen und Kurse ließen sich so in der geschlossenen Plattform einfach organisieren, beschreibt der Schulleiter. Ebenso einfach könnten Lehrer ihren Schülern Aufgaben stellen. Dabei könne IServ auf dem Computer, Tablet-PCs und Smartphones genutzt werden. Bekommt der Schüler eine neue Aufgabe, geht zeitgleich auf seinem Handy beispielsweise eine Benachrichtigung ein. Lehrer wiederum können nachverfolgen, welche Schüler ihre Aufgaben bereits erledigt haben und welche nicht.

Integriert sei unter anderem außerdem eine Nachrichtenfunktion, ähnlich dem Messenger Whatsapp und die Möglichkeit, Videokonferenzen zu nutzen. All das habe den großen Vorteil, das sich die Server in Deutschland befänden, fügt der Schulleiter hinzu.

Leih- und Dienst-iPads für Schüler und Lehrer bestellt

Damit sichergestellt ist, dass jeder Gesamtschüler im Falle einer Quarantäne auch auf die Plattform zugreifen kann, hat die Schule abgefragt, wer die nötigen Endgeräte zu Hause hat und wer möglicherweise ein Leihgerät benötigt. Das Ergebnis: Bei 30 befragten Schülern, hatten im Schnitt vier kein Gerät, beziehungsweise konnten das Verfügbare nicht nutzen. 80 iPads hat die JCS bereits als Leihgeräte im Bestand. Für alle Nordkirchener Schulen hat die gemeinde knapp 300 weitere bestellt, wie Kämmerer Bernd Tönning sagt. Etwa die Hälfte sei für Lehrer, die andere Hälfte für die Gesamt- und Grundschüler vorgesehen.

Damit sei gewährleistet, dass genügend Leihgeräte für verschiedenste Quarantäne-Szenarien vorhanden sind, so Vomhof. Bislang nutzen Lehrer ihre privaten Endgeräte. 500 Euro habe das Land für die Dienstgeräte pro Lehrer bereitgestellt, berichtet der Schulleiter. Die Frage ist jetzt nur, wie schnell die bestellten Geräte geliefert werden können. Denn die JCS ist nicht die einzige Schule, die auf neue Geräte wartet.

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Bliebe noch die Frage, wie die Gesamtschule sicherstellen will, dass die Schüler auch tatsächlich an ihren Aufgaben arbeiten, wenn sie nicht in die Schule kommen können. Die Antwort ist einfach: Der Stundenplan bleibt auch im Distanzunterricht bestehen. Auch dabei helfe die Plattform IServ, in die sich Schüler und Lehrer zur entsprechenden Unterrichtszeit einloggen.

Die Tagesstruktur und den Kontakt zwischen den Schülern und den Lehrern aufrechtzuerhalten sei eine große Herausforderung, der sich die Schulen in Quarantäne- oder Schließungsfällen stellen müssten, erklärt Ulrich Vomhof.

Insgesamt sagt der Gesamtschulleiter - wenn auch mit vorsichtiger Stimme-, sehe er seine Schule gut auf das vorbereitet, was im Herbst und Winter noch kommen könnte.

Neue Verkabelung und neue Arbeitsweisen

Auf jeden Fall habe die JCS in den vergangenen Monaten wichtige technische Schritte gemacht, die das Lernen auf Distanz erleichtern. Neben den iPads zählt Ulrich Vomhof hier auch die zusätzliche Datenverkabelung auf, die im Sommer und Herbst in der Schule installiert wurden. Die Arbeiten seien mittlerweile so gut wie abgeschlossen, berichtet Vomhof.

Und auch insgesamt sei das digitale Arbeiten in der Gesamtschule selbstverständlicher geworden. Aus der Not, im Frühjahr auf digitale Alternativen umsteigen zu müssen, habe das Lehrerkollegium eine Tugend gemacht. Mit dem Ergebnis, dass auch Kolleginnen und Kollegen, die anfangs eher skeptisch waren, sich mittlerweile auf die Möglichkeiten der Technik eingelassen hätten.

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